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Beitragsbemessungsgrenze

Im deutschen Sozialversicherungssystem gibt es zwei Beitragsbemessungsgrenzen (BBG): zum einen eine für die Kranken- und Pflegeversicherung und zum anderen eine für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Bei Letzterer wird außerdem zwischen knappschaftlicher (vor allem für Beschäftigte im Bergbau) und allgemeiner Versicherung unterschieden. Bei der Berechnung der Beiträge in der Sozialversicherung wird das zugrundeliegende Arbeitsentgelt (beziehungsweise die Rente) des Versicherten nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Der Teil des Arbeitsentgelts, der diese Grenze übersteigt, wird nicht für die Beitragsberechnung herangezogen. Auf diese Weise sind die maximal möglichen Beiträge, die ein Versicherter zu zahlen hat, auf einen bestimmten Maximalwert begrenzt.

Die Beitragsbemessungsgrenze wird jährlich von der Bundesregierung angepasst. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung seit 2009:

 

 

In der Rentenversicherung und der Arbeitslosenversicherung gelten andere Beitragsbemessungsgrenzen. Die Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze für diese Versicherungszweige ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

 

 

Wieso gibt es unterschiedliche Beiträge für verschiedene Einkommenshöhen?

In der gesetzlichen Sozialversicherung in Deutschland herrscht das Solidaritätsprinzip. Dieses soll gewährleisten, dass sozialversicherungspflichtige Personen Beiträge zahlen, die sich nach ihrem individuellen Einkommen richten (einkommensabhängiger Versicherungsbeitrag). Damit soll eine finanzielle Überbelastung einkommensschwacher Personen vermieden werden. Ein Geringverdiener zahlt demnach einen geringeren Beitrag als eine Person mit hohem Einkommen. Eine Ausnahme bilden Personen, die weniger als 450 Euro im Monat verdienen und sich als freiwilliges Mitglied in der GKV versichern müssen. Hier wird den Beitragsberechnungen ein fiktives Monatseinkommen von aktuell 991,67 Euro im Monat (2017) zu Grunde gelegt, auch wenn dieses real gar nicht erwirtschaftet wird. Der Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte, bei denen die Beitragskosten nicht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt werden können, liegt damit bei ca. 180 Euro im Monat. Alle Beitragszahler haben unabhängig von ihrem Gesundheitszustand und der Krankheitshäufigkeit Anspruch auf die gleichen Sozialversicherungsleistungen.

Wie errechnen sich 2017 die Beitragssätze im Detail?

  • Der Beitragssatz für die Krankenversicherung wird folgendermaßen berechnet:
  • Allgemeiner Beitragssatz der Krankenversicherungen (jeweils für Arbeitgeber und Arbeitnehmer): Arbeitsentgelt bis zur BBG ∙ 7,3 %
  • Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz (unabhängig von der jeweiligen GKV und jeweils für Arbeitgeber und Arbeitnehmer): Arbeitsentgelt bis zur BBG ∙ 1,1 %
  • Individueller Zusatzbeitragssatz (nur für Arbeitnehmer): Arbeitsentgelt bis zur BBG ∙ kassenabhängiger Prozentsatz
  • Beitragssatz für die Pflegeversicherung (jeweils für Arbeitgeber und Arbeitnehmer): Arbeitsentgelt bis zur BBG ∙ 1,275 %

Hinweis: Für kinderlose Arbeitnehmer ab 23 Jahren fallen zusätzlich 0,25 % an.

Beispiel 1: monatliches Brottogehalt von 6.500,00 EUR: Berücksichtigt wird bei der Ermittlung des monatlichen Beitrags für die Kranken- und Pfegeversicherung im Jahr 2017 nur ein Arbeitsentgelt bis 4.350,00 EUR. Die Differenz aus Bruttogehalt und BBG beträgt 2.150,00 EUR. Dieser Betrag ist somit versicherungsfrei, der Versicherte zahlt den Höchstsatz. 7,3 % von 4.350,00 EUR: 317,55 EUR zahlt der Arbeitnehmer in die Gesetzliche Krankenversicherung ein (ggf. fällt außerdem ein Zusatzbeitrag an). 1,275 % von 4.350,00 EUR: 55,46 EUR zahlt er in die gesetzliche Pflegeversicherung ein.

Beispiel 2: monatliches Brottogehalt von 4.270,00 EUR: Nun liegt das Gehalt knapp unter der BBG, weshalb das volle Bruttogehalt in die Rechnung einbezogen wird. 7,3 % von 4.270,00 EUR: 311,71 EUR zahlt der Arbeitnehmer in die gesetzliche Krankenversicherung ein. 1,275 % von 4.270,00: 54,44 EUR zahlt er in die gesetzliche Pflegeversicherung ein.

 

  • Beitragssätze für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung: Für diese beiden Säulen des Sozialversicherungssystems gelten ebenfalls jährlich angepasste Beitragssätze.
  • 2017 gilt für die Arbeitslosenversicherung (jeweils für Arbeitgeber und Arebitnehmer) Folgendes: Arbeitsentgelt bis zur BBG ∙ 1,5 %.
  • Für die Rentenversicherungsbeiträge (jeweils für Arbeitgeber und Arbeitnehmer) gilt 2017 dies: Arbeitsentgelt bis zur BBG ∙ 9,35 %.

Unterschiede zwischen Ost und West

Noch immer unterscheiden sich in Deutschland die West-Gehälter in einigen Berufen stark von den Ost-Gehältern. Aus diesem Grund gelten in Ostdeutschland für die Einzahlung in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung andere Beitragsbemessungsgrenzen als in Westdeutschland.

Verwechslungsgefahr mit anderen SV-Größen

Gerne wird die Versicherungspflicht- beziehungsweise Jahresarbeitsentgeltgrenze mit der Beitragsbemessungsgrenze verwechselt. Diese Grenzen beziehen sich allerdings auf unterschiedliche Sachverhalte: Während die BBG dafür sorgt, dass die Sozialversicherungsbeiträge der Versicherten einen staatlich festgelegten Maximalwert nicht überschreiten dürfen, steht die Jahresarbeitsentgeltgrenze für ein jährliches Mindesteinkommen, mit dessen Überschreitung Arbeitnehmer in eine private Krankenkasse wechseln können. 2017 liegt die Versicherungspflichtgrenze bei 57.600 Euro.