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Leben & Psyche

Midlife-Crisis: Wettlauf gegen die Zeit?

veröffentlicht am 26.11.2022 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Midlife-Crisis betrifft häufig Männer, aber nicht nur Midlife-Crisis betrifft häufig Männer, aber nicht nur(c) getty Images / stevanovicigor
Das bekannte Klischee ist eine reale Angst vieler Frauen: Der eigene Partner ist plötzlich unzufrieden mit seinem Leben und sucht drastische Veränderungen: Beruflich und persönlich, und oft in ganzer Bandbreite von spirituell bis sexuell. Wenn die „Midlife-Crisis“ an die Tür klopft, gehen nicht nur Ehen oder Familien zu Bruch. Auch langjährige Freundschaften, Projekte oder Unternehmen werden in Frage gestellt. Was macht eine solche Existenz- und Sinnkrise aus und betrifft sie wirklich nur Männer?

2022-11-26T12:41:00+01:00
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Unter einer Midlife-Crisis ( englisch für Krise im mittleren Alter ) versteht man eine existenzielle Krise, die im mittleren Lebensalter auftritt. Sie beginnt also ab den Mittdreißigern und endet in etwa ab dem 55. Lebensjahr. Geprägt wurde dieser heute populäre Begriff im Jahr 1965 durch den Psychoanalytiker Elliott Jaques. Er untersuchte das Leben von kreativen Persönlichkeiten und stellte fest, dass viele seiner Klienten sich ab ihrer Lebensmitte der eigenen Endlichkeit bewusst wurden. Außer dem fand er heraus, dass diese Menschen einen deutliche Veränderungen verspürten, der wiederum ihre Produktivität beeinflussten. Menschen, die in einer Midlife-Crisis stecken, sind also unzufrieden, überdenken sich und stellen in Frage, ob sie den Rest ihrer verbliebenen Lebenszeit wirklich so verbringen wollen wie bisher. Aber sind wirklich nur Männer von einer Midlife-Crisis betroffen?

Wenn Selbstbilder schwanken

Auch Frauen sind von Krisen in der Mitte des Lebens betroffen Auch Frauen sind von Krisen in der Mitte des Lebens betroffen(c) getty Images / triocean
Klare Antwort: Nein. Beide Geschlechter können gleichermaßen an den Symptomen einer solchen Krise leiden. Aber schon Jaques stellte fest, dass Männer tatsächlich häufiger betroffen sind. Familienväter und Mütter können sich gleichermaßen in einem ungeliebten Job gefangen fühlen bei dem gleichzeitigen Druck, die Familie damit ernähren zu müssen. Männer definieren sich vielleicht darüber, dass sie viel Geld verdienen oder sexuelle Leistungen erbringen müssen, was ihnen irgendwann nicht mehr gelingt. Weiterhin sind Menschen mit psychischen Problemen generell auch anfälliger für eine Midlife-Crisis. Auch wenn sich die Gesellschaft mittlerweile wandelt, sprechen Männer immer noch weniger offen über ihr Innenleben. So kann es sein, dass sie zu drastischen Mitteln greifen, um einen Ausweg zu finden. Der Versuch eines "Befreiungsschlags" führt dann häufig zu Umbrüchen im Lebensumfeld.

Aber auch Frauen können eines Tages beispielsweise feststellen, dass die einstige Unbeschwertheit dahin oder der lang gepflegte jugendliche Lebensstil nicht mehr angemessen ist. Selbstzweifel machen sich breit – vor allem in einer Gesellschaft, die auf Optik,  Prestige großen Wert legt. Auch Umbrüche im privaten Umfeld können Auslöser für die eigene Krise sein. Etwa wenn befreundete gleichaltrige Paare noch einmal Nachwuchs erwarten, wenn die eigenen Eltern sterben oder im Spiegel die ersten wirklich deutlichen Zeichen des Alterns nicht länger zu leugnen sind.

 Häufig auftretende Anzeichen der Krise

- Beenden einer langjährigen Beziehung
- Neue(r), eventuell deutlich jüngere(r) bzw. kinderlose(r) Partner(in)
- eigene Kündigung des (langjährigen) Arbeitsplatzes
- Erhöhte Risikoberichtschaft oder Abenteuerlust
- Neuer Lebensstil, inklusive neuer materieller Errungenschaften und Hobbys
- Rebellion gegen Vorschriften und Zwänge
- Gereiztheit, Wut, Trauer, Zukunftsängste, Selbstzweifel, Unsicherheit oder innere Leere kehren oftmals mit diesen Verhaltensweisen einher.

