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Therapien

Hyperbare Sauerstofftherapie - Frischluftkur für die Zellen

veröffentlicht am 24.11.2025 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Hyperbare Sauerstofftherapie (HBOX)Hyperbare Sauerstofftherapie (HBOX)(c) Getty Images / ViktoriiaNovokhatska
Endlich frei durchatmen. Die hyperbare Sauerstofftherapie hilft dazu Menschen mit Problemen bei der Wundheilung oder mit schwachem Knochengewebe. Hierfür versorgt die HBO-Therapie Betroffene mit einer hohen Sauerstoffkonzentration in speziellen Druckkammern. Dies soll die Durchblutung des benachteiligten Gewebes anregen. 

2025-11-24T13:52:00+01:00
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Eine hyperbare Sauerstofftherapie kommt beispielsweise bei Menschen zum Einsatz, die an der sogenannten Taucherkrankheit beziehungsweise Dekompressionskrankheit leiden. Patienten wird dabei ein hoher O₂-Gehalt mit erhöhtem Umgebungsdruck zugeführt. Dies steigert die Sauerstoffsättigung der roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff in die Gewebezellen transportieren. Die positiven Effekte lassen sich auch auf weitere Beschwerden übertragen, dazu zählen unter anderem:

    • Durchblutungsstörungen in Folge von Diabetes
    • Kohlenmonoxidvergiftung
    • Verbrennungen
    • Entzündungen und Rückgang des Binde- und Stammzellgewebes im Knochen
    • Hörsturz und Tinnitus
    • Beschwerden nach einer Strahlentherapie

Letztlich können alle Patienten von der Behandlung profitieren, die einer schnelleren Wundheilung bedürfen oder deren körpereigene Heilungskräfte bei der Zellregeneration nur eingeschränkt funktionieren.

Welche Effekte erzielt die hyperbare Sauerstofftherapie im Körper?

Indirekt fördert die HBO-Therapie sowohl die allgemeine Wundheilung als auch die Gefäßneubildung. Außerdem wirkt die Behandlung entzündungshemmend. Die verstärkte Sauerstoffzufuhr erlaubt dem Körper somit eine kleine Atempause bei der Regeneration und er gewinnt Kraft für den Heilungsprozess. Zu den direkten Effekten gehört, dass zunächst der Stickstoff aus dem Blut gewaschen wird, wodurch der Gehalt an Kohlenmonoxid sinkt. Giftstoffe werden allmählich aus dem Blut bzw. den Eiweißen und Enzymen gedrängt.

Gleichzeitig nimmt die Sauerstofflöslichkeit im Blut zu. Dies verbessert die Durchblutung und damit die Versorgung der Zellen mit ausreichend Sauerstoff. Laut dem Institut für HBO-Therapie des Universitätsklinikums Düsseldorf vervierfacht sich sogar die Sauerstoffdiffusionsstrecke. Damit vergrößert sich die Reichweite der Sauerstoffversorgung für weiter entfernte, beschädigte Zellen.

Ein weiterer direkter Effekt betrifft die Ödembildung. Durch die Behandlung in der Druckkammer bilden sich weniger Wasseransammlungen im Gewebe und Schwellungen können zurückgehen. Auch Blockaden innerhalb der Blutgefäße durch angestaute Gase lassen sich durch das Verfahren auflösen oder zuvorkommen.  
Zwar kann eine sehr hohe Sauerstoffaufnahme einige Körperzellen schädigen, doch lässt sich selbst dieser Nebeneffekt strategisch anwenden. Beispielsweise kann eine kontrollierte Schädigung erkrankter Zellen die Wirksamkeit von Strahlentherapien unterstützen. 

Was passiert bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie?

Vor dem Verfahren prüfen Spezialisten zuallererst die Drucktauglichkeit und die Lungenfunktion der Patienten. Ebenfalls untersuchen sie, wie gut die Ohren der Betroffenen höheren Druck ausgleichen können. Speziell entwickelte Druckkammern bilden die kontrollierte Umgebung, um nachhaltig dem Sauerstoffmangel in Zellen zu begegnen und sauerstoffbasierte Heilungsprozesse voranzutreiben. Meist bedarf es mehrerer Behandlungstage, damit Patienten erste Therapieeffekte spüren. Einerseits gibt es Sauerstoffüberdruckkammern für einzelne Personen, in denen der Patient während der Behandlung auf einer Trage liegt. Andererseits gibt es Druckkammern für bis zu 12 Personen. In der Regel nehmen bis zu sechs Personen maximal pro Sitzung in der Kammer Platz.

