Arzt & Patient

TK kündigt Großteil der Hausarztverträge – Streit über Nutzen der hausarztzentrierten Versorgung

13 von 16 Bundesländern betroffen
veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

TK kündigt Verträge zum Hausarztprogramm  TK kündigt Verträge zum Hausarztprogrammgeneriert mit GPT 5-2
Die Techniker Krankenkasse (TK) hat einen Großteil ihrer Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung (HzV) zum Jahresende gekündigt. Die TK reagiert damit auf neue Erkenntnisse, die den Nutzen der Hausarztprogramme in Frage stellen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband kritisiert den Schritt.  
 

2026-06-29T17:44:00+02:00

Finden Sie die richtige Krankenkasse

Vergleichen Sie Beiträge und Leistungen und sparen Sie.

Zum Krankenkassenvergleich

Auslöser der Kündigung ist eine wissenschaftliche Evaluation, welche durch die TK selbst in Auftrag gegeben wurde. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass durch die hausarztzentrierte Versorgung keine bessere Versorgungssteuerung erreicht wird. Weder würden Facharztkontakte reduziert noch Krankenhausaufenthalte vermieden. Gleichzeitig erhielten teilnehmende Hausärztinnen und Hausärzte aber rund 30 Prozent höhere Honorare. Nach Angaben der TK entstehen dadurch jährliche Mehrkosten von rund 160 Millionen Euro

Keine Einschnitte bis Jahresende 2026

Zunächst soll sich für die ingeschriebenen TK-Versicherten nichts ändern, weil die bestehenden Verträge bis zum Abschluss neuer Vereinbarungen weiterlaufen. Auch sind die Verträge nur in 13 von 16 Bundesländern aufgekündigt. Nicht betroffen sind die gesonderten HzV-Verträge in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Diese seien bislang nicht evaluiert worden.

Die TK versteht die Kündigung als Auftakt für Neuverhandlungen mit den regionalen Hausärzteverbänden. Ziel sei ein Vertrag, der sowohl eine bessere Steuerung der Patientenversorgung als auch einen effizienteren Ressourceneinsatz ermögliche. Auch für die teinehmenden Ärztinnen und Ärzte sowie die ändere sich bis zum Abschluss neuer Verträge nichts.

Hausärzte fordern faire Evaluation

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband reagierte scharf auf den Schritt. Co-Bundesvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth warf der TK vor, politischen Druck auf die Hausarztpraxen auszuüben und Versicherte zu verunsichern. Die Kritik der Krankenkasse stütze sich auf eine einzelne, von der TK beauftragte Studie. Andere wissenschaftliche Untersuchungen sowie internationale Evidenz kämen dagegen zu deutlich positiveren Bewertungen der hausarztzentrierten Versorgung.

Die Kündigung dürfte die Debatte über den Nutzen der hausarztzentrierten Versorgung neu entfachen. Während die TK vor allem auf Wirtschaftlichkeit und messbare Effekte bei der Versorgungssteuerung verweist, betonen Hausärzteverbände seit Jahren Vorteile wie eine bessere Koordination der Behandlung, eine stärkere Patientenbindung und langfristige Qualitätsgewinne. Die unterschiedlichen Bewertungen zeigen, dass die Evidenz zur Wirksamkeit der HzV je nach Untersuchungsdesign und betrachteten Endpunkten unterschiedlich ausfällt.

Kein Aus für Hausarztprogramm 

Mit der Kündigung erhöht die TK aktuell den Druck auf die anstehenden Vertragsverhandlungen. Die Hausarztmodelle selbst stellt die größte deutsche Krankenkasse formal nicht in Frage. Im Hausarztprogramm der TK sind circa eine Million Versicherte eingeschrieben. Von ärztlicher Seite nehmen derzeit etwa 10.000 Praxen teil 

 

Werbung

Folgen Sie uns bei Google News

Folgen Sie uns auf Google News
Bewerten Sie uns 4,8 / 5
https://www.krankenkasseninfo.de

16653 Besucher haben in den letzten 12 Monaten eine Bewertung abgegeben.