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International

Gesundheitssysteme der Länder – Tschechien

veröffentlicht am 03.02.2026 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Gesundheitssystem in TschechienGesundheitssystem in Tschechien(c) Pixabay / CC0
Mit seinen rund 10,9 Millionen Einwohnern verfügt Tschechien über eine beitragsfinanzierte gesetzliche Bürgerversicherung. Sie wird über mehrere halbstaatliche Krankenkassen organisiert und alle Einwohner mit dauerhaften Aufenthalt haben Anspruch auf diese Versicherung. Die Teilnahme ist dabei verpflichtend, sodass eine nahezu vollständige Absicherung der Bevölkerung gewährleistet ist. 

2026-02-03T14:52:00+01:00

Das System funktioniert nach dem Prinzip einer allgemeinen Krankenversicherung, während zusätzliche Leistungen über private Zusatzversicherungen abgedeckt werden können. Insgesamt basiert die Versorgung damit auf einem solidarisch finanzierten Pflichtversicherungssystem, das allen Bürgern Zugang zu medizinischen Leistungen ermöglicht. 

Die Lebenserwartung

Die Lebenserwartung bei Geburt liegt in Tschechien (Stand: 2025) bei rund 79,5 Jahren für Männer und bei 84,1 Jahren für Frauen. Damit liegt das Land leicht unter dem EU-Durchschnitt von 81,5 Jahren. Gründe hierfür liegen in einem erhöhten Alkohol- und Tabakkonsum sowie Luftverschmutzungen. Positiv ist hingegen eine vergleichsweise hohe Zufriedenheit mit der Verfügbarkeit medizinischer Versorgung. So bewerten rund 75 Prozent der Bevölkerung diese als positiv.

Gesundheitsausgaben pro Kopf

Im Jahr 2024 gab Tschechien laut OECD rund 5.014 US-Dollar pro Kopf für Gesundheit aus. Das entspricht etwa 8,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die jeweiligen Krankenversicherungsbeiträge werden zu 4,5 Prozent durch die Beschäftigten und zu neun Prozent durch ihre Arbeitgeber getragen. Selbstständige hingegen müssen einen Beitragssatz von 13,5 Prozent zahlen. Bei Menschen ohne eigenes Einkommen, darunter Studierende, Kinder, Schwangere oder Arbeitslose, werden die Beitragssätze durch den Staat übernommen. Außerdem gibt es Steuerzuschüsse für das Gesundheitswesen. 

Anzahl der Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohnern

Tschechien verfügt über rund 6,4 Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner, damit also weniger als Deutschland (7,8). Im EU-Vergleich (4,2 Betten pro 1.000 Einwohner) liegt Tschechien damit im oberen Bereich. 

Die Gesundheitsversorgung im Detail

Zahnvorsorge

Die zahnmedizinische Versorgung ist in Tschechien grundsätzlich Teil der gesetzlichen Krankenversicherung. Basisleistungen wie Vorsorgeuntersuchungen, einfache Behandlungen, Zahnextraktionen sowie bestimmte Prothesenleistungen werden von den Krankenkassen übernommen. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen dienen der Prävention und sind für Versicherte in der Regel kostenfrei. Für hochwertigere Materialien, moderne Füllungen oder umfangreichen Zahnersatz müssen Patienten jedoch häufig selbst aufkommen. Private Zuzahlungen sind daher im Bereich der Zahnmedizin weit verbreitet. In den letzten Jahren wurden Reformen eingeführt, um die Kostenübernahme zu erweitern, etwa durch die stärkere Erstattung moderner Füllungen. Insgesamt bietet Tschechien eine solide zahnmedizinische Grundversorgung, während für qualitativ höhere Leistungen Eigenanteile anfallen.

Schwangerschaftsvorsorge

Schwangere haben in Tschechien Anspruch auf umfassende Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Dazu gehören regelmäßige ärztliche Kontrollen, Ultraschalluntersuchungen, Laboruntersuchungen sowie Beratungen zur Gesundheit von Mutter und Kind. Die Betreuung erfolgt überwiegend durch Gynäkologinnen und Gynäkologen und wird vollständig von den Krankenkassen übernommen. Auch die Entbindung im Krankenhaus sowie die medizinische Nachsorge sind Bestandteil der Regelversorgung. Zusätzlich werden Neugeborene durch Vorsorgeuntersuchungen betreut. Insgesamt gilt die Schwangerschaftsversorgung als gut ausgebaut, wobei die Teilnahme an den Untersuchungen freiwillig ist.

Präventionsmaßnahmen

Präventionsmaßnahmen sind Bestandteil des tschechischen Gesundheitssystems und werden überwiegend durch die gesetzlichen Krankenkassen organisiert. Versicherte haben Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, darunter allgemeine Gesundheitschecks, Krebsfrüherkennungsprogramme sowie Impfungen im Rahmen nationaler Impfpläne. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Krankheiten und die Förderung eines gesunden Lebensstils.
Zusätzlich bieten Krankenkassen finanzielle Bonusprogramme oder Zuschüsse für präventive Maßnahmen wie Sportaktivitäten, Impfungen oder Gesundheitskurse an. Trotz dieser Angebote bestehen weiterhin Herausforderungen durch verbreitete Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht. Insgesamt ist die Prävention etabliert, ihr Einfluss auf die Gesundheitsindikatoren könnte jedoch durch stärkere Investitionen weiter verbessert werden.

Vergleich Deutschland - Tschechien

Das tschechische Gesundheitssystem bietet durch seine verpflichtende gesetzliche Krankenversicherung einen weitgehend flächendeckenden Zugang zur medizinischen Versorgung und eine solide Infrastruktur mit vergleichsweise vielen Krankenhauskapazitäten. Trotz geringerer Gesundheitsausgaben pro Kopf als in Deutschland gelingt es, eine grundlegende Versorgung für die Bevölkerung sicherzustellen.

Im Vergleich dazu verfügt Deutschland über höhere finanzielle Ressourcen, eine dichtere Versorgungsstruktur und umfangreichere Leistungen, insbesondere bei spezialisierten Behandlungen und moderner Ausstattung. Allerdings sind damit auch deutlich höhere Kosten verbunden. Tschechien zeigt, dass ein beitragsfinanziertes System mit moderateren Ausgaben eine funktionierende Basisversorgung gewährleisten kann, während Deutschland in Qualität, Leistungsumfang und technologischer Ausstattung insgesamt besser aufgestellt ist.

Beide Systeme stehen vor ähnlichen Herausforderungen, etwa der Alterung der Bevölkerung und der Notwendigkeit stärkerer Präventionsmaßnahmen. Während Deutschland über ein leistungsstärkeres, aber kostenintensiveres System verfügt, bietet Tschechien eine kosteneffizientere Grundversorgung mit einzelnen strukturellen Verbesserungsbedarfen.

 

 

 

 

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