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Medikamente

Aufzahlung für Medikamente: wenn sich Festbeträge und Herstellerpreise unterscheiden

Differenz zwischen Festbeträgen und Herstellerpreisen
veröffentlicht am 02.12.2017 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Das Thema Aufzahlung beim Kauf von Medikamenten ist ein komplexes. Klarheit soll der nachfolgende Beitrag bringen. Erfahren Sie, worum es sich bei der Aufzahlung eigentlich handelt und was Sie beachten müssen.

2017-12-02T11:11:00+00:00
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Was versteht man unter Aufzahlung?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es sich hierbei nicht um ein Synonym für „Zuzahlung“ handelt. Während es bei der Zuzahlung darum geht, dass Patienten beim Kauf eines verschriebenen Medikaments einen Eigenanteil von mindestens 5 und höchstens 10 € beisteuern müssen (aber Ausnahmen und Befreiung möglich), verhält es sich bei Aufzahlungen anders: Eine Aufzahlung müssen Kunden beim Arzneimittelkauf leisten, wenn die gesetzlichen Krankenkassen zwar einen Festpreis für einen bestimmten Wirkstoff bzw. eine Wirkstoffgruppe festgelegt haben, der Produzent des betreffenden Produkts allerdings einen höheren Preis verlangt. Diese Differenz muss der Kunde allein tragen, wobei diese Regelung auch für unter 18-Jährige gilt. Letztere sind beim Kauf von Präparaten auf Rezept zuzahlungsbefreit.

Festbeträge für Arzneimittel

Beim Festbetrag von Medikamenten handelt es sich um Maximalbeträge, bis zu denen die Krankenkassen finanziell für ein Arzneimittel aufkommen. Die Festlegung dieser Beträge erfolgt folgendermaßen:

  • Zunächst legt der Gemeinsame Bundesausschuss Arzneimittelgruppen fest, für die feste Beträge gelten sollen. Medikamente mit therapeutisch vergleichbarer Wirkung sowie denselben bzw. im pharmakologisch-therapeutischen Sinne vergleichbaren Wirkstoffen werden in diesen Gruppen zusammengefasst.
  • Anschließend legt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen für jede dieser Festbetragsgruppen einen Betrag fest. Dabei ist der Verband an bestimmte gesetzlich festgeschriebene Kriterien gebunden.  

Festlegung der Festbetragsgruppen

Die Gruppen werden in drei Stufen unterteilt. Stufe 1 bilden Präparate, welche dieselben Wirkstoffe enthalten. In den Gruppen der Stufe 2 befinden sich Arzneimittel, die hinsichtlich ihrer Wirkstoffe und therapeutischen Wirkung miteinander vergleichbar sind. Stufe 3 wird aus Medikamenten gebildet, deren Wirkstoffe sich voneinander unterscheiden, die sich aber in Bezug auf ihre therapeutische Wirkung nicht voneinander unterscheiden.

Warum Festbeträge?

Der Hintergrund zur Existenz von Festpreisen für Medikamente ist folgender: Obwohl es viele Präparate gibt, die sowohl in Qualität als auch in Wirkung miteinander vergleichbar sind und teilweise sogar dieselben Wirkstoffe enthalten, verlangen die jeweiligen Hersteller dieser Arzneimittel unterschiedliche Preise. Aus ökonomischer Sicht ist dieser Zustand für die gesetzliche Krankenversicherung, welche die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente abgesehen von der Zuzahlung trägt, aber schwierig. Daher werden Festbetragsgruppen zusammengestellt, die einen Preisvergleich zwischen gleichwertigen Produkten erlauben.

Die Rolle der Ärzte bei der Aufzahlung für Medikamente

Muss ein Arzt seinem Patient ein Medikament verschreiben, kann er sich dank Vergleichsmöglichkeit in den einzelnen Festbetragsgruppen für ein Präparat entscheiden, das abgesehen vom Preis gleichwertig zu einem anderen ist, und seinem Patient somit eine Aufzahlung in der Apotheke ersparen. Allerdings darf sich der Arzt auch für das teuere Produkt entscheiden. Der Verkaufspreis übersteigt dann den Festbetrag und der Patient muss die Differenz zahlen, falls er das Medikament kauft. Dies muss der behandelnde Arzt seinem Patient allerdings vorher mitteilen.

 

 

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