Rotstiftpolitik für Zusatzleistungen: Kommt das Aus für Yoga, Globuli und Co?
Kassenärzte-Chef fordert komplette Streichung freiwilliger Satzungsleistungen
Dr. Andreas Gassen - Vorstandschef der KBVexentis / Georg J. Lopata
Kein Yoga, Keine Globuli, keine Reiseimpfung?
Zusatzleistungen umfassen ein riesiges Angebot an freiwilligen Ausgaben für die Versicherten, etwa in den Bereichen Prävention, Schwangerschaft, Alternativmedizin bis hin zur Hauskrankenpflege. Zu den beliebten Satzungsleistungen zählen unter anderem Zuschüsse zu Fitnesskursen oder die Kostenübernahme für alternative Heilmethoden wie Homöopathie, Anthroposophie oder Phytotherapie. Auch Zuschüsse für Fitnesstracker gehören bei manchen Kassen zum Angebot. Kritiker bemängeln seit Längerem, dass der medizinische Nutzen einiger dieser Leistungen umstritten sei und Beitragsmittel der Solidargemeinschaft für Wettbewerbszwecke eingesetzt würden. Als medizinisch weniger umstritten gelten hingegen etwa zusätzliche Schutzimpfungen für Auslandsreisen oder erweiterte Leistungen bei künstlicher Befruchtung. Gesetzlich ausgeschlossen sind lediglich bestimmte sogenannte Lifestyle-Medikamente wie Potenzmittel oder Abnehmspritzen.
Die Debatte gewinnt vor dem Hintergrund wachsender Finanzprobleme an Brisanz. Für das kommende Jahr wird in der gesetzlichen Krankenversicherung eine Finanzierungslücke von rund zwölf Milliarden Euro erwartet. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat eine Expertenkommission eingesetzt, die bis Ende März Vorschläge für kurzfristige Einsparungen vorlegen soll. Diskutiert werden neben höheren Zuzahlungen für Versicherte auch Einschnitte bei Pharmaunternehmen, Ärzten und Kliniken.
Ein früherer Vorstoß des damaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD), die Kostenübernahme für Homöopathie aus dem Leistungskatalog zu streichen, war unter anderem am Widerstand der Grünen gescheitert, die abwer mittlerweile auch eine politische Kehrtwende bei diesem Thema vollzogen haben. Ein solcher Schritt hätte die Kassen nach früheren Schätzungen um rund 50 Millionen Euro jährlich entlastet.
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