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Psychische Erkrankungen

Hilfe durch Psychotherapie

Hilfe durch Psychotherapie – von der Sprechstunde zur Therapie
veröffentlicht am 27.11.2017 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Wenn psychische Probleme die Bewältigung des Alltags erschweren oder gar unmöglich machen, z. B. aufgrund von Zwangsvorstellungen oder Ängsten, kann eine Psychotherapie helfen. Die Behandlung erfolgt mithilfe bestimmter psychologischer Methoden und Konzepte.

2017-11-27T09:43:00+00:00
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Inhalt und Formen der Psychotherapie

Die Dauer einer psychotherapeutischen Behandlung hängt von der Art und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Mit einigen Monaten sollten Betroffene aber auf jeden Fall rechnen und sich auf mindestens eine Sitzung pro Woche einstellen.
Zunächst versucht der Therapeut, seinem Patienten dessen Erkrankung verständlich zu machen. Der Patient soll zudem darüber ins Bild gesetzt werden, was im weiteren Verlauf der Behandlung geschehen wird, und möglichst eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Therapeuten aufbauen. Hierbei werden bereits gemeinsam erste Lösungsansätze für einen besseren Umgang mit der Erkrankung gesucht. Anschließend erfolgt die Auseinandersetzung mit den konkreten Problemen des Patienten. Dabei geht es auch um die Entwicklung von Bewältigungsstrategien.

Die Krankenkassen übernehmen für 3 psychotherapeutische Verfahren die Kosten. Dabei handelt es sich um tiefenpsychologische Verfahren, Psychoanalyse sowie Verhaltenstherapie. Allen Verfahren ist gemein, dass der therapeutische Effekt mit Hilfe von Gesprächen erzielt werden soll.

Es gibt unterschiedliche Therapieformen. Hierzu zählen die Kurzzeit-, Langzeit- sowie Gruppentherapie.

  • Kurzzeittherapien bestehen aus bis zu 24 Einheiten mit jeweils 50 Minuten. Zunächst werden 12 Therapieeinheiten (KZT1) beantragt und danach, falls erforderlich, 12 weitere (KZT2). Für die Kurzzeittherapie ist kein Gutachterverfahren nötig.
  • Die Langzeittherapie (LZT) kann ohne vorherige Kurzzeittherapie beantragt werden. Hat zuvor eine KZT stattgefunden, muss die Beantragung der LZT spätestens bis zur 20. Sitzung der KZT2 erfolgt sein. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie umfasst bis zu 60 Stunden mit jeweils 50 Minuten. Bei der Psychoanalyse sind es bis zu 160 Therapiestunden. Auch hier kann eine Verlängerung beantragt werden: Bei tiefenpsychologischen Verfahren können bis zu 100 weitere Stunden, bei der analytischen Therapie bis zu 300 Stunden beantragt werden. Bei der Verhaltenstherapie werden im ersten Bewilligungssschritt 60 und im zweiten bis zu 80 Sitzungen bewilligt. Für die Genehmigung durch die Krankenkasse werden alle Therapiesitzungen    angerechnet. Es wird also die Differenz aus den für die Langzeittherapie beantragten Sitzungen und den KZT-Terminen, sofern erfolgt, gebildet. Nur für diese Differenz wird dem Patienten eine weitere Kostenübernahme genehmigt. Bei Beantragung einer Langzeittherapie wird ein Gutachterverfahren durchgeführt.
  • Gruppentherapien sind als gleichwertig zu den beiden anderen Formen anzusehen und kommen zum Einsatz, wenn sich der Therapeut hiervon ein positives Behandlungsergebnis für seinen Patienten erhofft. Hierbei werden wie bei der Einzeltherapie analytische Psychotherapie, tiefenpsychologische Therapie oder Verhaltenstherapie angewendet. Analytische Psychotherapie: Bis zu 80 und im zweiten Schritt bis zu 150 Einheiten werden bewilligt. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Zunächst können 60, danach noch mal bis zu 80 Sitzungen beantragt werden. Bei der Verhaltenstherapie gibt es in Bezug auf die Anzahl der Einheiten keine Unterschiede zur Einzeltherapie. Eine Einheit dauert 100 Minuten.

Paar- und Familientherapien sowie ähnliche Angebote zählen nicht zur Psychotherapie, fallen also nicht in den Bereich der Heilkunde, sondern in den der Lebensberatung. Die hierbei anfallenden Kosten werden daher auch nicht von den Krankenversicherungen übernommen.

