Alter & Geschlecht

Tabuthema Wechseljahre: Die Rolle der Gender Medizin

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

geschlechtersensible Medizin geschlechtersensible Medizin(c) Getty Images / Khafizh Amrullah
In der Vergangenheit wurden Frauen in der Medizin häufig wie Männer behandelt. Inzwischen ist jedoch bewiesen, dass beide Geschlechter bei medizinischen Belangen, wie auch im Bereich der Peri- und Postmenopause, unterschiedliche Symptome zeigen. Eine individuelle Behandlung wird von Experten und Expertinnen daher dringend empfohlen.

2026-09-17T12:46:00+00:00

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Jahrzehntelang wurde kaum über die zahlreichen Beschwerden gesprochen, die Frauen während der Wechseljahre durchstehen müssen. Während die Menopause in der Medizin früher als Nischenthema galt, rückt sie heute immer stärker in den Fokus. Denn das Thema betrifft fast jede Frau – auch wenn die Beschwerden individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Während manche Frauen diese Zeit nahezu symptomfrei erleben, ist die Lebensqualität anderer erheblich beeinträchtigt. Was jedoch für alle gilt: Die Periode bleibt irgendwann aus und die Fruchtbarkeit endet.

Die vier Phasen

Die Wechseljahre verlaufen nicht von heute auf morgen, sondern unterteilen sich in vier Phasen

    • Prämenopause

Sie beginnt meist ab 40 Jahren. Der Körper reduziert allmählich die Produktion von Progesteron. Typische Anzeichen sind Zyklusschwankungen, Spannungsgefühle in den Brüsten oder Wassereinlagerungen

    • Perimenopause

Etwa ein bis zwei Jahre vor der letzten Regelblutung intensivieren sich die Hormonschwankungen. Nun sinkt auch der Östrogenspiegel. Typische Beschwerden in dieser Phase sind Hitzewallungen, Schlafstörungen, starke Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen

    • Menopause

So wird rückwirkend der exakte Zeitpunkt der allerletzten Regelblutung bezeichnet, wenn danach 12 Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist

    • Postmenopause

Diese Phase schließt an die Menopause an. Der Hormonhaushalt pendelt sich allmählich auf einem niedrigen Niveau ein. Während viele Beschwerden nachlassen, können durch den niedrigen Östrogenspiegel neue Symptome wie Antriebslosigkeit oder Scheidentrockenheit auftreten. Die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen sind fließend. Da die Aktivität der Eierstöcke sogar wieder aufleben kann, können sich die einzelnen Phasen abwechseln. Im Durschnitt können sie bis zu 7,4 Jahre anhalten und damit länger als lange vermutet. 

Wann eine Hormontherapie sinnvoll ist

Die Unterscheidung zwischen Peri- und Postmenopause ist auch therapeutisch wichtig, da sich die hormonelle Situation unterscheidet. In der Perimenopause geht es vor allem darum, die starken Hormonschwankungen abzufedern, während in der Postmenopause der dauerhaft niedrige Hormonspiegel ausgeglichen wird. Eine Hormonersatztherapie (HRT) zielt darauf ab, den Östrogenhaushalt zu regulieren und Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen zu lindern. Der Erfolg einer Hormontherapie ist jedoch individuell. Schwieriger ist die Zuordnung, wenn Frauen keine typischen vasomotorischen Symptome wie Hitzewallungen oder Nachtschweiß zeigen, sondern unter unspezifischen Beschwerden wie Gelenkschmerzen leiden, die auch andere Ursachen haben können. Für Frauen, die keine Hormone einnehmen können oder möchten, stehen inzwischen auch nichthormonelle Alternativen wie Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonisten zur Verfügung. Diese blockieren die Wirkung von Neurokininen im Gehirn und können so Hitzewallungen gezielt lindern.

Männer in den Wechseljahren?

Auch bei Männern kommt es im Alter zu hormonellen Veränderungen. Allerdings verlaufen diese völlig anders als bei Frauen. Klassische Wechseljahre durchlaufen Männer nicht, denn ihr Testosteronspiegel sinkt nicht abrupt, sondern kontinuierlich. Bereits ab dem 30. oder 40. Lebensjahr nimmt der Testosterongehalt im Blut jährlich um etwa ein bis zwei Prozent ab. Da dieser Prozess schleichend verläuft, nehmen viele Männer ihn kaum wahr. Dennoch können bei einigen Betroffenen Symptome wie Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Kraftlosigkeit, Stimmungsschwankungen und ein nachlassender Sexualtrieb auftreten. Männer können diesen Beschwerden jedoch aktiv entgegenwirken: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie der Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkohol unterstützen den Hormonhaushalt. Auch ein aktives soziales Umfeld wirkt sich positiv auf die Psyche sowie die mentale Leistungsfähigkeit und Sexaalität aus.

Mehr Expertise für die Frauengesundheit

Die Behandlung von Frauen in ihren Wechseljahren ist komplex. Im Optimalfall sollten Patientinnen auf Ärzte und Ärztinnen treffen, die sich mit den Beschwerden, die im Zuge der Wechseljahre auftreten, auskennen. Besonders wichtig sei eine umfassende Aufklärung vor Therapiebeginn, welche ausreichend über Nutzen und Nebenwirkungen der Hormontherapie aufkläre. Frauen sind anders als Männer – auch in der Medizin. 

Eine Hotline für schnelle Hilfe

Um eine Versorgungslücke in der Frauengesundheit zu schließen, hat die BARMER ein spezielles Serviceangebot ins Leben gerufen: Über eine eigene Wechseljahre-Hotline können sich Frauen täglich zwischen 6 und 24 Uhr kompetent beraten lassen. Da die Symptome der Menopause so vielfältig sind, reicht das Unterstützungsspektrum von Bewegungstherapien bis hin zu Tipps für den Umgang mit Beschwerden im Berufsalltag. Das Angebot bietet Frauen einen unkomplizierten Zugang zu fachlichen Informationen, um gesundheitliche Veränderungen frühzeitig einordnen und passend darauf reagieren zu können.

 

 

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