Krebsvorsorge

Mit mpMRT frühzeitig Prostata-Krebs erkennen

Multiparamatrisches MRT gilt als erkennungssicheres nicht-invasives Verfahren
veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

multiparametrisches MRT (mpMRT)multiparametrisches MRT (mpMRT)(c) getty Images / peakSTOCK
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Um Tumore frühzeitig und präzise zu lokalisieren, hat sich die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) in der urologischen Diagnostik fest etabliert. Im Gegensatz zur klassischen, oftmals blinden Gewebeentnahme (Biopsie) liefert dieses bildgebende Verfahren hochauflösende Querschnittsbilder der Prostata, ohne invasiv in den Körper einzudringen.

2023-06-21T14:31:00+00:00

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Die detailgenauen Bilder des Verfahrens ermöglichen es, Prostatakrebs rasch zu erkennen beziehungsweise auszuschließen und Erkrankungsverläufe exakt zu verfolgen.

Symptome von möglichem Prostata-Krebs

Bild (c) Canva.com
Eine Erkrankung der Prostata kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem eine gutartige Prostatavergrößerung, Entzündungen oder ein Prostatakarzinom. Prostatakrebs verursacht insbesondere im frühen Stadium häufig keine Beschwerden. Auch bei einer fortgeschrittenen Erkrankung können typische Symptome fehlen. Beschwerden beim Wasserlassen sind zudem nicht spezifisch für Prostatakrebs und können beispielsweise auch durch eine gutartige Prostatavergrößerung verursacht werden.

Mögliche Beschwerden können sein:

  • häufiger oder verstärkter Harndrang
  • Beschwerden oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Schmerzen bei der Ejakulation
  • bei fortgeschrittener Erkrankung unter anderem Knochenschmerzen

Treten solche Beschwerden über längere Zeit auf, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Eine Prostatauntersuchung kann verschiedene diagnostische Verfahren umfassen. Dazu gehören unter anderem die Erhebung der Krankengeschichte, die Tastuntersuchung, die Bestimmung des PSA-Wertes und gegebenenfalls eine MRT. Auch unabhängig von diesen Symptomen ist im fortgeschrittenen Alter eine regelmäßige Untersuchung empfehlenswert.

Vorteile des mpMRT-Verfahrens

Bild (c) Canva.com
Die multiparametrische Magnetresonanztomografie (mpMRT) ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Prostata und ihrer Umgebung. Dabei werden verschiedene MRT-Sequenzen miteinander kombiniert. So können auffällige Bereiche der Prostata erkannt und hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit für ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom beurteilt werden.

Nach der aktuellen S3-Leitlinie Prostatakarzinom soll bei einer bestätigten Erhöhung des PSA-Wertes auf über 3 ng/ml vor einer Biopsie eine MRT der Prostata erfolgen, sofern das Ergebnis Konsequenzen für das weitere Vorgehen hat.

Die MRT kann dabei helfen, verdächtige Bereiche gezielt zu untersuchen und die anschließende Biopsie zu planen. Bei entsprechenden Befunden können MRT-gezielte Biopsien beziehungsweise MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsien durchgeführt werden. Die MRT ersetzt jedoch nicht die histologische Untersuchung einer Gewebeprobe.

Zu den möglichen Vorteilen gehören:

  • bessere Darstellung verdächtiger Bereiche der Prostata
  • Unterstützung bei der Entscheidung über eine Biopsie
  • gezieltere Entnahme von Gewebeproben
  • zusätzliche Informationen über die mögliche Ausdehnung eines Tumors

Eine unauffällige MRT schließt Prostatakrebs allerdings nicht mit absoluter Sicherheit aus.

Ablauf einer mpMRT

Vor der Untersuchung werden unter anderem die Krankengeschichte, der PSA-Wert und weitere individuelle Risikofaktoren berücksichtigt. Je nach Situation können zusätzlich eine Tastuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.

