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Gesundheitspolitik

DMP-Programme vor dem Aus? Warnung vor Kollateralschaden

Kassenärzte kritisieren neue Gesetzespläne von Jens Spahn
veröffentlicht am 28.05.2019 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Dr. Stephan Hofmeister - KBV Dr. Stephan Hofmeister - KBV(c) Lopata / axentis.de
Der Vizepräsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, hat die aktuellen Reformvorschläge im Zusammenhang mit dem geplanten 'Faire-Kassenwahl-Gesetz' und dem 'Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG)' kritisiert und vor „Kollateralschäden“ gewarnt.

2019-05-28T11:09:00+00:00
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Der von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegte Entwurf für ein 'Faire-Kassenwahl-Gesetz' könne „massive Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten und die Vergütung der Vertragsärzte haben“ so Hofmeister.

DMP Programme für Chroniker vor dem Aus?

Unter anderem will Spahn die finanziellen Vergütungen der Krankenkassen für die DMP-Programme streichen, was aus Sicht der KBV das Ende dieser Versorgungsform bedeuten würde. Das sei ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo ein medizinischer Nutzen der Programme nachweislich sich entfalten würde, für die chronisch kranke Patienten keine gute Nachricht.
Deren Versorgung sei bereits durch die Honorarreform des Terminservice- und Versorgungsgesetzes benachteiligt.  

Ärzte sollen über Versorgung entscheiden, nicht Kassen

Weiterhin kritisierte Hofmeister den im Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) enthaltenen Ansatz zur Steuerung von Patienten. Dieser überschreite „eine rote Linie“, etwa wenn Krankenkassen den Versicherten zukünftig eigene Angebote zur Versorgung machen könnten. Das würde die Kassen in die Lage versetzen, direkt und ohne Kooperation in die ärztliche Versorgung einzugreifen. „Jeder irrt, der glaubt, die Krankenkassen hätten ein alleiniges Interesse an einer guten Versorgung, bei der der Patient im Mittelpunkt steht“, so Hofmeister.

Als Alternative zu diesen Plänen rückte Hofmeister die KBV-Software SmED als geeignetes Instrument zur Patientensteuerung ins Licht. Mit Hilfe dieses Programms könne im telefonischen Bereitschaftsdienst mit einem digitalen Fragebogen eine medizinische Ersteinschätzung vorgenommen und die Patienten entsprechend weitergeleitet werden. Das Programm soll ab 2020 unter einer neuen bundesweiten Rufnummer 116117 eingesetzt werden und auch als App verfügbar gemacht werden. „Wir geben den Bürgern ein Instrument an die Hand, mit dem sie ihr Behandlungsbedürfnis reflektieren und sich in strukturierter Weise Hilfe beschaffen können.“, so der KBV-Vorstand. 

 

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Quelle: ärzteblatt.de

 

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