Terminfindung und Wartezeiten

Spielen Sie mit dem Gedanken, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, müssen Sie zunächst an einer Sprechstunde teilnehmen. Für die ambulante Psychotherapie kommen psychologische und ärztliche Psychotherapeuten infrage. Die Suche erleichtert beispielsweise das Onlineportal der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: http://www.kbv.de/html/arztsuche.php/.
Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung ist Suchenden behilflich, wenn sie keinen Therapeuten finden. Innerhalb von 4 Wochen erhalten sie dann einen von der Servicestelle vermittelten Termin zur Sprechstunde bei einem Psychotherapeuten in ihrer Nähe.
Zwar ist das Angebot einer psychotherapeutischen Sprechstunde seit dem 4. April 2017 für alle ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten mit Genehmigung zur Abrechnung von Psychotherapie nach Richtlinie verpflichtend, doch können sich lange Wartezeiten ergeben. Dies ist auf die erhöhte Nachfrage nach Psychotherapie bei gleichzeitiger geringer Anzahl von Therapeuten in manchen Orten Deutschlands zurückzuführen. Nutzen Sie aber beispielsweise den Dienst der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, ist Ihnen der Sprechstundentermin nach spätestens vier Wochen sicher.

Schritte hin zur Psychotherapie

Am Anfang steht die Sprechstunde bei einem Psychotherapeuten, in der er sich mit Ihrer Problematik auseinandersetzen und feststellen kann, ob es sich um eine psychische Erkrankung handelt. Gegebenenfalls kann er auch schon eine erste Diagnose stellen. Erkennt er ein akutes Problem, kann er sofort mit einer sogenannten Akutbehandlung beginnen, welche bei längerem Bedarf im Rahmen einer Psychotherapie fortgesetzt werden kann. Voraussetzung für ein solches Überführen einer Akutbehandlung in eine Psychotherapie ist ab dem 01.04.2018 das Wahrnehmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde.

Nach der Sprechstunde erfolgen probatorische Sitzungen (keine Überweisung nötig). Dabei handelt es sich um Termine, die vor allem dazu dienen, herauszufinden, ob die Chemie zwischen Ihnen und dem Therapeuten stimmt. Außerdem sollten Sie in den Sitzungen für sich klären, ob eine Psychotherapie der richtige Weg für Sie ist. Auch der Therapeut gibt hierzu seine Einschätzung. Für eine weitere Behandlung müssen mindestens zwei solcher Termine wahrgenommen werden. Entscheiden Sie sich dafür, den Psychotherapeuten zu wechseln, müssen auch bei diesem mindestens zwei probatorische Sitzungen erfolgen.

Wenn nach den probatorischen Sitzungen feststeht, dass Sie sich psychotherapeutisch von der Person behandeln lassen wollen, bei der Sie die Sitzungen absolviert haben, ist der nächste Schritt eine ärztliche Untersuchung. Durch diese soll eine organische Erkrankung als Ursache für das psychische Leiden ausgeschlossen werden. Kann dies ausgeschlossen werden, wird ein Konsiliarbericht verfasst, der zusammen mit dem Antrag von dem Therapeuten bei der entsprechenden Krankenkasse eingereicht wird. Der Bericht enthält ausschließlich die für die Entscheidung (Leistungsbewilligung bzw. -ablehnung) der Kasse nötigen Angaben.
Der Antrag auf die eigentliche psychotherapeutische Behandlung kann bereits nach der ersten probatorischen Sitzung gestellt werden, sofern ein Termin für eine weitere Sitzung vereinbart wurde. Sollen weitere Sitzungen erfolgen, können diese bis zum Beginn der eigentlichen beantragten Therapie wahrgenommen werden.
Der Antrag gilt auch als bewilligt, wenn der Patient keinen Bescheid von seiner Krankenkasse erhalten hat und drei Wochen seit dem Antrag verstrichen sind. Für gewöhnlich wird aber ein formloses Bewilligungsschreiben von der Kasse verschickt. Nun kann die eigentliche Behandlung  beginnen.

Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse

Die Krankenkassen kommen bei Erwachsenen für bis zu 6 Sprechstunden je Krankheitsfall mit insgesamt bis zu 150 Minuten Dauer und für bis zu 4 probatorischen Sitzungen auf. Bei Kindern und Jugendlichen liegt das Maximum bei 10 Sprechstunden mit insgesamt bis zu 250 Minuten und 6 probatorischen Sitzungen. Weiterhin kann eine Kostenübernahme für bis zu 24 Therapieeinheiten à 25 Minuten Akutbehandlung erfolgen. Für diese Termine ist weder eine ärztliche Überweisung noch eine Genehmigung der Krankenversicherung nötig.
Damit die Kassen die Kosten für die eigentliche Psychotherapie übernehmen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Therapeut hat im Laufe der Probesitzungen festgestellt, dass bei seinem Patienten eine psychische Störung mit Krankheitswert vorliegt.
  • Der Therapeut muss eine Kassenzulassung besitzen.

Wenn die Bewilligung der Krankenkasse zur Kostenerstattung vorliegt, muss der Patient keine Zuzahlungen leisten.

 

 

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