Arzttermine über Doctolib - nutzfreundlich oder nutzerfeindlich?
Vom Start-Up zum Marktführer
Was als französisches Start-up begann, ist mittlerweile in vielen Ländern vertreten und mit einem Marktanteil von 60 Prozent Marktführer im Bereich der Online-Terminbuchung für Arztbesuche. Doctolib wurde im Jahr 2013 in Frankreich gegründet. Bereits drei Jahre später verfügte das Unternehmen über unzählige Standorte und 230 Beschäftigte in ganz Frankreich. Im selben Jahr expandierte das Unternehmen nach Deutschland. Nochmal drei Jahre später wurde der Marktwert von Doctolib bereits auf über eine Milliarde Euro bemessen. Laut der Unternehmenswebsite sind derzeit rund 25 Millionen Menschen registriert und über 110.000 Ärzte, Therapeuten und andere Gesundheitsfachkräfte angemeldet. Doctolib übernimmt dabei zwei Rollen: Einerseits fungiert das Unternehmen als Terminmanager für Arztpraxen und andere Gesundheitseinrichtungen, andererseits steht es Patienten als kostenfreier Dienstleister zur Verfügung. Diese können sich die App bequem auf ihr Handy herunterladen. Um Termine auswählen zu können, müssen sie sich allerdings zunächst registrieren. Unabhängig davon, ob die Patienten mit den Arztpraxen in Kontakt treten, erhält das Unternehmen also die Daten seiner Kunden. Nach der Anmeldung können Nutzer nach Ärzten und Co. suchen und dabei ihren Versicherungsstatus und den Grund des Arztbesuchs angeben.
Doctolib, die Datenkrake?
Immer mehr Arztpraxen und Krankenhäuser setzen auf Doctolib. In einigen Fällen wird es so beispielsweise als Terminsoftware genutzt. Dadurch erhält das französische Unternehmen auch dann Zugriff auf Patientendaten, wenn diese nicht direkt über das Portal erfasst wurden. In den vergangenen Jahren stand das Unternehmen deshalb bereits in der Kritik, als es beispielsweise Informationen zur Arztsuche an Facebook übermittelte. Aus Sicht von Datenschutzexperten wird damit das Patientengeheimnis verletzt.
Im Februar 2025 hat Doctolib seine Datenschutzbestimmungen zudem angepasst. Seitdem werden Patientendaten für das Training von KI-Systemen genutzt. Diese Gesundheitsinformationen sind besonders sensibel. Nutzer können unter „Meine Präferenzen” die Einstellungen zu „Serviceverbesserungen” überprüfen und der Nutzung von Gesundheitsdaten für das Training von KI-Systemen widersprechen.
Verbraucherzentrale weist auf Mängel hin
Laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale aus dem Frühjahr 2025 weist Doctolib erhebliche Probleme auf. Diese beginnen bereits bei der Terminbuchung. Grund hierfür ist die fehlende Such- und Filteroption, mit der Patienten nach bestimmten Terminarten innerhalb einer Facharztgruppe suchen können. In einem Fünftel der Fälle wurden gar keine Termine angezeigt. Darüber hinaus war der Buchungsprozess komplex, da den Nutzern häufig Praxen angezeigt wurden, in denen gar keine Termine verfügbar waren. Oft passten auch die angebotenen Termine nicht zum Besuchswunsch. So wurde den Nutzern beispielsweise nur Vorsorgeuntersuchungen angeboten, sie aber eine Reiseschutzimpfung benötigten. Ein weiteres Problem bestand darin, dass ihnen trotz vorheriger Herausfilterung Privat- oder Selbstzahlersprechstunden angezeigt wurden, obwohl sie diese zuvor herausgefiltert hatten. Die Verbraucherzentrale Bundesverband bemängelt zudem ebenfalls, dass für die Nutzer ohne eine Registrierung bei Doctolib gar nichts läuft.
Nützlich, aber mit Vorsicht zu genießen
Doctolib ist nützlich. Nutzer sparen sich unangenehme Telefonate und können in der App direkt sehen, wann ein Termin verfügbar ist. Sie sollten sich jedoch bewusst sein, dass ihre Daten gespeichert und für KI-Systeme genutzt werden, insofern sie nicht widersprechen. Interessierte sollten außerdem vor der Terminbuchung prüfen, ob ihr jeweiliger Versicherungsstatus oder Besuchsgrund mit den Angeboten der gewählten Praxis übereinstimmt.
Um diesen Widrigkeiten zu entgehen, können Patienten alternativ die Terminservicestellen nutzen oder die Arztpraxis direkt kontaktieren. Das kostet zwar eventuell mehr Zeit, aber Patienten können so beispielsweise direkt nachhaken, ob in der Praxis auch GKV-Versicherte erwünscht sind oder ob ein Spontanbesuch bei akuter Erkrankung möglich ist.
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Quellen: Netzpolitik.org, Verbraucherzentrale.de, SWR.de
