Hauptregion der Seite anspringen
Medikamente

Lieferengpässe – Welche Medikamente knapp werden

veröffentlicht am 17.12.2022 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Schmerzmittel und Fiebersaft sind in der Apotheke knapp Schmerzmittel und Fiebersaft sind in der Apotheke knapp(c) Dreimirk / Pixelio.de
Fiebersäfte und Schmerztabletten, Antibiotika und Blutdrucksenker – immer öfter müssen sich  Apothekenkunden, die ein Rezept einlösen möchten, mit einem „leider nicht vorrätig“ abfinden. Wer Glück hat bekommt sein verschriebenes Mittel immerhin noch in einer anderen Darreichungsform als vom Arzt festgelegt. Die Lieferengpässe betreffen mehr als 300 Medikamente.

2022-12-17T11:12:00+00:00
Werbung

Apothekenkunden gehen wegen der Lieferengpässe häufig leer aus Apothekenkunden gehen wegen der Lieferengpässe häufig leer aus(c) getty Images / Panama7
Fast schon pünktlich auf die Minute kam die jährliche Herbsterkältung und sorgte dafür, dass Ute K.(46) mit einer Angina das Bett hüten muss. Als Ehemann Martin N. (47) das von der Hausärztin verschriebene Antibiotoikum abholen möchte, geht es ihm wie vielen tausend anderen in diesen Wochen und Monaten. Der Computer hinter dem Apothekenschalter meldete, dass das Medikament momentan weder vorrätig noch lieferbar sei. Lediglich ein wirkstoffgleiches Kinderantibiotikum mit einer kleineren Wirkstoffkonzentration könne für dieses Rezept ausgehändigt werden – mit einer von Hand berechneten höheren Dosierung, welche derjenigen für Erwachsene entspricht. Immerhin. Nun nimmt Ute K. eben ein Antibiotikum welches auf die Körper von Kindern entwickelt und hergestellt wurde.    

Probleme mit mehreren Ursachen

So viel Glück haben nicht alle. Wer beispielsweise für seine Kinder derzeit eine gewöhnliche Flasche „Fiebersaft“ in der Apotheke abholen will, geht meist leer aus. Ähnliches gilt für weitere Schmerzmittel oder Tabletten gegen Bluthochdruck bis hin zu bestimmten Krebsmedikamenten. Auch in Onlineapotheken sind die fehlenden Mittel in den meisten Fällen nicht ohne Weiteres zu haben. Apothekerverbände melden, dass ausgerechnet viele Medikamente knapp sind, die oft verschrieben und häufig gekauft werden. Die Ursachen dafür sind komplex: Weil viele Hersteller ihre Produktion nach Fernost ausgelagert haben und wegen der strengen Corona-Auflagen viele Container in Häfen liegenbleiben, sinken die heimischen Lagerbestände im Apothekengroßhandel. Neben diesen logistischen Problemen gibt es aber auch Probleme bei der Verteilung der Liefermengen zwischen verschiedenen Abnehmerländern. Und im Falle des Wirkstoffs Paracetamol sorgt das Produktions-Aus eines Herstellers für Mangel beim Angebot.   

Diese Medikamente fehlen in der Apotheke:

 

  • Antibiotika
  • bestimmte Augentropfen
  • Asthmaspray
  • Blutdrucksenkende Mittel
  • Diabetes-Medikamente ( bestimmte Insuline sowie Blutzuckerspiegel - Senker)
  • Neuroleptika

 

Beratung wegen Lieferengpässen ist in der Apotheke essenziell Beratung wegen Lieferengpässen ist in der Apotheke essenziell(c) getty Images / Horsche
Schon im Sommer machten die bayerischen Kinder-und Jugendärzte auf die Engpässe bei Fieber- und Schmersaft aufmerksam. Zwar könnten Apotheken manche Arzneien wie die begehrten Ibuprofen-Säfte auch aus eigener Herstellung anbieten. Das aber können sich nicht alle Menschen leisten, weil diese dann wegen des hohen Aufwands ungleich teurer werden. Die Kapazitäten in den Apotheken werden aber bereits durch den erhöhten Zeitaufwand beim manuellen Bestellen und Nachbestellen knapper Medikamente strapaziert.

Komplettausfall gab es noch nicht

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhält Meldungen über Lieferschwierigkeiten von Pharmaunternehmen und veröffentlicht diese in einer Liste. Das Institut ist auch für die Klärung der Ursachen zuständig und ermittelte für 2022 einen höheren Bedarf an manchen Medikamenten die aktuell knapp sind. Einen kompletten Lieferausfall eines Medikamentes habe es bisher laut Institut aber noch nicht gegeben.

--> Aktuelle Liste aller von Lieferengpässen betroffenen Arzneimittel

 

Weiterführende Artikel:
  • Zu früh, zu oft: Werden Opioide von Ärzten unterschätzt?
    Starke Schmerzmittel wie Morphin, Fentanyl und Tilidin sollen nur in besonders schwerwiegenden Fällen – beispielsweise in der Krebstherapie – eingesetzt werden, da sie mit einer großen Suchtgefahr einhergehen.
  • CBD - Wundermittel oder berechtigter Hype?
    CBD ist in aller Munde. Ob als Zusatz in Nahrungsmitteln, zur Lösung von Alltagsproblemen wie Schlafstörungen und Stress oder als Medikation gegen verschiedene Krankheiten.
  • Tessa H.(23): Warum bekommt meine Freundin die Pille kostenlos?
    Tessa H. (23 Jahre) aus Bremen, fragt: Meine Freundin erzählte mir dass ihre Krankenkasse die Kosten für die Pille übernimmt. Bei meiner Krankenkasse bekomme ich die Pille aber nicht kostenlos. Liegt das an der Krankenkasse oder an meinem Alter (Meine Freundin ist 20 - ich 23).
  • Wie lange ist ein Rezept gültig?
    Rüdiger P (63 J.) fragt: Ich lebe auf dem Land und habe bis zur nächsten Apotheke entsprechende Wege zu bewältigen. Nicht immer kann ich einen Arztbesuch gleich mit einem Gang in die Apotheke verbinden.
  • AOK übernimmt Mehrkosten bei Fiebersäften für Kinder
    Die AOK hat beschlossen, bei Ibuprofen- und Paracetamol-haltigen Fiebersäften für Kinder ab sofort anfallende Mehrkosten zu übernehmen. Die Ausnahmeregelung soll zunächst für die laufende Erkältungssaison bis Ende März 2023 gelten.

 

 

Bewerten Sie uns 4,8 / 5
https://www.krankenkasseninfo.de

12943 Besucher haben in den letzten 12 Monaten eine Bewertung abgegeben.