Gesundheitspolitik

Influencer gegen GKV-Kürzungen: "Wut-Ärztin" mobilisiert Tausende für Demo in Berlin

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Protestkundgebung gegen Versorgungseinschnitte durch das GKV-SpargesetzAProtestkundgebung gegen Versorgungseinschnitte durch das GKV-SpargesetzA
Aus einem wütenden Instagram-Video ist eine bundesweite Protestaktion geworden: Die Hannoveraner Kinderärztin Bea Merscher mobilisiert gegen geplante Einschnitte im Gesundheitswesen. Für den 5. September ist in Berlin eine Kundgebung geplant. Bislang haben mehr als 12.000 Menschen ihre Teilnahme für parallele Online-Proteste angekündigt.

2026-08-31T14:30:00+00:00

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Auslöser für Merschers Protest ist das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und seine möglichen Auswirkungen auf die ambulante medizinische Versorgung von Kindern. In einem Ende Juni veröffentlichten Instagram-Video warnte sie davor, dass gesetzlich versicherte Kinder künftig möglicherweise nicht mehr im bisherigen Umfang Vorsorgeuntersuchungen ( U-Untersuchungen) erhalten könnten. In einer TV-Sendung des des Privatsenders RTL konfrontierte sie Bundeskanzler Merz (CDU) mit provokanten Fragen und dem Vorwurf, mit seiner Regierung "menschenverachtende, zerstörerische Gesetze" wie das GKV-Sparpaket zu erlassen. 

Budgetierung trifft auch Kinderarztliche Praxen  

Auf der Kampagnenseite EsistPunkt12.de kritisieren die Initiatoren insbesondere die geplante Budgetierung in der ambulanten Versorgung. Nach ihrer Darstellung könnte dies dazu führen, dass Kinderarztpraxen einen Teil ihrer Patientinnen und Patienten nicht mehr behandeln können, wenn sie wirtschaftlich kostendeckend arbeiten wollen. „Es ist ein Skandal und es muss einen Alternativ-Vorschlag geben“, sagt die Medizinerin. 

Informationan auf der Kampagnenseite EsistPunkt12.de Informationan auf der Kampagnenseite EsistPunkt12.de

Protest weitet sich aus

Ursprünglich wollte die Kinderärztin mit Mikrofon und Lautsprecher vor dem Reichstag protestieren. Inzwischen ist daraus eine für den 5. September angesetzte größere Kundgebung geworden. Neben Kinderärztinnen und Kinderärzten sollen auch Vertreter aus Pflege, Psychotherapie, Heilmittelberufen, Hebammenhilfe und weiteren sozialen Bereichen zu Wort kommen. Zu den angekündigten Rednern gehören unter anderem der Pflegefachmann und Influencer Ricardo Lange, der Kinderarzt Vitor Gatinho alias „Kids.Doc“ sowie Marcus Graubner, Bundesvorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbands. Insgesamt sollen 28 Influencer auf der Bühne auftreten. Gemeinsam erreichen sie nach Angaben der Organisatoren mehr als 3,5 Millionen Menschen in den sozialen Medien.

„Kinder haben keine Lobby“

Merscher versteht die Aktion nicht ausschließlich als Protest von Kinderärztinnen und Kinderärzten. Kinder und Jugendliche sollen zwar im Mittelpunkt stehen, gleichzeitig richtet sich die Kundgebung gegen aus ihrer Sicht problematische Kürzungen im gesamten Sozial- und Gesundheitswesen. „Kinder haben keine Lobby, sie haben kein Mandat und jetzt sind wir ihre Stimme“, sagt die 39-Jährige. Gemeinsam mit Mitstreitern hat sie ein Manifest mit 31 Punkten erarbeitet. Darin geht es unter anderem um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung, die Zahl und Verwaltung der Krankenkassen sowie die Beteiligung des Staates an den Gesundheitskosten.

Kritik an Finanzierung der GKV

Merscher kritisiert insbesondere die Finanzierung der Gesundheitsversorgung von Bürgergeld-Beziehenden. Nach ihrer Darstellung entstehen den Krankenkassen dafür monatlich deutlich höhere Kosten, als der Staat über die Beiträge ausgleicht. Die daraus resultierende Finanzierungslücke müsse letztlich von den gesetzlich Versicherten getragen werden. Statt Leistungen zu kürzen, müssten deshalb aus Sicht der Initiatoren andere Einspar- und Finanzierungsquellen genutzt werden. Genannt werden unter anderem eine stärkere Beteiligung der Pharmaindustrie, eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Medikamente sowie eine Verringerung des Verwaltungsaufwands der Krankenkassen.

Protest auch digital

Die Organisatoren setzen nicht nur auf die Demonstration in Berlin. Auch eine digitale Teilnahme ist vorgesehen. Nach ihren Angaben haben sich dafür bereits mehr als 12.000 Menschen angekündigt. Für Merscher sind soziale Medien dabei ein entscheidendes Instrument politischer Mobilisierung. Ihre Reichweite ermögliche es, innerhalb kurzer Zeit Menschen im gesamten Bundesgebiet zu erreichen. 

Die Kinderärztin betont zugleich ihre politische Unabhängigkeit. Ihr gehe es nicht um eine bestimmte Partei, sondern um die Sicherung der medizinischen und sozialen Versorgung. Die geplante Kundgebung am 5. September in Berlin soll deshalb zum sichtbaren Protest gegen die geplanten Einschnitte im Gesundheitswesen werden.

 

 

 

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