NeuesTransplantionsgesetz: Nierentausch soll Lebendspenden erleichtern
Anonymspenden und Über-Kreuz-Spenden sollen Wartezeiten verkürzenIn Deutschland warten derzeit mehr als 6.000 Menschen auf eine Spenderniere, die durchschnittliche Wartezeit beträgt rund acht Jahre. Um die Situation für Betroffene zu verbessern, berät der Bundestag über eine Änderung des bisherigen Transplantationsgesetzes. Ziel ist es, die Möglichkeiten der Lebendnierenspende auszuweiten und damit insgesamt auch mehr Transplantationen zu ermöglichen.
Die Nierentransplantation ist die häufigste Form der Organübertragung in Deutschland. Neben postmortalen Spenden spielen Lebendspenden eine wichtige Rolle, da gesunde Menschen eine Niere in der Regel ohne gravierende gesundheitliche Folgen abgeben können. Bisher sind die Voraussetzungen jedoch streng: Eine Spende ist nur zwischen Personen erlaubt, die sich in „besonderer Verbundenheit“ nahestehen, meist Ehepartnern oder nahen Verwandten. Zudem muss eine immunologische Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger vorliegen.
Genau hier setzt die geplante Neuregelung an. Künftig sollen sogenannte Überkreuzspenden ermöglicht werden. Dabei können sich mehrere Spender-Empfänger-Paare gegenseitig helfen, wenn die Niere innerhalb des eigenen Paares nicht passt. In Ländern wie den USA oder den Niederlanden ist dieses Verfahren bereits etabliert. In Deutschland mussten Betroffene bislang teilweise ins Ausland ausweichen. Der Gesetzentwurf sieht außerdem anonyme Nierenspenden vor, die über eine zentrale Vermittlungsstelle koordiniert werden sollen. Eine verpflichtende psychosoziale Beratung der Spenderinnen und Spender ist vorgesehen.
Medizinische Fachleute begrüßen die Pläne. Sie rechnen mit etwa 100 zusätzlichen Lebendspenden pro Jahr. Jede zusätzliche Transplantation verkürzt die Wartelisten, verbessert die Lebensqualität und erhöht die Überlebenschancen der Erkrankten. Zudem ist eine Nierentransplantation langfristig kostengünstiger als eine dauerhafte Dialyse.
Auch ethisch gilt die Ausweitung der Lebendspende als vertretbar, wenngleich Expertinnen und Experten noch Klärungsbedarf bei Beratung, Aufklärung und dem Schutz vor möglichem Missbrauch sehen. Bis Überkreuzspenden in Deutschland Alltag werden, sind jedoch noch politische Entscheidungen nötig. Parallel dazu wird erneut über die Einführung der Widerspruchslösung bei Organspenden diskutiert, um dem anhaltenden Mangel an Spenderorganen zu begegnen.
