Mutter gesetzlich, Kinder privat versichert: Muss die Krankenkasse eine Eltern-Kind-Kur für alle übernehmen?
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Wer trägt die Kosten für mitreisende Kinder bei einer Mutter-Kind-Kur, wenn die Eltern in unterschiedlichen Systemen (gesetzlich und privat) krankenversichert sind?
Das geht aus zwei wegweisenden Grundsatzurteilen des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel vom 28. Mai 2019 hervor.
Im ersten Fall (Aktenzeichen B 1 KR 4/18 R) wurde einer gesetzlich versicherten Mutter von ihrer Krankenkasse eine Mutter-Kind-Kur über drei Wochen bewilligt. Da die Kinder jedoch über den beihilfeberechtigten Vater in der Privaten Krankenversicherung (PKV) versichert waren, lehnte die gesetzliche Kasse die Mitnahme der Kinder zunächst ab.
Versichertenstatus der Kinder unerheblich
Die Richter entschieden, dass die Krankenkasse auch in diesem Fall für die Mitnahme und Unterbringung der Kinder aufkommen muss. Diese Kostenübernahme erfülle ihren Sinn darin, der Mutter überhaupt „eine Teilnahme an der stationären Vorsorgemaßnahme zu ermöglichen oder ihr die Entscheidung dafür zumindest zu erleichtern”. Der Versichertenstatus der Kinder sei in diesem Zusammenhang nicht zu berücksichtigen.
Ablehnung im umgekehrten Fall rechtens
Im zweiten, parallel verhandelten Fall (Aktenzeichen B 1 KR 34/18 R) entschieden die Kasseler Richter jedoch gegen eine Pflicht zur Kostenübernahme. Die klagende Mutter war selbst privat versichert und forderte, auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse ihrer Kinder eine Mutter-Kind-Kur in Anspruch zu nehmen.
Das BSG wies die Klage mit der Begründung ab, dass Kurleistungen für Begleitkinder rein akzessorisch – also strikt abhängig von der Hauptleistung – an die eigentlichen „medizinischen Vorsorgeleistungen für in der GKV versicherte Mütter und Väter erbracht” werden. Ebenso wie im ersten Urteil kommt es folglich nicht auf den Versichertenstatus der Kinder an. Zwingende Voraussetzung für die Kostenübernahme von begleitenden Kindern ist stets die gesetzliche Krankenversicherung des behandlungsbedürftigen Elternteils (Hauptpatient).
Heutige Voraussetzungen für Begleitkinder (Stand 2026)
Die BSG-Rechtsprechung aus 2019 ist weiterhin uneingeschränkt geltendes Recht. In der heutigen Praxis muss bei gemischt versicherten Familien (ein Elternteil GKV, Kinder in der PKV/Beihilfe) jedoch zwingend zwischen zwei Status unterschieden werden. Muss das Kind (in dem Fall als Begleitkind) mitfahren, weil eine Trennung von der Mutter unzumutbar ist oder das Kind zu Hause nicht anderweitig betreut werden kann (Regelaltersgrenze meist bis zum vollendeten 12. Lebensjahr), übernimmt die GKV der Mutter die vollen Kosten für Unterbringung und Verpflegung des Kindes – unabhängig von dessen PKV-Status. Benötigt das privat versicherte Kind während der Mutter-Kind-Kur eigene medizinische oder therapeutische Behandlungen, zahlt die GKV der Mutter diese spezifischen kindlichen Behandlungskosten nicht. Hierfür muss zwingend im Vorfeld ein Antrag auf Kostenübernahme bei der privaten Krankenversicherung und ggf. der Beihilfestelle des Kindes gestellt werden.
