Spitzenverband warnt vor staatlichen Zwangsfusionen von Krankenkassen
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Oliver Blatt - Vorstandsvorsizender GKV SpitzenverbandGKV Spitzenverband
Linnemann will Zahl der Krankenkassen deutlich senken
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hatte sich bereits im Frühjahr dafür ausgesprochen, die damals mehr als 90 gesetzlichen Krankenkassen mindestens zu halbieren. Aus seiner Sicht könnten zehn Krankenkassen ausreichen. Als mögliche Voraussetzung für Zusammenschlüsse hatte er eine Mindestgröße von 200.000 oder 250.000 Mitgliedern ins Gespräch gebracht. Die Finanzkommission Gesundheit soll im Dezember ihren Abschlussbericht vorlegen. Darin wird es auch um die Organisation der Krankenkassenlandschaft gehen. Auf Grundlage der Ergebnisse will die Bundesregierung im kommenden Jahr weitere Reformen angehen.
Verwaltungskosten liegen laut GKV bei rund vier Prozent
Blatt bezweifelt, dass eine politisch verordnete Konzentration nennenswerte Einsparungen bringen würde. Die Krankenkassen hätten bereits heute einen vergleichsweise niedrigen Verwaltungskostenanteil von rund vier Prozent. Ein großer Teil dieser Ausgaben entfalle auf Personal, das für die Betreuung der Versicherten benötigt werde. Zudem verwies der GKV-Chef auf das Beispiel Österreich. Dort zeige sich, dass eine staatlich vorgegebene Zusammenlegung von Krankenkassen nicht automatisch zu Einsparungen führe.
Faktencheck: Die Verwaltungskosten der Krankenkassen bleiben stabil
Die gesetzlichen Krankenkassen arbeiteten bereits an effizienteren Abläufen und setzten dabei zunehmend auch künstliche Intelligenz ein. Der Konzentrationsprozess sei außerdem seit Jahrzehnten im Gang: Vor rund 30 Jahren gab es noch mehr als 1.000 Krankenkassen. Zum Jahresbeginn 2027 dürfte ihre Zahl nach Einschätzung Blatts unter 90 liegen.
Fusionen seien aus seiner Sicht sinnvoll, wenn sie wirtschaftliche Vorteile brächten. Eine politisch festgelegte Zielzahl lehnt er dagegen ab. Ob weitere Effizienzreserven vorhanden seien, könne auch die Finanzkommission untersuchen.
SPD-Gesundheitspolitiker unterstützt Zusammenschlüsse
Unterstützung für eine stärkere Bündelung der Krankenkassenstrukturen kommt vom SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis. Er hält es für sinnvoll, die historisch gewachsene Kassenlandschaft kritisch zu überprüfen. Zusammengelegte Verwaltungsaufgaben, der Abbau von Doppelstrukturen und schlankere Prozesse könnten Einsparungen ermöglichen. Entscheidend seien dabei jedoch die Qualität der Organisation, der Wettbewerb und die Wahlfreiheit der Versicherten. Damit bleibt umstritten, ob weitere Zusammenschlüsse vor allem durch Wettbewerb und wirtschaftliche Anreize entstehen oder politisch stärker vorgegeben werden sollten.
