Gesundheit & Vorsorge

Grippeschutzimpfung: Sinn oder Unsinn? Wie gut schützt die Impfung wirklich?

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Jährliche Grippeschutzimpfung - sinnvoll oder überflüssig?Jährliche Grippeschutzimpfung - sinnvoll oder überflüssig?(c) Getty Images / Dmytro Sheremeta
Jedes Jahr im Herbst beginnt die Diskussion um die Grippeschutzimpfung. Während Ärzte und Gesundheitsbehörden älteren und chronisch kranken Menschen zur Impfung raten, fragen sich viele andere, ob sich die jährliche Spritze überhaupt lohnt. Wie gefährlich ist die echte Grippe und wie  wirksam die Impfung? Ein Überblick mit aktuellen Zahlen und Fakten.

2026-10-29T12:52:00+00:00

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Grippe ist nicht gleich Erkältung: Wie gefährlich ist Influenza?

Eine laufende Nase, Husten, Halsschmerzen und ein paar Tage Abgeschlagenheit – viele Menschen bezeichnen solche Beschwerden als Grippe. Tatsächlich handelt es sich dabei häufig nur um einen grippalen Infekt. Die echte Virusgrippe, medizinisch Influenza genannt, ist eine deutlich ernstere Erkrankung. Typisch für eine Influenza ist ein häufig plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockenem Husten. Die Erkrankung kann mehrere Tage oder sogar Wochen andauern. Vor allem bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen drohen Komplikationen wie Lungenentzündungen, Herzmuskelentzündungen oder eine Verschlechterung bestehender chronischer Erkrankungen.

Wie groß die gesundheitliche Belastung durch Influenza ist, zeigen die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI). Für die Wintersaison 2025/2026 schätzte das Institut rund 12 Millionen Influenza-assoziierte akute Atemwegserkrankungen in Deutschland. Das entspricht etwa 14 Prozent der Bevölkerung. Darüber hinaus wurden rund 105.000 Krankenhausfälle mit einer Influenza-Diagnose hochgerechnet. Insgesamt übermittelte das RKI 240.235 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle nach dem Infektionsschutzgesetz. Bei 64.953 dieser Fälle wurde eine Krankenhausbehandlung gemeldet.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Grippe keineswegs eine harmlose Erkältung ist. Besonders betroffen sind ältere Menschen. In der Saison 2025/2026 wurden in dieser Altersgruppe mehr Influenza-Diagnosen und schwere Atemwegsinfektionen registriert als in den beiden vorhergehenden Saisons. 

Wie sinnvoll ist die jährliche Grippeschutzimpfung?

Die Grippeschutzimpfung gilt als wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen eine schwere Influenza-Erkrankung. Sie kann das Risiko einer Ansteckung senken und insbesondere schwere Krankheitsverläufe, Krankenhausaufenthalte und Komplikationen verhindern. Einen hundertprozentigen Schutz bietet sie allerdings nicht.

Die Wirksamkeit hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist unter anderem, wie gut die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme mit den tatsächlich zirkulierenden Influenzaviren übereinstimmen. Da sich Grippeviren ständig verändern, wird die Zusammensetzung des Impfstoffs jedes Jahr angepasst. Auch das Alter und die individuelle Immunabwehr beeinflussen die Schutzwirkung.

Bei jüngeren und gesunden Erwachsenen kann die Impfung eine vergleichsweise gute Schutzwirkung entfalten. Bei älteren Menschen reagiert das Immunsystem häufig weniger stark auf die Impfung. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für Menschen ab 60 Jahren inzwischen wirkungsverstärkte Impfstoffe. Wichtig ist auch: Wer trotz Impfung an Influenza erkrankt, kann unter Umständen von einem milderen Krankheitsverlauf profitieren. Die Impfung ist daher nicht allein daran zu messen, ob sie jede Infektion verhindert.

