Krankenkassen und KVen verlieren mindestens 170 Millionen Euro
Mindestens 17 Einrichtungen des Gesundheitswesens sollen mit Immobilienfonds hohe Verluste erlitten haben – nun wird vor Gericht um Schadensersatz gestritten.Finden Sie die richtige Krankenkasse
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Mehrere gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben offenbar mindestens 170 Millionen Euro mit Investitionen in Immobilienfinanzierungsfonds verloren. Das berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung nach gemeinsamen Recherchen.
Das Geld war über spezielle Finanzprodukte in Fonds geflossen, die Immobilienprojekte finanzierten. Nach Angaben der Tagesschau handelte es sich teilweise um Anlagen, die zeitweise Renditen von mehr als sieben Prozent ermöglichten. Nachdem mehrere Immobilienprojekte in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten waren, verloren die Investments erheblich an Wert.
Strenge Regeln für die Geldanlage
Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen dürfen vorübergehend nicht benötigte Mittel anlegen. Für solche Investitionen gelten jedoch besonders strenge Vorgaben. Nach dem Sozialgesetzbuch müssen die Anlagen so sicher sein, dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint.
Ob die Immobilienfonds diesen Anforderungen entsprachen, ist nun eine zentrale Frage. Ein unabhängiger Finanzanalyst bezeichnete die genutzten Finanzinstrumente gegenüber der Tagesschau als ungeeignet für Einrichtungen, die Beitragsgelder besonders risikoarm anlegen müssen.
Einrichtungen fordern Schadensersatz
Mehrere betroffene Einrichtungen haben beim Landgericht Frankfurt Klage gegen beteiligte Finanzunternehmen eingereicht. Sie werfen ihnen vor, die Anlagen als sicher und konservativ dargestellt und nicht ausreichend über die tatsächlichen Risiken informiert zu haben.
Die beklagten Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück. Sie erklären, die Investoren seien anhand der Vertrags- und Verkaufsunterlagen über die Struktur und die Risiken der Produkte informiert worden. Ob die Einrichtungen getäuscht wurden oder ihre eigenen Prüfpflichten verletzt haben, muss deshalb gerichtlich geklärt werden.
Nach Informationen aus Finanzkreisen könnten insgesamt sogar 28 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen mehr als 500 Millionen Euro investiert haben. Dabei handelt es sich jedoch um die mögliche Investitionssumme – nicht um einen bestätigten Verlust in dieser Höhe.
Welche finanziellen Folgen sich für die betroffenen Einrichtungen ergeben, ist derzeit offen. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit Leistungskürzungen oder steigenden Zusatzbeiträgen ist bislang nicht belegt.
Quellen
Tagesschau, 17. Juli 2026:
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/krankenkassen-immobilienfonds-100.html
Deutschlandfunk, 17. Juli 2026:
https://www.deutschlandfunk.de/millionenverlust-bei-krankenkassen-durch-investments-in-immobilienfonds-102.html
Handelsblatt, 13. Juli 2026:
https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/immobilien-gesetzliche-kassen-erleiden-millionen-verluste-mit-fondsanlagen-01/100239195.html