 

Die Lebensuhr tickt..

Aus rein biologischer Sicht könnte der Einbruch in der Lebensmitte durch die Menopause bei der Frau und durch die Andropause beim Mann erklärt werden. Frauen kommen in etwa ab dem 50. Lebensjahr in die so genannten Wechseljahre. Gleichermaßen sinkt der Östrogenspiegel und die fruchtbare Phase endet.

Auslöser für produktive Krisen: Lebenszeit-Schema nach Kagge Auslöser für produktive Krisen: Lebenszeit-Schema nach Kagge(c) Krankenkasseninfo.de
Männer hingegen produzieren bereits ab dem 40. Lebensjahr weniger Testosteron und verlieren an Potenz. Häufig tritt die Midlife-Crisis biologisch bedingt bei Frauen später als bei Männern auf, wobei existenzielle Fragen bereits früher aufkeimen können. Bei beiden Geschlechtern treten ab ihrer Lebensmitte Alterserscheinungen wie Falten oder gesundheitliche Probleme auf. Laut dem Ökonomie-Professor David Blanchflower, der mit dem Dartmourth-College eine Umfrage in 132 Ländern durchgeführt hat, befindet wir uns mit Ende 40 in der Tiefphase unseres Lebens.

Typische Symptome einer Midlife-Crisis

 

  • Selbstzweifel und das Gefühl, den eigenen Erwartungen nicht zu entsprechen
  • Innere Unzufriedenheit, Vergleich mit anderen
  • Angst vor der beruflichen und privaten Zukunft
  • Ohnmachtsempfindungen und das Gefühl, auf der Stelle zu laufen
  • Pessimismus dahingehend, dass man körperlich, geistig oder beruflich abbaut

 

Die Krise überwinden

Eine Lebenskrise zu bewältigen erfordert Zeit und Achtsamkeit. Ein erster Schritt ist es, sich mit anderen Menschen über die eigene Gefühlslage auszutauschen. Gemeinsam kann man nach sinnvollen Lösungswegen suchen, bevor die Situation eskaliert. Wenn die eigene Partnerschaft, die Familie oder der Freundeskreis dafür nicht geeignet erscheint, kann Kontakt zu einer Männergruppe oder einer Frauengruppe gesucht werden. Eine Sinnkrise ist nicht gleichzusetzen mit einer psychischen Krankheit, kann aber sehr wohl enorme psychische und körperliche Belastungen mit sich bringen. Allein schon durch Begleiterscheinungen wie Krankheit und Depression kann sich der Krisenprozess zu einer ganz eigenen Lebensphase entwickeln. Und genau hier liegen letztendlich Potenziale für einen tiefgreifenden Wandel und positive Veränderungen.

Professionelle Hilfe in der Midlife-Crisis Professionelle Hilfe in der Midlife-Crisis(c) getty Images /PeopleImages
Menschen in der Midlife-Crisis fühlen sich oftmals perspektivlos. Das könnte ein Anreiz sein, neue Ziele festzusetzen. Professionelle Hilfe dabei bietet ein Coaching oder eine Psychotherapie. In akuten oder existenziellen Krisensituationen kann ein Anruf bei der Telefonseelsorge oder einer anderen Krisenhotline für Erleichterung sorgen und helfen, Mut für den nächsten Tag zu schöpfen. Im Schutz einer therapeutischen Begleitung können dann die sensiblen Krisenthemen wie zum Beispiel Selbstakzeptanz eine starke Rolle einnehmen. Praktiken wie Yoga, Meditation oder Autogenes Training sind nicht nur gesundheitsfördernd, sondern helfen dabei, die nötige Achtsamkeit auf die eigenen körperlichen und seelischen Prozesse zu lenken und diese bewusster wahrzunehmen. Letztendlich geht es darum, das unvermeidliche Älterwerden zu akzeptieren, falsche oder unbrauchbar gewordene Muster und Rollenbilder loszulassen. Die scheinbar banale Einsicht, dass der neue Lebensabschnitt jede Menge unentdeckte Möglichkeiten eröffnet, ist bereits ein essenzieller Teil der Lösung.

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