Elektronische Patientenakte (ePA)

Die elektronische Patientenakte (ePA) oder elektronische Gesundheitsakte (eGA) ist eine digitale Akte, in der medizinische Informationen von gesetzlich Versicherten zentral gespeichert werden. Sie wird von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bereitgestellt und ermöglicht eine sichere, strukturierte und einrichtungsübergreifende Kommunikation zwischen Versicherten, den Leistungserbringern und den abrechnenen Krankenkassen.
Idee und Funktion der Patientenakte
Kernstück der elektronischen Patientenakte ist eine zentrale Datenbank, auf der sektorübergreifend die Befunde, Verordnungen und weitere Gesundheitsdaten der Patienten speichern. Ziel ist dabei die Vermeidung von Mehrfachuntersuchungen, verbesserte Frühwarnmechanismen für bestimmte Krankheitsbilder und auch eine Erhöhung der Effizienz bzw. Kostensenkung.
Die Versicherten erhalten dabei die Hoheit über ihre Umfang und Dauer der Speicherung ihrer individuellen Gesundheitsdaten und können jedem einzelnen Abruf zustimmen oder ablehnen. Leistungserbringer wie Ärzte, Therapeuten, Zahnärzte oder Apotheker können ebenfalls zugreifen auf diejenigen Dokumente, welche für die Behandlung nötig und hilfreich sind.
Übergangsmodelle einzelner Krankenkassen
Schließlich gingen einzelne Krankenkassen dazu über, eigene mobile Patientenakten gemeinsam mit Partnern der IT-Branche zu entwickeln. Beispiele dafür sind TK safe (Techniker Krankenkasse und IBM), die vivy App (vivy GmbH und DAK, ikk Nord, Audi BKK und andere) oder die AOK Patientenakte (AOK und Vivantes).
Entwicklung, Einführung und Rollout der ePA
Ursprünglich war die eGA von der Gematik als Funktion der Elektronischen Gesundheitskarte (eGK) konzipiert und entwickelt worden. Dabei kam es durch die politischen Prozesse um die zu lösenden Datenschutzprobleme zu Verzögerungen. Mit dem „Patientendaten-Schutz-Gesetz“ (PDSG) vom April 2020 hatte die Bundesregierung den Terminplan zur flächendeckenden und verbindlichen Einführung der Elektronischen Patientenakte (ePA) ab 2021 beschlossen.
Die neue „elektronische Patientenakte (ePA) für alle“ wurde ab 2025 schrittweise in das Gesundheitssystem integriert. Nach dem Start der Testphase in ausgewählten Modellregionen am 15. Januar 2025 begann am 29. April 2025 der bundesweite Rollout. Seit dem 1. Oktober 2025 sind Arztpraxen, Krankenhäuser und weitere medizinische Einrichtungen nun flächendeckend verpflichtet, die ePA im Versorgungsalltag zu nutzen und zu befüllen.
Opt-out, Nutzung und Widerspruch gegen ePA
Seit 2025 gilt für gesetzlich Versicherte das so gegannte Opt-out-Verfahren: Die Krankenkassen stellen automatisch eine elektronische Patientenakte (ePA) bereit, sofern Versicherte nicht widersprochen haben. Ein Widerspruch ist jederzeit möglich und führt dazu, dass eine bereits bestehende Akte einschließlich ihrer Inhalte gelöscht wird.
Wer die ePA weiter nutzen möchte, kann dennoch einzelne Funktionen einschränken, bestimmten medizinischen Einrichtungen den Zugriff verwehren oder dem Einstellen einzelner Dokumente widersprechen. Ärztliche Praxen und Krankenhäuser sind seit dem 1. Oktober 2025 grundsätzlich verpflichtet, die ePA im Behandlungsalltag zu nutzen und gesetzlich vorgesehene Daten (wie Laborbefunde oder eArztbriefe) einzustellen.
Für besonders sensible Informationen gelten zusätzliche Hinweispflichten und Widerspruchsmöglichkeiten. Der Zugriff durch eine Praxis setzt immer einen aktuellen Behandlungskontext voraus (dieser wird in der Regel durch das Einlesen der eGK vor Ort autorisiert) und wird für den Patienten transparent protokolliert. Die Krankenkassen selbst können die medizinischen Inhalte der ePA technisch nicht einsehen. Auch der Nutzung der Daten zu pseudonymisierten Forschungszwecken kann gesondert widersprochen werden.
Wer darf auf die ePA zugreifen?
Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Apotheken und weitere berechtigte Leistungserbringer können im Behandlungskontext auf die ePA zugreifen, sofern kein entsprechender Widerspruch vorliegt. Der Zugriff wird grundsätzlich über die elektronische Gesundheitskarte beziehungsweise die ePA-App ermöglicht. Versicherte können Zugriffsrechte (z. B. die Dauer der Zugriffsbefugnis) einschränken und einzelne Dokumente verbergen.
Widerspruch gegen einzelne Funktionen
Versicherte können nicht nur die ePA insgesamt ablehnen, sondern auch gegen bestimmte Datenverarbeitungen oder Zugriffe widersprechen. So bestehen beispielsweise besondere Widerspruchsmöglichkeiten bei bestimmten sensiblen Daten. Die ePA-App bietet zudem Möglichkeiten, Zugriffe zu kontrollieren, die Zugriffsdauer für Praxen beliebig anzupassen und so die eigene digitale Datenhoheit uneingeschränkt wahrzunehmen.