Das spricht für die Grippeschutzimpfung:

  • Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und möglichen Komplikationen.
  • Verringerung des Risikos einer Krankenhauseinweisung
  • Indirekter Schutz besonders gefährdeter Menschen im persönlichen Umfeld
  • Entlastung des Gesundheitssystems während der Grippewelle

Wirksamkeit in der Saison 2025/2026

Die Wirksamkeit der Grippeimpfung schwankt von Jahr zu Jahr. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt der aktuelle Saisonbericht des RKI. Für die Wintersaison 2025/2026 errechneten die Wissenschaftler eine Impfeffektivität von rund 20 Prozent gegen eine Influenza-Erkrankung, die einen Arztbesuch erforderlich machte. Gegen schwere Krankheitsverläufe lag die geschätzte Schutzwirkung bei etwa 30 Prozent. Das sind vergleichsweise niedrige Werte. Allerdings bedeutet eine Wirksamkeit von 20 Prozent nicht, dass nur jeder fünfte Geimpfte geschützt ist. Vielmehr ist das Erkrankungsrisiko in der untersuchten Gruppe bei Geimpften gegenüber Ungeimpften statistisch entsprechend reduziert. Zum Vergleich: In europäischen und US-amerikanischen Studien lag die Wirksamkeit der Grippeimpfung zwischen den Saisons 2010/2011 und 2019/2020 je nach Jahr zwischen 20 und 60 Prozent.

Das Ergebnis der Saison 2025/2026 zeigt somit auch die Grenzen der Impfung. Ein zuverlässiger Schutz vor jeder Infektion ist nicht möglich. Dennoch kann die Impfung insbesondere bei gefährdeten Menschen einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung schwerer Krankheitsverläufe leisten. 

generiert mit GPT 6.0

Für wen empfiehlt die STIKO die Grippeschutzimpfung?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung vor allem für Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe besteht. Die Empfehlungen für die Grippesaison 2026/2027 umfassen folgende Gruppen:

  • Menschen ab 60 Jahren: Für sie wird ein Hochdosis-Impfstoff oder ein MF-59-adjuvantierter Impfstoff empfohlen. Beide Varianten sollen eine stärkere Immunantwort auslösen als herkömmliche Impfstoffe.
  • Chronisch Kranke: Dazu zählen beispielsweise Menschen mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Atemwegs- oder Nierenerkrankungen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem.
  • Schwangere: Die Impfung wird grundsätzlich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen. Bei einer zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdung durch eine Grunderkrankung bereits ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel.
  • Bewohner von Pflege- und Altenheimen: Aufgrund des erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe und der engen Kontakte in Gemeinschaftseinrichtungen wird eine jährliche Impfung empfohlen.
  • Medizinisches und pflegerisches Personal: Die Impfung soll sowohl die Beschäftigten selbst als auch besonders gefährdete Patienten schützen.
  • Personen mit beruflich erhöhtem Infektionsrisiko: Dazu gehören beispielsweise Menschen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für gefährdete Menschen infrage kommen.

Auch Kinder und Jugendliche können bei bestimmten gesundheitlichen Risiken geimpft werden. Die STIKO empfiehlt die Impfung jedoch nicht pauschal für alle gesunden Menschen unter 60 Jahren.  Wichtig: Dass die STIKO die Impfung für bestimmte Gruppen besonders empfiehlt, bedeutet nicht, dass andere Personen davon abgeraten wird. Auch gesunde jüngere Erwachsene können sich impfen lassen. 

Welche Nebenwirkungen hat die Grippeschutzimpfung?

Die saisonale Grippeimpfung gilt insgesamt als gut verträglich. Wie bei anderen Impfungen können vorübergehende Reaktionen auftreten. Dazu gehören:

  • Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • gelegentlich leichtes Fieber oder Frösteln.