Die mpMRT erfolgt in einer radiologischen Praxis oder Klinik. Sie arbeitet mit einem starken Magnetfeld und Radiowellen und kommt ohne ionisierende Röntgenstrahlung aus. Während der Untersuchung liegt der Patient in der Regel auf dem Rücken. Eine Untersuchung dauert je nach Gerät und Untersuchungsprotokoll meist etwa 30 bis 45 Minuten.

Bei modernen Prostata-MRT-Untersuchungen wird in der Regel keine Endorektalspule benötigt. Die konkrete Untersuchungstechnik hängt unter anderem vom verwendeten MRT-Gerät und dem Untersuchungsprotokoll ab.

Häufig wird ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel über eine Vene verabreicht. Es kann dabei helfen, bestimmte Gewebeveränderungen und die Durchblutung besser darzustellen. Ob ein Kontrastmittel eingesetzt wird, hängt vom jeweiligen Untersuchungsprotokoll und der individuellen Situation ab.

Eine mpMRT kann insbesondere eingesetzt werden:

  • bei bestätigter PSA-Erhöhung vor einer geplanten Biopsie
  • nach einer negativen Biopsie bei weiterhin bestehendem Krebsverdacht
  • zur gezielten Planung einer Biopsie
  • bei bestimmten Fragestellungen zur Ausbreitungsdiagnostik

Unterschiede zwischen MRT und mpMRT

Bild (c) pixabay / CC0
Bei beiden Untersuchungen wird die Magnetresonanztomografie eingesetzt. Eine multiparametrische MRT kombiniert jedoch mehrere unterschiedliche Bildsequenzen und liefert dadurch zusätzliche Informationen über das Gewebe. Zu den grundlegenden Sequenzen gehören unter anderem T1- und T2-gewichtete Aufnahmen sowie Diffusionsaufnahmen. Je nach Untersuchungsprotokoll kommt zusätzlich eine kontrastmittelgestützte dynamische Untersuchung zum Einsatz.Die verschiedenen Sequenzen werden gemeinsam ausgewertet. Dadurch lassen sich auffällige Bereiche der Prostata genauer beurteilen.

Risiken durch Kernspintomografie

Eine MRT verwendet keine ionisierende Strahlung und ist grundsätzlich ein etabliertes diagnostisches Verfahren. Dennoch müssen vor der Untersuchung mögliche Risiken und Ausschlussgründe geprüft werden.

Besondere Vorsicht ist unter anderem bei bestimmten Implantaten und medizinischen Geräten erforderlich. Dazu können beispielsweise Herzschrittmacher, Defibrillatoren oder bestimmte Metallimplantate gehören. Ob eine MRT möglich ist, hängt vom jeweiligen Gerät beziehungsweise Implantat und den geltenden Untersuchungsbedingungen ab.

Auch bei der Gabe von Kontrastmittel müssen individuelle Faktoren wie die Nierenfunktion und frühere Reaktionen auf Kontrastmittel berücksichtigt werden.

Aussagekraft der multiparametrischen MRT

Zur standardisierten Beurteilung von Prostata-MRTs wird das PI-RADS-System (Prostate Imaging Reporting and Data System) verwendet. Die aktuelle Version PI-RADS v2.1 sieht fünf Bewertungskategorien vor.

Vereinfacht gilt:

  • PI-RADS 1: sehr geringe Wahrscheinlichkeit für ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom
  • PI-RADS 2: geringe Wahrscheinlichkeit
  • PI-RADS 3: unklarer beziehungsweise nicht eindeutiger Befund
  • PI-RADS 4: hohe Wahrscheinlichkeit
  • PI-RADS 5: sehr hohe Wahrscheinlichkeit

Die Wahrscheinlichkeit eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms steigt mit dem PI-RADS-Score. Nach der aktuellen S3-Leitlinie sollen PI-RADS-4- und PI-RADS-5-Herde gezielt biopsiert werden. Bei PI-RADS 3 hängt die Entscheidung unter anderem vom individuellen Risiko ab.

