Schwerbehindertenausweis: Anspruch, Merkzeichen, Gültigkeit und Antragstellung
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Der Schwerbehindertenausweis ist ein bundeseinheitlicher Nachweis über die Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch. Außerdem sind der Grad der Behinderung (GdB), die Gültigkeitsdauer und eventuelle Merkzeichen vermerkt. Mit dem Schwerbehindertenausweis kann man sich zum Beispiel gegenüber Behörden, Arbeitgebern und Sozialleistungsträgern als schwerbehindert ausweisen. Dies ist unter anderem notwendig, um gesetzlich festgelegte Nachteilsausgleiche und Rechte in Anspruch nehmen zu können.
Stand der Informationen: Oktober 2026
Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis
Der Schwerbehindertenausweis ist grundsätzlich grün. Er erhält zusätzlich einen orangefarbenen Flächenaufdruck, wenn der Inhaber das Recht auf unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personenverkehr hat. Dies ist der Fall, wenn eines oder mehrere der folgenden Merkzeichen festgestellt wurden:
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„G“: Erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr (erhebliche Geh- und/oder Stehbehinderung)
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„aG“: Außergewöhnliche Gehbehinderung
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„H“: Hilflosigkeit
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„Bl“: Blind oder hochgradig sehbehindert (Vorsicht bei alten Schreibweisen: ein kleines L, kein großes i)
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„TBl“: Taubblind
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„Gl“: Gehörlos oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit schwerer Sprachstörung
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„B“: Ständige Begleitung bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist notwendig
Die rechtlichen Grundlagen sind in der Schwerbehindertenausweisverordnung (SchwbAwV) festgelegt.
Anspruch und Gültigkeitsdauer
Menschen mit einem festgestellten Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr gelten gesetzlich als schwerbehindert und haben Anspruch auf den Ausweis. Voraussetzung ist zudem, dass der Ausweisinhaber seinen Wohnsitz, seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder seine Beschäftigung rechtmäßig in Deutschland hat. Personen mit einem GdB von 30 oder 40 können zwar unter bestimmten Umständen (zur Arbeitsplatzsicherung) schwerbehinderten Menschen von der Arbeitsagentur gleichgestellt werden, sie erhalten jedoch keinen Schwerbehindertenausweis.
Die Gültigkeitsdauer des Ausweises ist in der Regel auf längstens fünf Jahre befristet. Eine unbefristete Ausstellung ist möglich, wenn eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes (und damit des GdB) auf Dauer nicht zu erwarten ist. Hinweis: Etwa drei Monate vor Ablauf eines befristeten Ausweises sollte rechtzeitig eine Verlängerung beantragt werden. Tritt eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes ein, ist der Inhaber verpflichtet, dies dem Amt mitzuteilen. Der GdB und die Merkzeichen werden dann gegebenenfalls neu geprüft.
Wo einen Antrag stellen?
Der „Antrag auf Feststellung einer Behinderung“ ist beim zuständigen Versorgungsamt oder der nach Landesrecht zuständigen Behörde (oft als Amt für Soziales, Kreisverwaltung oder Landesamt betitelt) zu stellen. Die genaue Zuständigkeit kann beim örtlichen Bürgeramt erfragt werden. Inzwischen bieten alle Bundesländer auch die Möglichkeit eines Online-Antrags an.
Im Antrag müssen neben persönlichen Daten auch sämtliche relevanten Krankheiten, Behinderungen, behandelnde Ärzte, sowie Reha- und Krankenhausaufenthalte angegeben werden. Die Bearbeitungsdauer variiert je nach Behördenauslastung und der Dauer der ärztlichen Rückmeldungen, liegt aber im Regelfall zwischen drei und sechs Monaten. Wer bei der Antragstellung oder bei einem Widerspruch gegen einen ablehnenden Bescheid Hilfe benötigt, kann sich beispielsweise an Sozialverbände (wie den VdK oder den SoVD) wenden.
Vorteile des Ausweises
Da Menschen mit Behinderungen im Alltag oft größere finanzielle und organisatorische Belastungen tragen (z. B. für Pflege, Medikamente oder Mobilität), gewährt der Staat sogenannte Nachteilsausgleiche. Der Ausweis bietet unter anderem folgende Rechte:
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Besonderer Kündigungsschutz am Arbeitsplatz (Zustimmung des Integrationsamtes bei Kündigungen erforderlich)
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Zusatzurlaub von einer Arbeitswoche (meist 5 Tage) pro Jahr
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Vorzeitige Altersrente (Altersrente für schwerbehinderte Menschen) bei Erfüllung der Wartezeit
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Steuerliche Freibeträge (Behinderten-Pauschbetrag), die den steuerpflichtigen Teil des Einkommens mindern
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Ermäßigung oder Befreiung vom Rundfunkbeitrag (Befreiung bei Merkzeichen „TBl“; Ermäßigung auf ein Drittel bei Merkzeichen „RF“)
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Vergünstigter Eintritt für Museen, Theater, Kinos oder Schwimmbäder (je nach Anbieter)
Freifahrt im ÖPNV (Wertmarke): Ausweisinhaber mit einem orangefarbenen Aufdruck können den öffentlichen Nahverkehr vergünstigt oder kostenlos nutzen. Dafür wird ein Beiblatt mit einer Wertmarke benötigt.
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Eigenbeteiligung: Für Inhaber der Merkzeichen „G“, „aG“ und „Gl“ kostet diese Wertmarke 91 Euro pro Jahr (bzw. 46 Euro für ein halbes Jahr).
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Kostenlos: Komplett gebührenfrei erhalten die Wertmarke Inhaber der Merkzeichen „H“, „Bl“ und „TBl“ sowie Personen, die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts (wie Bürgergeld oder Grundsicherung im Alter) beziehen. Auch eine eingetragene Begleitperson (Merkzeichen „B“) fährt immer kostenlos mit.
Besonderheit: Parken auf dem Behindertenparkplatz
Ein wichtiger Irrtum: Der Schwerbehindertenausweis allein (auch mit Merkzeichen „G“ oder „aG“) berechtigt nicht automatisch zum Parken auf den speziell ausgewiesenen Rollstuhlfahrer-Parkplätzen.
Dafür ist zwingend ein blauer Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde erforderlich. Diesen erhalten in der Regel nur Personen mit dem Merkzeichen „aG“ (außergewöhnlich gehbehindert), „Bl“ (blind) oder „TBl“ (taubblind) sowie in sehr spezifischen medizinischen Ausnahmefällen (z. B. bei beidseitiger Amelie). Der blaue Ausweis muss sichtbar hinter der Windschutzscheibe ausliegen.
