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Kassenleistungen

Weniger Therapiestunden, weniger Plätze: Rotstift bei der Psychotherapie?

veröffentlicht am 05.02.2026 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Kürzungen im bereich Psychotherapie?Kürzungen im bereich Psychotherapie?generiert mit GPT 5-2
Die gesetzlichen Krankenkassen wollen ihre Ausgaben im Bereich der Psychotherapie pauschal kürzen. Laut einem Sitzungsprotokoll sollen schon in diesem Jahr deutlich weniger Geld für Psychotherapie ausgegeben werden. 

2026-02-05T16:06:00+01:00
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Nach Informationen des Deutschen Ärzteblattes zufolge will der GKV-Spitzenverband eine Abwertung der Honorare für Psychotherapeuten um zehn Prozent erreichen. Bereits im März soll das durch den so genannten Bewertungsausschuss (BA) so beschlossen werden. Damit droht die psychotherapeutische Versorgung von Kassenpatienten beschnitten zu werden. Offiziell sei laut Ärzteblatt zwar nur von einer „Überprüfung“ der Vergütungen die Rede, doch interne Schreiben lassen wenig Zweifel daran, dass eine deutliche Kürzung bereits beschlossen ist. Ein entsprechendes Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen liegt bereits dem Deutschen Psychotherapeuten-Netzwerk vor. 

Der GKV-Spitzenverband hatte dies bislang weder bestätigen noch dementieren wollen. Man befinde sich in laufenden vertraulich geführten Verhandlungen und strebe eine gemeinsame Lösung inerhalb der Selbstverwaltung an, so der Spitzenverband. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen kritisierte das Vorgehen der Krankenkassen scharf und bezeichnete die Pläne als „Rasenmähermethode“, bei der weder Bedarf noch Versorgungsrealität berücksichtigt würden.

Besonders alarmierend ist die Warnung des Psychotherapeuten-Netzwerks: Sollten die Kürzungen umgesetzt werden, könnten viele Therapeutinnen und Therapeuten verstärkt Privatpatienten bevorzugen. Für gesetzlich Versicherte würden sich die ohnehin langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz weiter verlängern.
Dabei ist der steigende Bedarf unbestreitbar. In den vergangenen zehn Jahren sind die Ausgaben für psychotherapeutische Leistungen um 83 Prozent gestiegen und beliefen sich 2025 auf rund 4,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig mussten Millionen Versicherte Anfang 2026 erneut höhere Beiträge zahlen. 42 von 93 Krankenkassen erhöhten ihre Zusatzbeiträge, die nun durchschnittlich bei 3,36 Prozent liegen.

Weitere Kritiker sprechen von einem Sparbeschluss auf dem Rücken psychisch erkrankter Menschen – ein Signal, das in einer ohnehin belasteten Gesellschaft kaum verantwortungsloser sein könnte. Die Bundesregierung unter Kanzler Merz hatte zwar Reformen zur Stabilisierung der Beiträge angekündigt, doch die bisherigen Maßnahmen gelten als unzureichend.

 

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