Sozialrecht

Anruf von der Krankenkasse - Was ist erlaubt und kann ich auch NEIN sagen?

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Christian Schultz (SOvD Schleswig-Holstein)Christian Schultz (SOvD Schleswig-Holstein)SoVD SH
Ein Anruf von der Krankenkasse - Alltag oder Ausnahmesituation? Das hängt ganz vom Anlass und dem Zustand der betroffenen Versicherten ab. Gerade bei sensiblen Themen wie Krankengeld und Krankschreibung kann es unangenehm werden. Was ist erlaubt und wie weit muss ich als Versicherter kooperieren? Christian Schultz (46) arbeitet seit 2011 beim SoVD Schleswig-Holstein und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.  

2026-04-20T15:43:00+02:00

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Herr Schultz, viele langfristig oder chronisch erkrankte Menschen kennen die Situation, dass sie unverhofft oder regelmäßig von der Krankenkasse angerufen werden, die sich nach dem Fortgang der Genesung erkundigt. Welche Absicht könnte dahinter stecken?

Das ist sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen kann man das tatsächlich als Serviceleistung der Krankenkasse verstehen: Der Ablauf des Krankengeldes wird erklärt, die Patienten lernen ihren direkten Ansprechpartner kennen. Beim SoVD treffen wir jedoch in unserer Sozialrechtsberatung immer wieder auf Langzeiterkrankte, die sich von Anrufen der Krankenversicherung unter Druck gesetzt fühlen.

"Niemand muss telefonisch mit der Krankenkasse sprechen. Niemand." 

Einige berichten sogar, dass ihnen die Krankenkassen-Mitarbeiter nahe legen, den Job zu kündigen und sich arbeitslos zu melden. In diesem Fall müsste die Krankenkasse kein Krankengeld mehr zahlen. Das ist natürlich überhaupt nicht im Sinne der Patienten.

Lohnfortzahlung und Krankengeld sind Leistungen, auf die Versicherte bei Vorliegen eines ärztlichen Attestes Anspruch haben. Haben die Betroffenen auch das Recht zu schweigen oder sind sie verpflichtet die gewünschten Auskünfte zu erteilen?

Niemand muss telefonisch mit der Krankenkasse sprechen. Niemand. Wenn die Krankenkasse wichtige Informationen benötigt, geht das auch alles schriftlich. Wer sich also von solchen Telefonaten gegängelt fühlt, kann darauf bestehen, dass das aufhört. Die Kasse darf man nicht mehr anrufen.

Manche Menschen erleben solche Telefonate als große Belastung und psychischen Stress, vor allem wenn es im Hintergrund ums Geld geht. Wie können Betroffene angemessen reagieren, die solche Anrufe partout nicht ertragen wollen?

Wie gesagt – sagen Sie dem Mitarbeiter der Krankenkasse, dass Sie das nicht am Telefon besprechen möchten. Zu empfehlen ist außerdem, der Krankenkasse eine kurze Mail zu schreiben – mit der Aufforderung, dass die komplette Kommunikation ab jetzt nur noch auf dem Schriftweg zu erfolgen hat.

"Die Krankenkasse hat kein Recht, Ihnen eine Kündigung aufzudrängen.
Selbst wenn das aus irgendeinem Grund sinnvoll wäre – das entscheiden Sie ganz allein."

Sollten die Anrufe trotzdem weitergehen, machen Sie sich genaue Notizen. Zu welchem Zeitpunkt kommt der Anruf? Wie ist der Name des Mitarbeiters? Worum ging es? Sollte es in der Zukunft zu einem Rechtsstreit mit der Kasse kommen, können Sie dann auf diese Protokolle zurückgreifen.

Krankenkassen erfassen die Kontaktdaten ihrer Versicherten und fragen auch gern nach der Mobil- oder Festnetznummer. Kann ich mich auf den Datenschutz berufen und diese Angabe einfach freilassen?

Solche Angaben müssen Sie nicht weitergeben. Und nochmal: Sollte die Kasse bereits Ihre Telefonnummer haben, können Sie solchen Anrufen ganz einfach per Mail oder Brief widersprechen.

Es gibt Berichte, wonach teilweise auch massiver Druck von der Krankenkasse am Telefon ausgeübt wird, beispielsweise damit die Krankschreibung nicht verlängert und die Berufstätigkeit beendet werden soll. Was ist in solchen Fällen am besten zu tun?

Auf gar keinen Fall darauf eingehen. Die Krankenkasse hat überhaupt kein Recht, Ihnen eine Kündigung aufzudrängen. Selbst wenn das aus irgendeinem Grund sinnvoll wäre – das entscheiden Sie ganz allein. Sollte das Gespräch mit der Kasse in solch eine Richtung laufen, sollte man immer darauf bestehen, dass solche Infos schriftlich übermittelt werden. Meistens ist dann ganz schnell Ruhe.

"Sollte die Kasse bereits Ihre Telefonnummer haben, können Sie
solchen Anrufen ganz einfach per Mail oder Brief widersprechen."

Wie helfen Sozialverbände wie der SoVD gesetzlich Versicherten, die in Konflikte mit ihrer Krankenkasse kommen?

Meine Kolleginnen und Kollegen helfen in erster Linie dadurch, dass den Menschen genau erklärt wird, was hier passiert. Denn leider wird in den deutschen Sozialbehörden kaum noch beraten. Und das ist für viele Menschen ein großes Problem. Sollten sich die Betroffenen von Ihrer Krankenkasse ungerecht behandelt fühlen – sei es beim Bezug von Krankengeld oder bei der Vergabe von Hilfsmitteln – helfen wir beim SoVD auch beim Widerspruch und im schlimmsten Fall als gesetzliche Vertretung vor dem Sozialgericht.

Herr Schultz, wir bedanken uns im Namen der Versicherten für das hilfreiche Interview

 

 

 

 

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