Anschluss-Reha nach Rücken-OP: So war's bei mir
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An welcher Art von Reha-Maßnahme haben Sie teilgenommen?
Ich habe an einer ambulanten, medizinischen Anschlussrehabilitation, auch Anschlussheilbehandlung genannt, teilgenommen und nehme aktuell noch an der so genannten IRENA - das steht für "intensivierte Rehabilitationsnachsorge" - teil.
Wie lange dauerte bzw. dauert die Reha und wer hat sie verordnet?
Die Reha-Maßnahme an sich, also ohne die anschließende Nachsorge-Behandlung, dauerte 20 Werktage und wurde von den behandelnden Ärzten beziehungsweise Ärztinnen im Krankenhaus verordnet.
Wie gut war das Angebot an geeigneten und erreichbaren Reha-Plätzen vor Ort bzw. in der Region?
Das Angebot in der Region war zufriedenstellend, da ich ohne eine allzu lange Wartezeit einen Platz in einer Einrichtung bekommen habe, die meinen Bedürfnissen entsprach: ambulante Reha, zentrale Lage und gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Gab es eine Wartezeit auf einen Rehaplatz – wenn ja, wie lange?
Ja, circa vier Wochen. Ich weiß allerdings nicht ob das nur organisatorische Gründe hat, da es medizinisch laut meinem Orthopäden auch oft förderlich ist, zwischen OP und Reha einige Wochen zeitlichen Abstand zu belassen, da der Körper sich vor der sportlich intensiven Reha erst erholen sollte und die OP-Wunde verheilen muss, bevor man beispielsweise Wassergymnastik machen kann. Man könnte natürlich auch weniger Sport anordnen, aber gerade bei Rückenbeschwerden ist es sehr förderlich, viel Muskulatur aufzubauen.
Was wurde konkret gemacht – wie sah ein typischer Tagesplan während der Reha aus?
Die Angebote unterschieden sich von Tag zu Tag sehr stark. Das einzige Angebot, das jeden Tag für eineinhalb Stunden anstand, war die medizinische Trainingstherapie, die auch Sporttherapie genannt wird. An einem typischen Tag gab es außerdem sowohl therapeutische Einheiten im weitesten Sinne als auch Angebote zur Information, Motivation, Entspannung und/oder Beratung der Patienten und Patientinnen. Zu den therapeutischen Einheiten gehörten Krankengymnastik, manuelle Therapie, Massagen (mal durch eine Person und mal durch eine Art automatische Massageliege, auch „Medy-Jet“ genannt), Sportübungen in der Gruppe (mal an Land und mal im Wasser) und auch Ergotherapie, an der ich aber nicht teilgenommen habe, da es bei mir dafür keine Indikation gab.
Zu informierenden, beratenden und motivierenden Angeboten würde ich die Rückenschule, die Ernährungsberatung, die Sozialberatung, die psychologische Beratung, die Seminare zu Themen wie Schlaf, Schmerz und Schmerzwahrnehmung, gesunder Ernährung, Kultur, den organisatorischen und rechtlichen Aspekten von Reha sowie zu Entspannung zählen. Auch Lehrkochen wurde angeboten, allerdings stand es nicht mit auf meinem Plan, wodurch ich nichts dazu sagen kann. Auch gab es geführte Entspannungsübungen und an vielen Tagen längere Pausen zwischen den Einheiten, die man beispielsweise im Park der Klinik, im Ruhe- und Leseraum, in der Cafeteria und zu den individuell vorgegebenen Mittagspausenzeiten im Speiseraum verbringen konnte.
Waren es Gruppentherapeutische Angebote oder auch Einzelbehandlungen?
Es gab so gut wie jeden Tag beides, allerdings insgesamt etwas mehr gruppentherapeutische Angebote als Einzelbehandlungen. Während Arztgespräche, manuelle Therapie, Krankengymnastik, Massagen, Behandlungen mit Wärme, Kälte und Strom sowie Beratungsgespräche als Einzelbehandlungen stattfanden, waren Seminare, Entspannungsübungen und verschiedene Arten von „Bewegungstherapie“ im weitesten Sinne (Rückenschule, funktionelle Übungen, Körperwahrnehmungsübungen, Wassergymnastik, Neuroathletik) als gruppentherapeutische Angebote konzipiert.
Die Sporttherapie ist schwer einzuordnen, weil die Übungen dort einerseits auf die individuellen Beschwerden zugeschnitten sind und einem auch bei der Einweisung in einem 1:1-“Betreuungsschlüssel“ von einem Sporttherapeuten oder auch einer Sporttherapeutin erklärt werden, man aber andererseits ab dem zweiten Termin selbstständig dem eigenen Trainingsplan folgt und sich nur im Fall von Fragen oder Trainingsplanänderungen wieder an das Fachpersonal wendet und außerdem mit vielen anderen Patienten/Patientinnen im selben klinikinternen Fitnessstudio trainiert.