Ein PI-RADS-5-Befund bedeutet jedoch nicht, dass Prostatakrebs zweifelsfrei nachgewiesen ist. Die endgültige Diagnose wird durch die Untersuchung von Gewebeproben gestellt.

Vorbereitungen vor der Prostata-Untersuchung

Die genauen Vorbereitungsvorgaben können je nach radiologischer Praxis und Untersuchungsprotokoll variieren. Häufig wird empfohlen, den Darm möglichst leer zu halten, da Darmbewegungen die Bildqualität beeinträchtigen können. Patienten sollten aktuelle Befunde und insbesondere vorhandene PSA-Werte mitbringen. Bei einer geplanten Kontrastmittelgabe kann außerdem die aktuelle Nierenfunktion relevant sein. Die enge MRT-Röhre und die Geräusche des Geräts können bei manchen Menschen Unbehagen oder Platzangst auslösen. Bei ausgeprägter Klaustrophobie kann nach ärztlicher Rücksprache gegebenenfalls ein Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Nach einer solchen Medikation sollte eine Begleitperson für den Heimweg organisiert werden. Ob vor der Untersuchung gegessen und getrunken werden darf, richtet sich nach den Vorgaben der jeweiligen Praxis.

Aussagekraft der multiparametrische Magnetresonanztomografie

Ein standardisiertes System hilft dabei, die Befunde zu klassifizieren und dadurch für weiterführende Untersuchungen anderer Ärzte zusammenzufassen. Dafür wird das diagnostizierte Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Prostatakrebs in eine Skala übersetzt, dem PI-RADS Score. Die Abkürzung steht hierbei für „Prostate Imaging Reporting and Data System“.

Die Skala unterteilt fünf Risikostufen:
  • Stufe 1: Ein mögliches Auftreten ist äußerst unwahrscheinlich
  • Stufe 2: Es besteht kein auffälliger Befund im untersuchten Bereich
  • Stufe 3: Der Befund ist nicht eindeutig und es bedarf weiterer Untersuchungen
  • Stufe 4: Die Wahrscheinlichkeit eines bösartigen Karzinoms ist gegeben
  • Stufe 5: Hochgradiger Verdacht eines Prostatakarzinoms

Liegt nach einer mpMRT ein Befund der Stufe 5 vor, bedeutet dies nicht, dass ein Prostatatkrebs hundertprozentig vorliegt. Allerdings gilt in solchem Fall eine Gewebeentnahme mittels einer Prostatabiopsie, als unbedingt notwendig.

Diese Krankenkassen übernehmen mptMRT

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) prüft seit 2025 ein risikoadaptiertes Früherkennungsverfahren, bei dem PSA-Bestimmung und MRT kombiniert werden können. Das Verfahren ist im Jahr 2026 noch nicht als neues flächendeckendes Früherkennungsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt. Der G-BA erwartet den Abschluss der Nutzenbewertung im Oktober 2026. Die gesetzliche Frist für das Verfahren läuft bis Oktober 2027.

Davon zu unterscheiden ist die MRT bei einem konkreten medizinischen Verdacht auf Prostatakrebs. Die aktuelle S3-Leitlinie sieht eine MRT beispielsweise bei bestätigtem PSA-Wert über 3 ng/ml vor einer Biopsie vor, sofern das Ergebnis für das weitere Vorgehen relevant ist.

Ob die Untersuchung im konkreten Fall zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden kann, hängt von der medizinischen Indikation und den jeweiligen Abrechnungs- und Versorgungsbedingungen ab. Versicherte sollten deshalb vor der Untersuchung mit der behandelnden urologischen Praxis beziehungsweise der radiologischen Praxis klären, wie die Untersuchung abgerechnet wird und ob eine vorherige Kostenklärung mit der Krankenkasse erforderlich ist.

Wird eine Prostata-MRT dagegen ohne entsprechende medizinische Indikation als Selbstzahlerleistung durchgeführt, können Kosten entstehen. Die genaue Höhe hängt unter anderem von Untersuchungsumfang und Praxis ab. Ein Kostenvoranschlag sollte deshalb vorab eingeholt werden.


 

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