Diese Beschwerden sind in der Regel harmlos und klingen nach ein bis drei Tagen wieder ab. Bei wirkungsverstärkten Impfstoffen für ältere Menschen können lokale Reaktionen etwas häufiger auftreten. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten. Die üblichen Grippeimpfstoffe sind Totimpfstoffe. Sie enthalten keine vermehrungsfähigen Influenzaviren und können deshalb keine echte Grippe auslösen. Bei einer akuten fieberhaften Erkrankung sollte die Impfung zunächst verschoben werden. Menschen mit einer schweren Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffs sollten vorab ärztlich beraten werden. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Die beste Zeit für die jährliche Grippeschutzimpfung liegt im Herbst, idealerweise zwischen Oktober und Mitte Dezember. Der Körper benötigt etwa zehn bis 14 Tage, um einen ausreichenden Impfschutz aufzubauen. Wer diesen Zeitraum verpasst hat, kann sich auch später noch impfen lassen. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Grippewelle bereits begonnen hat, aber noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Da sich Influenzaviren ständig verändern und die Immunität im Laufe der Zeit nachlässt, muss die Impfung jährlich wiederholt werden. Der Impfstoff wird jeweils an die erwarteten Virusvarianten der kommenden Saison angepasst. 
 

Welche Krankenkassen übernehmen die Kosten der Grippeschutzimpfung?

Für gesetzlich Versicherte ist die Grippeschutzimpfung bei Vorliegen einer STIKO-Empfehlung eine reguläre Leistung der Krankenkasse. Das gilt auch für die empfohlenen Hochdosis- und MF-59-adjuvantierten Impfstoffe für Menschen ab 60 Jahren. Anders sieht es bei gesunden Erwachsenen unter 60 Jahren aus, für die keine besondere Impfempfehlung besteht. Hier hängt die Kostenübernahme davon ab, ob die Krankenkasse die Grippeschutzimpfung als zusätzliche Satzungsleistung anbietet.

Viele gesetzliche Krankenkassen gehen über den gesetzlichen Mindestanspruch hinaus und ermöglichen allen Versicherten eine kostenlose Grippeimpfung unabhängig vom Alter oder von Vorerkrankungen. Eine aktuelle Übersicht führt mehr als 60 Kassen auf, die eine solche Leistung anbieten. 

Die konkrete Kostenübernahme und die Bedingungen können sich unterscheiden. Einige Krankenkassen erstatten die Kosten nach Vorlage der Rechnung, andere ermöglichen eine direkte Abrechnung über die Versichertenkarte. Auch die Impfung in Apotheken kann unter den jeweiligen Voraussetzungen abgedeckt sein. Wer unter 60 Jahre alt und gesund ist, sollte deshalb vor der Impfung bei seiner Krankenkasse nachfragen, ob die Kosten übernommen werden. 

>> Welche Krankenkassen zahlen Grippeschutzimpfung für alle Versicherten?

Grippeimpfung auch in Apotheken und beim Betriebsarzt

Die Grippeschutzimpfung muss nicht zwingend in einer Hausarztpraxis erfolgen. Auch Apotheken dürfen Erwachsene ab 18 Jahren gegen Influenza impfen, sofern die entsprechenden fachlichen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllt sind. Darüber hinaus bieten viele Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine kostenlose Impfung durch den Betriebsarzt an. Das ist insbesondere in Unternehmen mit vielen Beschäftigten und engem Kundenkontakt verbreitet. Für Versicherte lohnt es sich, die verschiedenen Möglichkeiten zu vergleichen. Entscheidend ist, dass der verwendete Impfstoff für die jeweilige Alters- und Risikogruppe geeignet ist. 

Grippeschutzimpfung: Sinnvoll oder überflüssig?

Die Grippeschutzimpfung ist kein perfekter Schutz vor einer Influenza-Erkrankung. Ihre Wirksamkeit schwankt erheblich und kann in einzelnen Jahren vergleichsweise gering ausfallen. Auch Geimpfte können sich anstecken und andere Menschen infizieren. Trotzdem überwiegt für die von der STIKO empfohlenen Risikogruppen der medizinische Nutzen. Gerade ältere Menschen, chronisch Kranke und Schwangere können durch eine Influenza schwer erkranken. Die Impfung bietet eine zusätzliche Schutzmöglichkeit, um Komplikationen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Für gesunde jüngere Erwachsene ist die Entscheidung stärker eine individuelle Abwägung. Wer häufig mit anderen Menschen in Kontakt kommt oder gefährdete Angehörige schützen möchte, kann ebenfalls von der Impfung profitieren. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollte vorher geklärt werden.

 

 

 

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