Hatten Sie Kontakt zu Reha-Ärzten während der Maßnahme oder ausschließlich zu Therapeuten?
Ich hatte auch Kontakt zu Reha-Ärzten und -ärztinnen, allerdings viel seltener als zu Therapeut*innen. Am ersten Tag der Reha gab es ein Aufnahmegespräch mit einer Orthopädin/Unfallchirurgin, mit der ich nach circa der Hälfte der Reha-Maßnahme sowie am letzten jeweils einen weiteren Untersuchungstermin hatte. Es bestand darüber hinaus auch immer die Möglichkeit, einen zusätzlichen Arzttermin zu vereinbaren, z.B. um Fragen zu stellen. Innerhalb der ersten Woche der Reha-Maßnahme gab es außerdem einen verpflichtenden Vortrag des Chefarztes über Rückenbeschwerden, in dem über verschiedene Erkrankungen der Wirbelsäule und deren mögliche Ursachen aufgeklärt wurde. Zu Beginn der Reha-Nachsorge hatte ich auch noch mal ein kurzes Aufnahmegespräch mit einem Arzt.
Ist Reha eigentlich ein „Vollzeit-Job“ für Patienten oder konnten Sie während der Maßnahme auch studieren?
Ich würde es nicht mit einem Vollzeit-Job vergleichen wollen, da natürlich auch viele entspannende Bestandteile mit dabei sind. In zeitlicher Hinsicht kommt es aus meiner Sicht allerdings schon relativ nah an einen Vollzeit-Job, da die Behandlung an den meisten Tagen früh am Morgen begann und erst nachmittags beendet war. Davon abgesehen wurden uns in den Kursen teilweise auch „Hausaufgaben“ im Sinne von Übungen für zu Hause aufgegeben.
Weil so gut wie alle meine Uni-Veranstaltungen zeitlich mit den Reha-Terminen zusammenfielen konnte ich natürlich schon mal nicht in Präsenz studieren. Dennoch konnte ich die Pausen zwischen den Einheiten und meine Zeit außerhalb der Reha natürlich nutzen, um mich mit den Studieninhalten selbstständig auseinanderzusetzen, wobei ich allerdings nicht alle meine eigentlichen Aufgaben rechtzeitig erledigen konnte und oft nicht genug Schlaf bekam. Es war in
einem gewissen Rahmen also schon möglich, nebenher zu studieren, aber ich würde generell nicht empfehlen, neben der Reha-Maßnahme noch einer anderen Beschäftigung nachzugehen, gerade auch weil genügend Schlaf und ein nicht zu hoher Stresspegel wichtig für die körperliche Regeneration sind, also für den eigentlichen Zweck der Reha.
Von welcher Versicherung wurde die Reha-Maßnahme bei Ihnen finanziert?
Bei mir wurde die Reha komplett von der Rentenversicherung übernommen, weil ich keine Rentnerin bin. Umgekehrt wäre sie von der Krankenkasse übernommen worden, wenn ich schon Rente beziehen würde. Soweit ich weiß, liegt das daran, dass die Rentenversicherung ein Interesse daran hat, dass ich möglichst schnell wieder arbeitsfähig bin und bleibe, sodass ich noch viele Jahre Beiträge zahle. Bei jemandem, der schon Rente bekommt, würde dieser Faktor jedoch wegfallen,
sodass dort festgelegt ist, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt.
Wie ging es nach der Reha für Sie weiter in der gesundheitlichen Betreuung und Behandlung ?
Nach der Reha ging es für mich zum einen wie gesagt mit der Reha-Nachsorge (IRENA) weiter. Diese ist freiwillig und besteht darin, (in meinem Fall zweimal pro Woche) zu für mich passenden Zeiten für jeweils eineinhalb Stunden in erster Linie Sport zu machen, wobei sich ein solcher Termin wiederum in eine Stunde Sporttherapie (MTT) und eine halbe Stunde irgendeiner „Bewegungsgruppe“ (funktionelle Gruppe, Rückenschule, Körperwahrnehmung, Wassergymnastik
etc.) unterteilt ist.
Des weiteren hatte ich im Anschluss an die Reha jeweils einen Termin bei meinem Orthopäden und einen bei meiner Neurologin, um mit beiden zu besprechen, wie es mit der Einnahme von Schmerzmedikamenten weitergeht. Vom Orthopäden ließ ich mir dann noch Krankengymnastik verschreiben, um weiterhin auch im 1:1-Setting eine physiotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen zu können, da ich nach der Reha immer noch nicht komplett beschwerdefrei war.
