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Gesundheit

Nieren- und Gallensteine: Symptome, Ursachen und Behandlung

Wenn sich Kristalle im Körper bilden, ist nicht zwingend eine OP nötig
veröffentlicht am 12.04.2018 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Nieren- und Gallensteine Nieren- und Gallensteine(c) fotolia.com / elvira gerecht
Nieren- oder Gallensteine zu haben, ist nichts Ungewöhnliches. Doch wenn sie im Körper wandern, können sie zum Problem werden. Wenn Koliken und Schmerzen auftreten, ist eine operative Entfernung oftmals unumgänglich.

2018-04-12T08:44:00+00:00
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Unterschiede zwischen Nieren- und Gallensteinen

Gallensteine (Cholelithiasis) bilden sich, wenn sich Gallenflüssigkeit verfestigt. Eine spezielle Bezeichnung erfolgt nach der Zusammensetzung der Steine. So gibt es beispielsweise Cholesterinsteine. Diese sehr häufig auftretende Form kann kirschkerngroß werden. Gelangen die Steine in die Gallengänge, können sie diese verschließen und Schmerzen verursachen.

Nierensteine (Nephrolithiasis) wiederum entstehen üblicherweise aus im Urin enthaltenen Mineralsalzen. Dabei handelt es sich meistens um Kalziumsalze. Für gewöhnlich kommen sie in gelöster Form im Harn vor. Allerdings kann es aufgrund einer Ablagerung zur Kristallbildung kommen. Oft sind diese Kristalle oder „Steine“ nicht größer als ein Reiskorn. Aber auch Größen, die das gesamte Nierenhohlsystem ausfüllen, kommen vor. Wie der Name bereits vermuten lässt, befinden sich Nierensteine üblicherweise im Nierenbecken. Gelangen sie in den Harnleiter, kann das zu starken Schmerzen führen.

Warum Kristalle im Körper?

Gallenflüssigkeit benötigt der Körper zur Verdauung von Nahrungsfetten. Hauptsächlich besteht sie aus Wasser. Hinzu kommen weitere Stoffe wie Cholesterin. Diese zusätzlichen Bestandteile sind im Wasser des Gallensafts gelöst, solange sich ihr jeweiliges Verhältnis zueinander nicht ändert. Herrscht allerdings ein Ungleichgewicht, können sich Gallensteine bilden. Begünstigt wird ihre Bildung durch eine sehr fettreiche Ernährung und Übergewicht. Auch ein Engpass oder Verschluss im Gallengang kann Gallensteine hervorrufen. Das Alter kann ebenfalls eine Rolle spielen – ältere Menschen leider häufiger unter Gallensteinen als junge. Genetische Faktoren begünstigen die Entstehung der lästigen Steine ebenfalls.

Die Nierenstein-Kristalle bilden sich, wenn die Salzkonzentration im Urin zu hoch ist. Dies kann passieren, wenn dem Körper zu wenig Flüssigkeit zugeführt wird und / oder er durch Schwitzen zu viel Flüssigkeit verliert. Der Urin ist dann übersättigt, sodass Salze im Nierenbecken kristallisieren können. Es gibt unterschiedliche Risikofaktoren, die häufig zur Bildung von Nierensteinen führen. Dazu gehören unter anderem der übermäßige Konsum von Fleisch und sehr oxalsäurehaltiger Nahrung (zum Beispiel Kakao, Schokolade, Schwarz- und Grüntee, Spinat), häufige Infektionen in den Harnwegen und im Nierenbecken, Fehlbildungen der Nieren sowie die unzureichende Flüssigkeitszufuhr bei raschem Gewichtsverlust.

Symptome erkennen

Während viele Menschen gar nichts von ihren Gallensteinen wissen, da diese keine Beschwerden verursachen, äußern sich bei einigen irgendwann bestimmte Beschwerden. Typisch sind Übelkeit, ein Völlegefühl und Schmerzen im Oberbauch. Eine Steigerung ist die Gallenkolik, bei der oft ohne vorherige Hinweise krampfartige Schmerzen einsetzen, die manchmal auch durch Ausstrahlen in den Rücken und in die rechte Schulter gekennzeichnet sind.

