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Gesellschaft

Zu viele Krankentage? Debatte um Fehlzeiten im internationalen Vergleich

veröffentlicht am 27.01.2026 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Machen Arbeitnehmer in Deutschlnad zu oft "blau"?Machen Arbeitnehmer in Deutschlnad zu oft "blau"?(c) Getty Images / Vukasin Ljustina
Im Zusammenhang mit einer Wahlkampfrede von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist eine öffentliche Debatte um die Krankenstandszahlen in Deutschland entbrannt. Nach Ansicht des Bundeskanzlers, der auch die telefonische Krankschreibung in Frage stellte, melden sich Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krank. Angeblich koste das die Wirtschaft jährlich 160 Milliarden Euro.

 

 

2026-01-27T16:35:00+01:00

Jeder fehlt im Schnitt drei Wochen 

Laut Statistischem Bundesamt lassen sich deutsche Beschäftigte durchschnittlich 14,8 Tage im Jahr krankschreiben. Im Vergleich zu 2021 entspricht das einem Anstieg um 3,6 Tage. Und auch im internationalen Vergleich ist das, bezogen auf das Jahr 2022, tatsächlich mehr als in allen anderen europäischen Ländern, wie eine von der DAK-Gesundheit beauftragte Auswertung einer OECD-Studie zeigt. Die Zahlen zum Krankenstand und Fehlzeiten sind aber nach einem sprunghaften Anstieg um 2022 seit annhähernd vier Jahren konstant geblieben, wie aktuelle Erhebungen für den Zeitraum zeigen. Als Gründe für den deutlichen Anstieg von Krankmeldungen ab 2022 nennen Experten neben dem "Corona-Effekt" auch die intensivere Erfassung von Krankschreibungen, seit dem die AU-Bescheinigungen automatisch an die Krankenkassen übermittelt werden.

Unnötige Krankschreibungen? 

Die Reaktionen auf die Merz-Äußerungen reichen von Zustimmung bis zu harter ablehnender Kritik. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Gassen schlug einen generellen Wegfall der Krankenschein-Pflicht für die ersten drei Tage vor, um unnötige Arztbesuche zu minimieren und die Statistiken zu entlasten. Auch ein Ende der telefonischen Krankschreibungen, wie sie Friedrich Merz und Markus Söder, aber auch die Arbeitgeberverbände fordern, könnte nach Ansicht die Schwelle für eine Krankmeldung wieder erhöhen und die Zahlen damit verringern. Die Möglichkeit wurde während der Corona-Pandemie politisch als Ausnahmeregelung für leichte Erkrankungen eingeführt und bislang nicht wieder zurückgenommen. Bislang konnte sich die schwarz-rote Koalition in Berlin nicht zu einem Stopp durchringen, weil sowohl Ärzte, als auch Krankenkassen und nicht zuletzt die Versicherten diese Variante schätzen. Laut Koalitionsvertrag ist eine Neuregulierung vorgesehen. TK-Chef Baas sieht vor allem in der Debatte um die mögliche Abschaffung telefonischen Krankmeldungen einen "falschen Schwerpunkt". Statistisch fielen Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen deutlich mehr ins Gewicht als die Bagatellerkrankungen. Arbeitgeber hätten die Möglichkeit, durch gezieltes Betriebliches Gesundheitsmanagement auf die Gesundheit ihrer Angestellten Einfluss zu nehmen, so Baas. 

Europameister bei Krankmeldungen 2022

In einer internationalen Vergleichsstudie aus dem Jahr 2022 erscheint Deutschland tatsächlich als unangefochtener Spitzenreiter bei den jährlichen Krankmeldungen. Dies liegt zum Teil aber auch in Unterschieden beim Gesundheitssystem begründet. So liegt die physische Schwelle für Arztbesuche im dünn besiedelten skandinavischen Ländern deutlich höher.   

Durchschnittliche jährliche Krankentage im internationalen Vergleich (2022)  Durchschnittliche jährliche Krankentage im internationalen Vergleich (2022)DAK-Gesundheit auf Grundlage von Daten der OECD

     

 

 

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