Sucht

Mit Ultraschall gegen Tablettenabhängigkeit - Sensationeller Therapieerfolg in Haifa

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Ultraschall gegen TablettenabhängigkeitUltraschall gegen Tablettenabhängigkeit(c) Getty Images / Ildar Imashev
Ärzten am Rambam Health Care Campus im israelischen Haifa ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, einen schwer opioidabhängigen Patienten mithilfe einer nicht-invasiven Ultraschallbehandlung innerhalb von nur 20 Minuten von seinem Suchtdruck zu befreien. Der Eingriff ist Teil einer internationalen klinischen Studie und könnte neue Perspektiven für die Behandlung von Suchterkrankungen eröffnen.

2026-06-29T18:42:00+02:00

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Erst 130 Tabletten am Tag - dann kein Verlangen mehr 

Der Mann hatte nach einer Halsverletzung über Jahre hinweg Opioid-Schmerzmittel eingenommen. Trotz nachlassender Schmerzen steigerte sich sein Konsum auf bis zu 130 Tabletten täglich. Nach der Behandlung waren Drogentests eine Woche später negativ, zudem berichtete der Patient, kein Verlangen nach Opioiden mehr zu verspüren.

Bei dem Verfahren kommen fokussierte Schallwellen zum Einsatz, die unter MRT-Kontrolle gezielt den Nucleus accumbens stimulieren – eine tief im Gehirn liegende Struktur, die eine zentrale Rolle bei Belohnung, Motivation und Suchtverhalten spielt. Anders als bei neurochirurgischen Eingriffen wird dabei kein Gewebe zerstört. Stattdessen soll die Aktivität der Nervenzellen gezielt moduliert werden.

Auch Tabakkonsum ging nach Behandlung zurück

Nach Angaben der behandelnden Ärzte verringerte sich der Suchtdruck bereits während der Behandlung. Darüber hinaus beobachtete das Team einen überraschenden Nebeneffekt: Der Patient reduzierte seinen Zigarettenkonsum von drei Schachteln täglich auf wenige Zigaretten und berichtete auch über ein nachlassendes Verlangen nach Alkohol.

Der Eingriff ist Teil einer internationalen, multizentrischen Studie, an der neben israelischen auch mehrere US-amerikanische Zentren beteiligt sind. Entwickelt wurde die Technologie von dem israelischen Medizintechnikunternehmen Insightec. Untersucht wird unter anderem, ob sich die erzielten Effekte langfristig bestätigen lassen und auf weitere Formen der Sucht übertragbar sind.

Begründete Hoffnung auf wirksame Therapie  

Die Ergebnisse sind tatsächlich spektakulär, sollten jedoch trotzdem mit Vorsicht bewertet werden. Bislang handelt es sich um die Beobachtung eines einzelnen Patienten im Rahmen einer laufenden klinischen Studie. Ob die Behandlung dauerhaft wirkt und sich die Resultate auf größere Patientengruppen übertragen lassen, müssen randomisierte Studien mit längerer Nachbeobachtung erst zeigen. Sollte sich der Ansatz bestätigen, könnte die nicht-invasive Neuromodulation eine völlig neue Behandlungsoption für Menschen mit Opioidabhängigkeit darstellen. Angesichts der weltweit anhaltenden Opioidkrise wäre dies ein bedeutender Fortschritt. Bis dahin gilt das Verfahren jedoch weiterhin als experimentell und ist noch nicht Bestandteil der regulären Suchttherapie.

 

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