Harninfektionen und Blut im Urin können Anzeichen für Nierensteine sein. Starke Schmerzen machen sich bemerkbar, wenn die Steine wegen ihrer Größe im Harnleiter stecken bleiben. Hierbei spricht man von einer Nierenkolik. Die Schmerzen setzen meistens seitlich ein und strahlen dann in den Unterbauch aus. Begleitet werden die wellenartigen Schmerzen von Übelkeit und Erbrechen.

Behandlung von Gallensteinen

Solange Gallensteine klein bleiben, bereiten sie für gewöhnlich keine Schmerzen und bleiben daher häufig (lange) unentdeckt. Nicht immer kommt es also zu Gallenkoliken, die eine operative Entfernung schließlich notwendig machen. Manchmal werden die Steine zufällig im Rahmen einer Untersuchung entdeckt. Doch nur, wenn sie Symptome auslösen, müssen sie behandelt werden. Gallensteine können mit einer Treffsicherheit von 95 Prozent durch eine Ultraschalluntersuchung erkannt werden.
Bereiten die Steine einem Patienten Schmerzen im Oberbauch, sollte eine Therapie in Angriff genommen werden. Für gewöhnlich wird die Gallenblase im Zuge einer Bauchspiegelung per Schlüssellochmethode endoskopisch entfernt. Dabei handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff.

Behandlung von Nierensteinen

Wie bei den Gallensteinen ist auch hier nicht immer eine Behandlung nötig. Sind die Steine klein und bereiten dem Patienten keine Probleme (Schmerzen, Harnwegsinfekt, Harnabflussstörung) sollten sie zwar je nach Fall regelmäßig kontrolliert, müssen aber nicht entfernt werden.

Hinweise auf die Funktionstüchtigkeit der Nieren und mögliche Infektionen können Blut- und Urinuntersuchungen liefern. Üblicherweise wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um Nierensteine festzustellen, die Funktionsfähigkeit der Nieren einzuschätzen und um zu erkennen, ob ein Harnstau vorliegt. Erkennbar sind die Steine ab einer Größe von circa zwei Millimetern. Zur Lokalisierung von Nierensteinen kommt die Nativ-Computertomographie zum Einsatz. Hierbei kann außerdem die Größe der Steine erkannt werden. Zusätzlich kann eine Röntgenuntersuchung, für die der Patient ein Kontrastmittel zu sich nehmen muss, durchgeführt werden.


Sind die Steine nicht größer als etwa vier Millimeter, können sie über den Urin ausgeschieden werden. Dafür ist es sinnvoll, viel zu trinken und sich idealerweise viel zu bewegen. In manchen Fällen ist auch eine medikamentöse Behandlung möglich.
Manchmal ist eine anderweitige Entfernungsmethode notwendig. Eine Möglichkeit ist die berührungsfreie Zertrümmerung mittels extrakorporaler Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL). Dieses Verfahren wird angewendet, wenn es sich um einen Nierenstein oder mehrere kleine Steine handelt. Hierbei verursachen akustische Stoßwellen eine Zerkleinerung des Steins in kleine Fragmente, die dann über den Harnleiter ausgeschieden werden können.

Es kommt vor, dass  Nierensteine operativ entfernt werden müssen. Auch hier wird endoskopisch gearbeitet:

  • Bei der ersten Variante erfolgt der Zugang über die Harnröhre oder -blase. Hierbei wird ein dünnes Endoskop in den Harnleiter oder weiter bis in die Niere geleitet. Dieses liefert Bilder vom Inneren der betroffenen Bereiche. Da das Endoskop über Kanäle und Spülflüssigkeit verfügt, kann der Arzt die Steine mittels Lasersonde zerkleinern und danach durch die Kanäle abtransportieren.
  • Eine zweite Variante des endoskopischen Zugangs ist ein kleiner Hautschnitt, der unterhalb der 12. Rippe seitlich angesetzt wird. Dieser Eingriff eignet sich für Steine, die größer als etwa ein Zentimeter sind. Bei dieser minimalinvasiven perkutanen Nephrolitholapaxie (Mini-PNL) erfolgt über den Hautschnitt ein Zugang zur Niere via Punktionskanal. Durch diesen Kanal führt der Arzt ein Endoskop ein, das er im Nierenbecken platziert. Kontrolliert werden die Vorgänge durch eine Ultraschallübertragung. Die Zerkleinerung der Steine erfolgt auch hier mittels Lasersonde. Die Fragmente werden anschließend herausgespült.

 

 

 

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