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Medizin

Ambulant oder stationär operieren?

Was Sie vor der Entscheidung beachten und bedenken sollten
veröffentlicht am 10.11.2017 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Ambulante OperationenAmbulante Operationen(c) fotolia.de / kamasigns
Ambulante Operationen liegen im Trend. Immer mehr Eingriffe und Operationen werden ambulant durchgeführt. Verantwortlich für diese Entwicklung ist der medizinisch-technische Fortschritt, aber auch der Wunsch vieler Menschen, lieber im eigenen Zuhause gesund zu werden. Trotzdem ist die Entscheidung stationär oder ambulant mit Überlegung zu treffen.

2017-11-10T09:03:00+01:00
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Was unterscheidet eine ambulante von einer stationären OP?

In Bezug auf Risiken gibt es kaum Unterschiede zwischen ambulanten und stationären Operationen. Da man nach einem stationären Eingriff aber zunächst einmal im Krankenhaus bleibt, steigt die Gefahr der Ansteckung mit Krankenhauskeimen. Auch was die hygienische Qualität und die Qualifikation der behandelnden Ärzte betrifft, gibt es grundsätzliche keine Unterschiede. (Ausnahmen sind natürlich immer möglich.) Soll die geplante Operation ambulant erfolgen, hat der Patient den Vorteil, den Vertragsarzt, der die OP durchführen soll, frei wählen zu können.

Welche OP kann ambulant erfolgen?

Immer mehr Eingriffe können ambulant durchgeführt werden. Dies betrifft OPs, bei denen in der Nachbetreuung kein erhöhtes Risiko besteht (z. B. minimales Risiko einer Nachblutung). Bei folgenden Beispielen ist das der Fall:

  • im Bereich Augenheilkunde die Glaukomoperation
  • im Bereich Dermatologie die Behandlung von gut- und bösartigen Hauttumoren
  • im Bereich Hals-Nasen-Ohren Nasennebenhöhlenoperationen
  • im Bereich Chirurgie Krampfaderoperationen
  • im Bereich Kinderchirurgie Leistenbruchbehandlungen
  • im Bereich Neurochirurgie minimalinvasive Bandscheibenoperationen
  • im Bereich Gynäkologie Gebärmutterausschabung
  • im Bereich Urologie Blasenspiegelung
  • im Bereich Orthopädie Knochenbruchoperationen.

Vor und nach einem ambulanten Eingriff

Hat ein Patient mit seinem Arzt eine ambulante Operation vereinbart, muss er einen Termin für den Eingriff mit dem Vertragsarzt seiner Wahl vereinbaren. Anschließend werden Voruntersuchungen durchgeführt, sofern das nicht bereits geschehen ist. Außerdem erhalten Sie von der Person, die den Eingriff vornehmen wird, Informationen über den Ablauf und die Risiken der OP und müssen eine Einverständniserklärung unterzeichnen. Zu den Voruntersuchungen müssen einige Unterlagen mitgebracht werden. Dies sind die Gesundheitskarte, ein Allergieausweis, eine Überweisung, notwendige Medikamente sowie Untersuchungsbefunde wie Laborwerte oder Röntgenbilder (sofern sie dem Patienten vorliegen).  

Es kann sein, dass Sie am Abend vor dem OP-Termin bestimmte Medikamente einnehmen müssen. Ist dem so, klärt der behandelnde Arzt Sie vorher darüber auf. Dies betrifft auch OP-Voraussetzungen wie einen nüchternen Magen vor der OP.

Nach dem ambulanten Eingriff müssen Patienten noch für eine gewisse Zeit in der Klinik oder Praxis bleiben. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben. Wenn beispielsweise mit Narkose behandelt wurde, muss diese erst einmal ausklingen. Der Patient kann die Zeit außerdem für Fragen zum Verlauf OP oder zum richtigen Verhalten zu Hause nutzen. Weiterhin erhält der Patient seine Entlassungspapiere, die zur Voruntersuchung mitgebrachten Untersuchungsbefunde sowie einen neuen Termin für die Kontrolluntersuchung.

Für eine erfolgreiche Genesung zu Hause muss eine medizinische Betreuung (z. B. Verbandswechsel durch Hausarzt) in dieser Zeit sichergestellt sein. Die Versorgung und Pflege durch eine erwachsene Vertrauensperson muss außerdem gewährleistet sein. Körperliche Anstrengungen, die den Zustand verschlechtern könnten, sollten unbedingt vermieden werden. Sofern nach dem Eingriff Komplikationen auftreten, kann eine Notrufnummer, die Patienten vom Operateur nach der OP erhalten haben, gewählt werden.

Wann sollte nicht ambulant operiert werden?

Ob ambulant operiert werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Beispielsweise muss die Betreuung durch eine Vertrauensperson zu Hause gewährleistet sein. Des Weiteren gibt es bestimmte Risiken, die eine stationäre Behandlung nötig machen. Zu solchen Risiken gehören Diabetes, Übergewicht, einige Herz- und Lungenerkrankungen sowie eingeschränkte Nierenfunktion. Denn für Personen mit diesen Krankheiten ist eine konstante medizinische Überwachung in einer Krankenhausstation nach der Operation besonders wichtig.

Entscheidung zwischen Narkose und Betäubung

Welche Form der Anästhesie gewählt wird, damit der Patient den Eingriff nicht spürt, ist wie bei stationären Operationen vom Einzelfall abhängig.
Bei der Betäubung wird nur in einem bestimmten Bereich das Schmerzempfinden ausgeschaltet. Der Patient ist somit während des Eingriffs bei vollem Bewusstsein und somit ansprechbar. Anders wird bei der Vollnarkose vorgegangen: Hier wird auf den gesamten Körper eingewirkt, indem sowohl das allgemeine Schmerzempfinden als auch das Bewusstsein ausgeschaltet wird.
Während der Arzt, der operiert, die örtliche Betäubung selbst durchführen kann, muss bei größeren Eingriffen, die eine umfangreichere Betäubung oder Narkose nötig machen, ein Anästhesist anwesend sein. Dieser führt die Betäubung bzw. Narkose durch und überwacht während der OP die Körperfunktionen sowie die Narkosetiefe des Patienten.

Ob eine Betäubung oder Vollnarkose zum Einsatz kommt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Nicht für jede OP genügt es, nur einen Bereich des Körpers zu betäuben. Dies betrifft beispielsweise Eingriffe an Bauchorganen und Blutgefäßen. Bei sehr langwierigen OPs ist die Vollnarkose unabdingbar, da der operierende Chirurg auch über einen längeren Zeitraum konzentrierter arbeiten kann, wenn der Patient schläft. Für kleinere Eingriffe, wie sie insbesondere in ambulanten Praxen durchgeführt werden, genügt häufig eine lokale Betäubung. Der Vorteil ist hierbei, dass der Patient im Vergleich zur Vollnarkose nach der OP einen geringeren Wundschmerz empfindet, Nebenwirkungen wie Benommenheit und Übelkeit wegfallen und dass der Kreislauf und das Herz weniger belastet werden.
Einige Patienten entscheiden sich für eine Vollnarkose, da das volle Miterleben einer OP für sie eine zu starke mentale Belastung wäre.

 

 

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