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Klinische Sprechwissenschaft als Alternative zu Logopädie

veröffentlicht am 16.10.2023 von Redaktion krankenkasseninfo.de

klinische Sprechwissenschaft oder Logopädie klinische Sprechwissenschaft oder Logopädie(c) Canva.com
Wer unter beruflich oder privat an Sprechstörungen oder Stimmproblemen leidet, kann alternativ zu Logopädie auch therapeutische Hilfe durch klinische Sprechwissenschaft in Anspruch nehmen. Was unterscheidet diese Sprachtherapie und zahlen die Krankenkassen?

2023-10-16T15:56:00+00:00
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Unterschiede zwischen Klinischen Sprechwissenschaftlern und Logopäden sind in der Praxis kaum wahrnehmbar. Beide behandeln Sprechstörungen, Sprachstörungen, Stimmstörungen und Schluckstörungen. Logopäden sind in der Regel für die gesetzlichen Krankenkassen zugelassen. Aber auch Absolventen der klinischen Sprachwissenschaft können eine Kassenzulassung erhalten.

Zu den therapeutischen Aufgaben von Sprechwissenschaftlern gehören so genannte funktionstherapeutische Behandlungen von Stimm- und Sprechstörungen. Ob nun ein Sprechwissenschaftler oder ein Logopäde besser geeignet ist, kommt auf die Art der Beschwerde an. Erstere spezialisieren sich zumeist auf bestimmte Beschwerdearten und sind dann kompetente Ansprechpartner auf ihrem jeweiligen Gebiet, während Logopäden in der Regel breiter gefächert tätig sind. Klinische Sprechwissenschaftler sind in folgenden Einrichtungen tätig:

  • Kliniken
  • Rehaeinrichtungen
  • Pädagogische Institute
  • in eigener Praxis

Wann Klinische Sprechwissenschaft?

Klinische Sprechwissenschaftler spezialisieren sich auf ein bestimmtes Störungsbild. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der gezielten Behandlung von krankhaften Kommunikationsdefiziten wie zum Beispiel Redeflussstörungen, Aphasien oder Lautfehlbildungen, wie sie etwa von den Auftritten der deutschen Außenministerin bekannt wurden. Zu ihren Aufgaben gehören Anamnese, Diagnostik, Therapieplanung und Therapieverlauf. Außerdem dokumentieren sie die jeweilige Therapie und kümmern sich um die Nachsorge. Dabei arbeiten sie nicht allein, sondern interdisziplinär mit anderen Berufsgruppen wie Physiotherapeuten und Pädagogen zusammen.

Zu den besonderen Spezialisierungen gehören Hörtrainings oder Hörtherapie mit Cochlea-Implantaten. Sie beschäftigen sich aber unter anderem auch mit der Feminisierung der Stimme bei Transsexualität. Das bedeutet, dass sich male-to-female Transsexuelle neben einem phonochirurgischen Eingriff auch für eine konservative Stimmtherapie entscheiden können. Der Hintergrund: Die Stimme ist eines der Hauptkriterien, um in der Gesellschaft als Frau wahrgenommen zu werden (Passing). Gelingt das Passing, wird die transsexuelle Frau nicht mehr als transsexuell wahrgenommen. Um dies zu ermöglichen, ist eine intensive Stimmarbeit notwendig. Im Rahmen dieser Therapie werden die Klienten auch ausführlich in die Anatomie und Physiologie der Stimme eingeführt. Sie lernen auch die wichtigen geschlechtsspezifischen Unterschiede der Stimme kennen und werden in nonverbalen Mustern und Sprache geschult. Die LaKru-Stimmtransition konzentriert sich hauptsächlich auf die stimmliche Arbeit, vernachlässigt aber nicht die nonverbalen und sprachlichen Aspekte, da auch diese in das Gesamtbild mit einfließen.

Kinder und Jugendliche

Ein weiteres Thema ist die Stimme von Kindern und Jugendlichen. Laut internationaler Literatur sind etwa sechs bis 24 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von einer Stimmstörung betroffen. Heiserkeit ist dabei ein Leitsymptom, das oft gar nicht als Störung wahrgenommen wird. Kinder klagen jedoch bereits ab dem vierten Lebensjahr über Veränderungen des Stimmklangs, Einschränkungen der stimmlichen Leistungsfähigkeit und körperliche Missempfindungen im Hals- und Kopfbereich. Häufig spielen dabei sozial-emotionale Kompetenzen eine Rolle. Aber auch organische und funktionelle Störungen können die Ursache sein. Auch in diesem Punkt können klinische Sprechwissenschaftler helfen, die sprachlichen Defizite nicht nur zu erkennen, sondern auch ursächlich zu behandeln.

Kompetenzbereiche von Klinischen Sprechwissenschaftlern

Die Aufgabenbereiche von Klinischen Sprechwissenschaftlern die an stationären Einrichungen beschäftigt sind,können wie folgt aussehen:

  • Entwicklung und Bereitstellung von präventiven Maßnahmen. Dazu zählen auch die Früherfassung und -förderung.
  • Anwendung von diagnostischen Verfahren und Durchführung von altersunabhängigen therapeutischen Maßnahmen.
  • Beratung und Anleitung von Klienten inklusive des kommunikativen Umfelds.
  • Koordination von klientenorientierten Therapie- und Beratungsmaßnahmen (beispielsweise im Rahmen von "case-management"-Teams).
  • Unterstützung bei Selbsthilfeaktivitäten
  • Einbringen der fachspezifischen Expertise im multidisziplinären Team
  • Begleitung und Unterstützung von Inklusion und Teilhabe (Partizipation)
  • Klinische Sprechwissenschaftler können darüber hinaus in den Kompetenzbereichen Entwicklung und Forschung, Organisation und Management sowie in der Weiterentwicklung der eigenen Profession tätig sein.

Weiterführende Artikel:
  • Behandlung von Sprachstörungen mit Logopädie
    Phonetische Sprachstörungen oder auch Schluckbeschwerden treten bei vielen Kindern in bestimmten Lebensabschnitten auf. Dauern sie an, sollte eine Logopädie-Praxis aufgesucht werden. Hierbei gilt: je eher mit einer Therapie begonnen wird, um so besser.
  • Physiotherapie und Logopädie bald auch regulär digital
    Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran. Unabhängig von Pandemir-Sonderregelungen können Physiotherapeuten, Logopäden, Sprech- oder Ernährungstherapeuten ihre Behandlungen bald auch regulär telemedizinisch durchführen. Dazu hat der G-BA die Heilmittelrichtlinie geändert.
  • Krankenkassen übernehmen Logopädie-App
    Auch die Logopädie wird zunehend digital. Nachdem Anfang Februar die erste  App im Bereich der Sprachheilkunde als erstattungsfähige Anwendung zugelassen wurde,  können nun bestimmte Patientengruppen damit selbstständig üben und bekommen die Kosten von der Krankenkasse erstattet.
  • Logopädie gestern und heute
    Schlaganfallpatienten, Kinder mit Sprach- und Schluckstörungen, stimmbelastetete Schauspieler oder Menschen mit Störungen der auditiven Wahrnehmung – sie alle profitieren durch die therapetische Arbeit bei Logopäden.

 

 

 

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