Zu Beginn einer Sitzung steigt der Druck in der Kammer langsam und gleichmäßig. So erhalten die Ohren der Teilnehmer genügend Zeit, den Druck auszugleichen. Patienten können während dieser Phase beispielsweise Kaugummi kauen, um den Druckausgleich zu unterstützen. Nachdem der nötige Druck in der Kammer hergestellt wurde, setzen die Patienten die Sauerstoffmaske auf. Über diese Maske atmen sie die erhöhte Sauerstoffkonzentration ein. Gegen Ende der Sitzung fährt der Druck langsam wieder herunter, bis er nach einigen Minuten das gewohnte Drucklevel erreicht hat. Den gesamten Prozess begleitet spezialisiertes Personal. Jederzeit können die Patienten mit ihnen in Kontakt treten während einer Sitzung. So können sie, sollten Schwierigkeiten oder Komplikationen auftreten, sofort Unterstützung erhalten.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Abhängig vom Krankheitsbild und der fortschreitenden Genesung kann eine Behandlung zwischen 10 und 30 Einzelsitzungen umfassen. Die Dauer einer Sitzung rangiert meist zwischen 45 und 120 Minuten. Mitunter setzen Ärzte auch Sitzungen mit bis zu 300 Minuten an. Diese Zeiteinheiten können auch über mehrere Sitzungen am Tag absolviert werden. Während einer Sitzung werden Luftunterbrechungen von 5 bis 10 Minuten eingebaut, um der Gefahr einer Sauerstoffvergiftung vorzubeugen. Der Behandlungsplan wird dabei an Patienten und deren Heilungsprozesse angepasst. Je früher eine Behandlung bei auftretenden Symptomen erfolgt, desto effektiver wirkt die HBO-Therapie. 

Wann ist eine HBO-Behandlung ungeeignet?

Trotz des großen Anwendungsfeldes der hyperbaren Sauerstofftherapie gibt es Beschwerden, welche durch die Behandlung vergrößert werden oder die Wirkung der Behandlung behindern. Häufig verhindern obstruktive Störungen eine HBO-Therapie. Diese Störungen erschweren Patienten das Ein- und Ausatmen. Daneben gibt es noch weitere Kontraindikationen, die Risiken bergen, wie zum Beispiel:

Kontraindikationen für Einsatz von HBO
  •     Atemwegsinfektionen im oberen Körperbereich
  •     Infektionen der Nasennebenhöhlen
  •     Herzerkrankungen bzw. Herzschwäche
  •     Nach invasiven Eingriffen bzw. bei Verletzungen im Ohrbereich
  •     Nach Operationen im Brustkorb
  •     Während einer Schwangerschaft

Eine Druckkammer kann zudem durch den begrenzten Platz und die für viele Patienten ungewohnte Umgebung oft beengend wirken. Daher kann für Menschen, die an Klaustrophobie leiden, eine HBO-Therapie ebenfalls ungeeignet sein. 

Welche Kritikpunkte bestehen gegenüber der HBO-Therapie?

Die hauptsächliche Kritik an der hyperbaren Sauerstofftherapie betrifft die Evaluation ihrer Wirksamkeit. Oft zeigt die hyperbare Sauerstofftherapie keine Vorteile gegenüber anderen Behandlungsformen zur Verbesserung der Atmung und Wundheilung. Studien zur HBO-Therapie bei Hörsturz und beim diabetischen Fußsyndrom fanden nur einen eingeschränkten Nutzen. Zudem gelten einige dieser Studien als kaum repräsentativ aufgrund der geringen Zahl an Teilnehmenden.
Überdies zeigt sich die allgemeine Studienlage als sehr dünn. Laut des IGeL-Monitors des deutschen Internetportals zur Bewertung des Nutzens von individuellen Gesundheitsleistungen konnte in einer Studie zur Behandlung von Long-Covid-Patienten kein signifikanter Vorteil der HBO-Therapie ermittelt werden. 

Kostenübernahme durch Krankenkasse

Gesetzliche Krankenkassen führen die hyperbare Sauerstofftherapie bisher nicht in ihrem Leistungskatalog und erstatten somit keine Kosten für eine HBO-Behandlung. Patienten müssen die Kosten daher selbst tragen. Prof. Dr. med. Uwe Maus, kommissarischer Klinikdirektor innerhalb der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sieht Gründe für diesen Zustand einerseits in der eingeschränkten Studienlage. Zudem sei die Verfügbarkeit der Behandlungsmethode sehr begrenzt. Andererseits begrenze der sowohl personelle als auch technische Aufwand des Verfahrens eine Entwicklung hin zur Erstattungsfähigkeit.

 

 

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