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Zahngesundheit

Verbot von Amalgam für Zahnfüllungen ab 2025 beschlossen

Giftige Quecksilberverbindung ist auch ein Umweltproblem
veröffentlicht am 08.02.2024 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Amalgamfüllungen werden europaweit verboten Amalgamfüllungen werden europaweit verboten(c) Getty Images / piyaset
Die Verwendung von Amalgam als Material für Zahnfüllungen soll ab 2025 EU-weit verboten werden. Darauf einigten sich am 7. Februar Vertreter des Europäischen Parlaments, der Kommission und des EU-Rates. Bislang ist die als giftig geltende Quecksilberlegierung nur bei Kindern bis 15 Jahren sowie Schwangeren und Stillenden untersagt.   

2024-02-08T12:51:00+00:00
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Weil Amalgam zu 50 Prozent aus Quecksilber besteht und ein Risiko für Umwelt und Gesundheit darstellt, steht es schon lange in der Kritik. Verbraucherschützer und zahnmedizinische Fachkräfte zeigten sich aufrund der lange erwarteten Entscheidung für ein generelles Verbot erleichtert. Die Vereinbarung muss noch vom EU-Parlament und vom europäischen Rat angenommen werden, damit sie nach 20 Tagen in Kraft treten kann.

Verbot wird auf gesamte EU-Bevölkerung ausgeweitet

Seit 2018 ist die Verwendung von Amalgam zur Behandlung von Karies bei Kindern unter 15 Jahren und schwangeren oder stillenden Frauen verboten, es sei denn, der Zahnarzt erachtet eine solche Behandlung wegen der spezifischen medizinischen Erfordernisse bei dem jeweiligen Patienten als zwingend notwendig. Nun soll das Verbot auf die gesamte EU-Bevölkerung ausgedehnt werden. Bei den Ausnahmen wurde jedoch hinzugefügt, dass diese nun entsprechend begründet werden müssen, was bedeutet, dass Zahnärzte schriftlich festhalten müssen, warum nur Quecksilberamalgam verwendet werden kann.

Längere Fristen in drei EU-Staaten

Einigen Mitgliedstaaten wie Tschechien, Bulgarien oder Slowenien, in denen Amalgam das einzige Material ist, das voll vom öffentlichen Gesundheitssystem erstattet wird, wurde zudem eine anderthalbjährige Übergangsfrist eingeräumt, um das Gesundheitssystem auf Alternativen umzustellen. Der Export von Amalgam soll aber zum 1. Januar 2025 verboten werden. Mit durchschnittlich 0,6 Gramm pro Füllung und einem Gesamtverbrauch von 40 Tonnen Quecksilber pro Jahr ist Amalgam die größte verbleibende Verwendung von Quecksilber in der EU. Etwa 1000 Tonnen Quecksilber befindet sich in Mündern der europäischen Bevölkerung.

Bei der Verwendung von Amalgam wird Quecksilber trotz aller Sicherheitsvorkehrungen unweigerlich auch in die Umwelt freigesetzt. Dabei ist es kein lokales Problem, sondern eine internationale Bedrohung, da Quecksilber über die Atmosphäre und Gewässer die Grenzen passiert. Der aktuelle Zustand der Umwelt ist alarmierend: 40 Prozent der Oberflächengewässer in der EU zeigen zu hohe Quecksilberwerte auf, was eine Gefahr für Vögel und Säugetiere darstellt, die sich von belasteten Fischen oder Schalentieren ernähren (EUA 2018), aber auch den menschlichen Verzehr von Speisefischen gefährdet.

Belastung auch für Zahnmediziner und Assistenten

Außerdem entweicht Quecksilber ständig in geringen Mengen aus den Füllungen, was für die vulnerable Bevölkerung direkt ein Risiko darstellt. Insbesondere wird Quecksilber aber beim Legen und Entfernen freigesetzt, wodurch nicht nur Patienten, sondern vor allem Zahnärzte und zahnärztliche Fachkräfte belastet werden. Die Alternativen zu Amalgam hätten sich schon lange bewährt, weshalb das Verbot überfälligsei, kommentierte der Amalgam-Experte und Umweltmediziner Florian Schulze die politische Entscheidung. „In Deutschland wird Amalgam nur noch für 2,4% aller Füllungen verwendet und fast die Hälfte der EU-Mitglied-Staaten sind bereits aus der Verwendung ausgestiegen oder haben den Gebrauch auf unter 1% gesenkt.", so Schulze.

Mehrheit der beruflich Betroffenen weiblich

Amalgam habe in der modernen Zahnmedizin nichts mehr zu suchen, sagte Sylvia Gabel vom Verband medizinischer Fachberufe e.V. Beim Arbeiten mit Amalgam in der Praxis werde Quecksilberdampf freigesetzt. Der Verband begrüßt das nun erfolgte Verbot ausdrücklich, weil "99 Prozent aller zahnmedizinischen Fachangestellten in Deutschland weiblich ist."  Quecksilber sei sowohl schädlich für die Fruchtbarkeit als auch das ungeborene Kind.

Quelle: envmednetwork - european network for environmental medicine

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