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Gesundheit

Fluorid oder Hydroxylapatit: Was schützt vor Karies?

Was sie beim Kauf von Zahnpasta wissen sollten
veröffentlicht am 24.04.2018 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Fluoridhaltige Zahncreme als KariesschutzFluoridhaltige Zahncreme als Kariesschutzc) birgitH / pixelio.de
Wer über Zahngesundheit spricht, kommt kaum am Begriff „Fluorid“ vorbei. Fluoride sind in den meisten Zahnpasten enthalten, da sie die Zähne nachweislich vor Karies schützten. Einige Hersteller werben allerdings mit fluoridfreien Zahncremes. Doch warum?

2018-04-24T07:39:00+00:00
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Warum fast jede Zahnpasta Fluor enthält

Fluoridhaltige Zahnpasten dienen der Kariesprävention. Fluoride sind die Salze der Fluorwasserstoffsäure und haben eine besondere Wirkung auf unsere Zähne: Sie werden beim Putzen mit entsprechender Zahncreme in die Zahnstruktur aufgenommen, was zu einer Härtung der Zähne führt. Diese Härtung ist wichtig, wenn es um die Anfälligkeit für Kariesbakterien geht. Auch die Prozesse von De- und Remineralisierung, denen die Zahnoberflächen ständig unterliegen, werden durch Fluoride positiv beeinflusst. Nimmt man säurehaltige Nahrungsmittel wie zum Beispiel Oragensaft zu sich, werden die Oberflächen der Zähne angegriffen. Die Folge ist eine Entkalkung, also eine Demineralisation. Durch die regelmäßige Zugabe von Fluoriden wird dieser Prozess aufgehalten und der Zahnschmelz durch Remineralisation wieder gehärtet. Auf diese Weise schützen die Salze auch vor Karies.

Wie stärkt Fluorid die Zahnsubstanz?

Das in der Zahnpasta enthaltene Fluorid reagiert mit dem Calcium, das im Speichel enthalten ist. Es kommt zur Verbindung beider Stoffe und zur Ablagerung des neu gebildeten Calciumfluorids am Zahnschmelz. Aufgrund der sehr langsam ablaufenden Auflösung dieses Stoffs, können die darin enthaltenen Fluoridionen am Zahn wirken und die Löslichkeit des Zahnschmelzes zum Beispiel bei Säurezufuhr verringern. Außerdem fördern sie die Remineralisation von im Speichel enthaltenem Calcium und Phosphat im Schmelz.

 

Gefährliche Fluoride – was ist wirklich dran?

Obwohl die prophylaktische Wirkung gegenüber Karies von Fluoriden in Zahnpasten wissenschaftlich nachgewiesen ist, werben einige Hersteller mit fluoridfreien Produkten. Die Wirksamkeit der Salze wird hierbei nicht infrage gestellt, ihre Unbedenklichkeit allerdings schon. Die betreffenden Zahncreme-Produzenten verweisen auf Nebenwirkungen. Immer wieder gab und gibt es Meldungen, die der Substanz gefährliche Nebenwirkungen zusprechen. So heißt es beispielsweise, Fluoride förderten Nierenleiden, Diabetes oder auch Arthritis. Bisher konnten derartige Auswirkungen fluoridhaltiger Zahncremes aber nicht nachgewiesen werden.

Solche Meldungen beruhen meist auf den bekannten Auswirkungen von elementarem Fluor und Flusssäure (Fluorwasserstoffsäure) auf den menschlichen Organismus. Das chemische Element Fluor und dessen Salze ( Fluoride ) wirken in gelöster Form tatsächlich ätzend und auch toxisch. Für Menschen sind sie allerdings auch nur in sehr hohen Dosen giftig. Da sie in Zahnpasten aber nur in Spuren enthalten sind und zudem nach dem Zähneputzen wieder ausgespuckt werden, gelten sie nach aktuellem wissenschaftlichen Stand in dieser Form nicht als schädlich für den Körper.

Hydroxylapatit-Zahnpasta statt Fluorid-Zahnpasta?

Zahncremes ohne Fluorid enthalten überwiegend dieselben Inhaltsstoffe wie die herkömmlichen Pasten – nur eben kein Fluorid. Stattdessen setzen die Hersteller auf Hydroxylapatit. Dieses kommt in der Natur als Mineral vor, entsteht aber auch im Zuge von Biomineralisation im Körper aller Wirbeltiere. Dort ist es unter anderem in den Knochen und im Zahnschmelz enthalten. Diese Zahncremes beinhalten demnach die Grundsubstanz unseres Zahnschmelzes. Das synthetisch hergestellte Hydroxylapatit soll laut Herstellerversprechen in der Lage sein, angegriffene Zahnsubstanz zu reparieren.

Es ist allerdings erwiesen, dass sich Calciumphosphatsalze – und so auch Hydroxylapatit – nicht auf Zähnen ablagern oder gar in diese eindringen können. Zwar gibt es einen natürlichen Vorgang, der sich aus der Zusammensetzung des Speichels ergibt und die Aufnahme und Abgabe von Mineralien im Zahn bewirkt. Doch dieser führt nicht zur dauerhaften Neubildung von Zahnschmelz. Und so kann auch das Hydroxylapatit keine Neubildung von verlorengegangenem Schmelz bewirken. Zahncremes, die statt Fluorid Hydroxylapatit beinhalten, sind nach aktuellem Wissensstand nicht wirksam bei der Vorbeugung von Karies. Wäre der Stoff tatsächlich in dieser Hinsicht wirksam, dürfte kein Zahn jemals von Karies befallen werden, da unsere Zähne aus derselben Substanz bestehen.

Fazit

Bislang gilt Fluorid als einzige Substanz, der eine Kariesschützende Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Dass die Karieserkrankungen in Deutschland seit Jahren rückläufig sind, wird vor allem auf die Benutzung fluoridhaltiger Zahncremes zurückgeführt. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt daher die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasten zur Kariesprophylaxe. Sie stellt eine Zusammenfassung zu einigen Studien im Internet bereit.

Die Zahngesundheit hängt abgesehen von erblicher Veranlagung vor allem von der Intensität und Art der täglichen Zahnpflege ab. Die passende Zahncreme ist dabei lediglich ein Hilfsmittel. Wichtig ist, dass die Zähne beim Putzen an allen Stellen erreicht werden und regelmäßig geputzt werden. Produkte wie Zahnseide oder Interdentalbürsten sowie Mundwasser helfen zudem dabei, die Ablagerung von Bakterien an mit der Zahnbürste schwer erreichbaren Stellen zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren.

Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) ist ein weiterer wichtiger Baustein bei der Pflege der Zähne. Auch hier kommt häufig am Ende einer Sitzung Fluorid zum Einsatz (Fluoridierung), um die Zähne nachhaltig vor Karies und Demineralisierung zu schützen.

 

 

 

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