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Familen

Neue Kassenleistung ab Juli: Bluttests auf Trisomie bei Schwangerschaft

veröffentlicht am 24.06.2022 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Nicht invasive Pränataltests (NIPT)  Nicht invasive Pränataltests (NIPT)(c) getty Images /chrupka
Die gesetzlichen Krankenkassen erweitern ihre Vorsorgeleistungen für Schwangere. Ab Juli können Pränataltests auf  Trisomie von den Kassen bei Risikoschwangerschaften übernommen werden. Die Kostenübernahme wurde nun vom Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als Kassenleistung festgelegt und gilt ab dem 1. Juli 2022.

2022-06-24T15:40:00+02:00
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Bei den Tests handelt es sich um nicht invasive Bluttests, mit denen während der Schwangerschaft das Erbgut des Fötus auf genetische Veränderungen (Trisomien) untersuchen lassen. Dazu werden aus dem entnommen Blut der Schwangeren fötale Erbgutbestandteile isoliert und untersucht. Bei vorliegen einer Trisomie im Erbgut sind mit einer hohen Wahrscheinlichkeit körperliche und geistige Entwicklungsstörungen wie das Down-Syndrom möglich. Die Tests können die drei Trisomie-Typen 21, 13 und 18 erkennen.

Bislang mussten werdende Eltern die Tests auf Trisomien privat bezahlen. Die Kosten belaufen sich dabei zwischen 130 und 540 Euro. Die neue Regelung sieht nun vor, dass bei vorliegender Risikoschwangerschaft nach einer ärztlichen Beratung die Kostenübernahme per Einzelfallentscheidung übernommen werden kann.    

Nicht-invasive Pränataltests (NIPT) werden seit circa einem Jahrzehnt in Deutschland angeboten. Der besondere Vorteil der Methode ist, dass sie kein körperlicher Eingriff darstellt und damit kein Risiko auf Fehlgeburt besteht.

Gegen die Kostenübernahme gibt es von Seiten der Kirchen und Behindertenverbände eine Reihe ethischer Einwände. Die Bedenkenträger sehen in dem Angebot eine Tendenz zur Risikoselektion bei ungeborenem Leben. So äußerte die Bundesvereinigung Lebenshilfe ihr öffentliches Bedauern darüber, dass der G-BA die  Zulassung erteilte. Die Lebenshilfe befürchte, dass die Bluttests nun zu einer Regeluntersuchung werden und noch mehr Menschen mit Behinderung abgetrieben werden als bislang. Der Schauspieler Sebastian Urbanski vom Bundesvorstand Lebenshilfe sagte als ein vom Down-Syndrom betroffener „Ich lebe gerne und habe viel Freude am Leben. Ich bin glücklich, weil ich mich als Teil der Gesellschaft fühle und einfach dazu gehöre. Manchmal brauche ich zwar etwas mehr Unterstützung, aber die braucht ja jeder mal. Nur diese Bluttests machen mir und anderen Menschen mit Down-Syndrom wirklich große Sorgen.“

Tatsächlich würden sich Eltern bei einer vorliegenden Diagnose und der Lebensperspektive Trisomie in zu 95 Prozent der Fälle für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden. Aus diesen Gründen können die Bluttests nicht ohne Inanspruchnahme intensiver ärztliche Beratung übernommen wurden. Der G-BA betont, dass mit der Entscheidung nun Eltern eine sicherer Test zur Verfügung stünde.

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