Ratgeber

Zahnersatz in Polen?

Gesundheitstourismus nach Mittel- und Osteuropa steht hoch im Kurs
veröffentlicht am 08.10.2016

Behandlungen in Polen sind für viele Versicherte selbstverständlich Behandlungen in Polen sind für viele Versicherte selbstverständlich(c) steffen hellwig / pixelio.de
Auch in der Medizin hat die Globalisierung Einzug gehalten. Bei der Suche nach der richtigen Behandlung oder günstigen Preisen wird vor Landesgrenzen kein Halt gemacht. Aktuell locken Tiefstpreise für Zahnersatz, Schönheitsopertaionen oder Kuraufenthalte in östliche Nachbarländer wie Polen, Ungarn oder Tschechien. Das Geschäft mit den Medizintourismus ist zu einem lukrativen Wirtschaftszweig geworden. Worauf aber sollten Versicherte achten?

Werbung

 

Kosten für Versicherte im Ausland geringer

Diese Entwicklung wurde durch die Verabschiedung der EU-Richtlinie 24/2011 ermöglicht. Darin entschied die Europäische Union über eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung. Diese schließt eine medizinische Notfallversorgung ebenso ein, wie geplante medizinische Behandlungen. EU-Angehörige sind nicht mehr an inländische Ärzte und Krankenhäuser gebunden, sondern können den Behandlungsort unabhängig von Landesgrenzen wählen.

Eingriffe und Kuraufenthalte sind im östlichen Ausland häufig günstiger. Und da die Krankenkassen in der Regel die gleichen Kosten, wie im Inland übernehmen, fällt der Eigenanteil für den Patienten häufig geringer aus. Eine Ausnahme bilden ästhetische Eingriffe, die in den seltensten Fällen von der Krankenkasse bezuschusst werden - egal ob im In- oder Ausland.

 

Kommunikation ist elementar

Wird eine Behandlung oder Operation im Ausland in Betracht gezogen, sollte vorab gründlich recherchiert werden. Entscheidend ist, dass diese qualitativ per se nicht schlechter sind, wie die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische-Plastische Chirurgie (DGAEPC) weiß. Trotzdem müssen einige Dinge berücksichtigt werden. Die größte Hürde bilden mögliche Verständigungsprobleme. Die DGAEPC warnt vor Eingriffen, wenn die Kommunikation mit dem ärztlichen Personal nicht reibungslos funktioniert. Dolmetscher können zur Hilfe heran gezogen werden, die Kosten dafür werden aber nicht zwangsläufig von der Krankenkasse übernommen. Durchrechnen lohnt sich!

Auch Pauschalangebote sollten gemieden werden. Da Kosten für Unterkunft und Anreise von der Krankenkasse nicht übernommen werden, können Gesamtpakete verlockend sein. Doch insbesondere bei ästhetischen Eingriffen, lernen die Patientinnen den behandelnden Arzt nur kurz vorher kennen und es gibt kaum Bedenkzeit zwischen einem Beratungsgespräch und der Operation.

 

Genehmigung und Kostenübernahme

Fällt die Wahl schließlich auf einen Arztbesuch oder eine Zahnbehandlung im Ausland, muss zunächst ein Heil- und Kostenplan  von der Krankenkasse genehmigt werden.

Genaue Informationen zum Ablauf der Kostenübernahme hat die Nationale Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung auf ihrer Website zusammen gestellt.

 

Vorsicht Kostenfalle! Nachbehandlungen können Einsparungen vermindern

Für medizinische Eingriffe aller Art gilt: bei Nachbehandlungen lauert die größte Kostenfalle. Denn Kosten für Nachbehandlungen von ästhetischen Eingriffen oder eventuellen Korrekturen werden nicht erstattet. Auch bei Zahn- oder Augenbehandlungen kann es im Nachhinein zu erheblichen Zuzahlungen kommen. Wenn es zu Beschwerden in Deutschland kommen sollte, haben die behandelnden Ärzte häufig keine Einsicht in die Krankenakten aus dem Ausland. Das erschwert Nachkontrollen und führt zu einem erhöhten medizinischen Risiko. Trotzdem boomt der Medizintourismus, insbesondere nach Polen. Gesundheitsreisen nach Mittel- und Osteuropa sind für viele Versicherte zu einer echten Alternative zu Behandlungen in Deutschland geworden. Genaue Zahlen dazu liegen allerdings nicht vor. Weil es sich formal um eine reguläre Kassenleistung handelt, werden medizinische Behandlungen im Ausland als reguläre Kassenleistung abgerechnet und nicht gesondert aufgeführt.