Arzt & Patient

Fehlen bald 50 Millionen Arzttermine pro Jahr?

Kassenärzte warnen für 2027 vor längeren Wartezeiten
veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Volle Wartezimmer wegen knapper Termine: realistisches Szenario für 2027  Volle Wartezimmer wegen knapper Termine: realistisches Szenario für 2027(c) Getty Images / monkeybuisinessimages
Gesetzlich Versicherte müssen sich ab 2027 möglicherweise auf deutlich längere Wartezeiten bei Arztterminen einstellen. Davor warnt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Ihr Vorsitzender Andreas Gassen kritisiert die geplanten Einsparungen in der ambulanten Versorgung. Auch die vorgesehene Meldepflicht für freie Arzttermine sieht er kritisch.

2026-10-20T11:06:00+00:00

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Nach Angaben von Gassen wurden durch Kürzungen der finanziellen Mittel bereits mehr als 50 Millionen Termine gestrichen. Gegenüber der „Bild“-Zeitung warnte der KBV-Vorsitzende davor, dass sich die ohnehin angespannte Terminsituation weiter verschärfen könnte. Hintergrund sind die Sparmaßnahmen der Bundesregierung für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Die ambulante Versorgung ist nach Darstellung der KBV besonders stark von den geplanten Einschnitten betroffen. Allein für 2027 beziffert die Ärztevertretung die vorgesehenen Kürzungen auf rund 2,7 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen soll durch eine Begrenzung der Ausgaben erreicht werden.

Meldepflicht für freie Termine in der Kritik

Auch die geplante Verpflichtung von Arztpraxen, eine bestimmte Zahl freier Termine zu melden, stößt bei der KBV auf Widerstand. Gassen bezweifelt, dass dadurch mehr Patienten schneller einen Arzttermin erhalten. Vielmehr könnten die gemeldeten Termine in den Praxen für andere Patienten nicht mehr zur Verfügung stehen.

Aus Sicht der Kassenärzte lässt sich die Verfügbarkeit von Arztterminen nicht allein durch organisatorische Vorgaben verbessern. Entscheidend sei vielmehr eine ausreichende Finanzierung der ambulanten Versorgung. Nur wenn den Praxen mehr Geld zur Verfügung stehe, könnten zusätzliche Behandlungstermine angeboten werden, argumentiert Gassen.

GKV-Reform soll Beitragssätze stabilisieren

Die Auseinandersetzung fällt in die Umsetzung der umstrittenen GKV-Finanzreform, die zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Die Bundesregierung will mit Einsparungen und zusätzlichen Einnahmen das finanzielle Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen und weitere Beitragserhöhungen möglichst vermeiden. Die frühere Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte die Reform mit dem Ziel, die Beitragssätze für Versicherte und Arbeitgeber zu stabilisieren. Zugleich räumte sie ein, dass das Gesetz erhebliche Einschnitte mit sich bringe.

Das prognostizierte Finanzdefizit der gesetzlichen Krankenversicherung liegt inzwischen bei fast 19 Milliarden Euro. Wie sich die geplanten Einsparungen konkret auf die Terminverfügbarkeit auswirken werden, bleibt abzuwarten. Die Warnungen der KBV zeigen jedoch, dass die finanzielle Stabilisierung der Krankenkassen und eine ausreichende ambulante Versorgung in einem Spannungsverhältnis stehen können.

 

 

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