Geschlossene Praxen wegen Ärzteprotest: Darauf sollten sich Patienten einstellen
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Aufgerufen haben unter anderem die Freie Ärzteschaft sowei die fachübergreifenden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. Durch das geplante GKV-Reformgesetz werde der ambulanten ärztlichen Versorgung "massiver Schaden zugefügt", so die Vizevorsitzende der Freien Ärzteschaft e.V. Dr. Silke Lüder. Am Mittwoch würden daher viele Arztpraxen in Deutschland aus Protest geschlossen bleiben, kündigte der Verband an. Mit dem Aktionstag wolle man die Patientinnen und Patienten über die "fatalen Auswirkungen dieser falschen Gesundheitspolitik" informieren.
40 Millionen Arzttermine jährlich drohen wegzufallen
Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung würde sich das Terminangebot 2027 um über 40 Millionen Arzttermine reduzieren, wenn das Spargesetz so komme. Das sei "das Gegenteil der Versprechungen der Politik für eine Termingarantie beim Facharzt", so Wieland Dietrich als Vorsitzender der Freien Ärzte in Essen. Laut Gesetzentwurf soll ab 2027 weniger als die in der Gebührenordnung festgelegten Preise bezahlt werden. Die Auswirkungen dieser Reform seien daher " zerstörerisch", so Dietrich. Denn ambulante Haus- und Fachärzte behandeln in Deutschland 97 % aller Krankheitsfälle. Dafür erhielten sie lediglich 16 % der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Nun sei man an dem Punkt, wo viele Ärzte überlegen würden, ihre Kassenpraxis aufzugeben.
"Junge Kolleginnen und Kollegen wagen nicht mehr, eine Vertragsarztpraxis zu übernehmen in Anbetracht dieser unsicheren und prekären Zukunft", so Dietrich.
Wer sind die echten Kostentreiber?
Die echten Kostentreiber im Gesundheitswesen seien hingegen die Pharmaindustrie und der Staat selbst, so die freien Ärzte. Weil der Staat sich weigere, die versicherungsfremden Leistungen aus Steuermitteln zu zahlen, hätten jetzt die gesetzlich Versicherten das Nachsehen bei Leistungen und Terminen. Stoppt das Spargesetz - heißt es deshalb in ihrem Aufruf an die Abgeordneten des deutschen Bundestages.
Apps und Apotheken statt ärztlicher Behandlung?
Fragwürdig sei auch die Strategie, ärztliche Konsultationen durch Apps zu lenken und zu steuern. Durch das neue Digitalgesetz 'GeDIG' sei geplant, den Zugang zur ärztlichen Versorgung künftig über Apps der Krankenkassen und digitale Fragekataloge zu erschweren. Auch würden Apothekenverbände fordern, dass sie in ihren Räumen 'Behandlungen' , Blutabnahmen und Laboruntersuchungen durchführen dürfen - unter Umgehung von Ärzten. Solche teuren Parallelstrukturen gelte es zu verhindern, die ein Risiko für Patienten darstellten und nichts verbessern würden.
