U10 wird Kassenleistung: Neue Vorsorge für Kinder von 9 bis 10 Jahren
Gemeinsamer Bundesausschuss schließt Lücke zwischen U9 und J1Finden Sie die richtige Krankenkasse
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Mit der neuen obligatorischen Vorsorgeuntersuchung soll die bisher große Alterslücke zwischen der U9-Untersuchung im Vorschulalter und der ersten Jugenduntersuchung J1 geschlossen werden. Bislang ist die U10 nur eine freiwillige Zusatzleistung (Satzungsleistung) und wird nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Auch richtete sich die bisherige U10 an Kinder im Alter von sieben bis acht Jahren. Die neue U10 soll nun für neun- bis zehnjährige Kinder gelten. Das entspricht dem Altersfokus der bisherigen U11 Untersuchung. Der G-BA hat darüber hinaus beschlossen, die Befunde der Jugenduntersuchung J1 künftig im Kinderuntersuchungsheft („Gelbes Heft“) zu dokumentieren. Damit soll die gesundheitliche Entwicklung vom Säuglingsalter bis ins Jugendalter besser nachvollziehbar werden.
Körperliche und psychische Gesundheit im Blick
Bei der U10 geht es nicht nur um die körperliche Entwicklung. Die Kinderärzte sollen auch mögliche gesundheitliche Risiken frühzeitig erkennen. Dazu gehören insbesondere Übergewicht, Bewegungsmangel, eine hohe Bildschirmzeit sowie psychische oder soziale Auffälligkeiten.
Vorgesehen ist eine ausführliche Anamnese. Dabei werden unter anderem mögliche familiäre Krankheitsrisiken und besondere Belastungen erfragt. Neu ist außerdem ein Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Er soll Hinweise auf das psychische Wohlbefinden des Kindes geben und wird vor dem Arzttermin von den Eltern ausgefüllt.Vor dem großen Wachstumsschub der Pubertät könnten sich beispielsweise ungünstige Gewichtsentwicklungen oder auffällige Verhaltensmuster noch gezielt beeinflussen lassen. Auch erste Anzeichen von Angststörungen, Essstörungen, ADHS oder sozialem Rückzug könnten früher erkannt werden.
Auch die Impfberatung gehört zur U10. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der HPV-Impfung, die vor bestimmten Krebserkrankungen schützen kann. Experten sehen gerade im Alter von neun und zehn Jahren eine wichtige Chance für Prävention.
Große Lücke zwischen U9 und J1
Bislang enden die regulären Kinderuntersuchungen mit der U9 kurz nach dem fünften Geburtstag. Die nächste Kassenleistung ist die J1 im Alter von 12 bis 14 Jahren. Nach Ansicht des G-BA ist diese Lücke zu groß. Hinzu kommt, dass die J1 deutlich seltener wahrgenommen wird als die Untersuchungen im Kleinkind- und Vorschulalter. Nach Einschätzung von Kinder- und Jugendmedizinern erreicht die J1 derzeit weniger als die Hälfte der Jugendlichen. Die neue U10 soll deshalb auch dazu beitragen, den regelmäßigen Kontakt zwischen Kindern, Eltern und Kinderärzten länger aufrechtzuerhalten.
Untersuchung soll Kinder nicht stigmatisieren
Fachleute warnen zugleich davor, die U10 auf Gewicht oder Medienkonsum zu reduzieren. Gerade bei Themen wie Übergewicht oder Smartphone-Nutzung müsse die Perspektive des Kindes berücksichtigt werden. Statt Vorwürfen seien offene Fragen wichtig: Wie geht es dem Kind? Gibt es Probleme? Und welche Unterstützung könnte helfen? Auch sozial benachteiligte Familien sollen mit der neuen Vorsorge besser erreicht werden. Dafür halten Experten ein aktives Einladungs- und Erinnerungssystem sowie leicht verständliche und mehrsprachige Informationen für notwendig.
