Abnehmspritzen – bald eine Kassenleistung?

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Bezahlen Krankenkassen bald für Abnehmspritzen?  Bezahlen Krankenkassen bald für Abnehmspritzen?(c) Getty Images / Victoria Kotlyarchuk
So genannte Abnehmspritzen können helfen, überschüssiges Körpergewicht zu minimieren. Neueste medizinische Erkenntnisse zeigen Möglichkeiten auf, mit Abnehmpräparaten vorbeugend gegen Herzinfarkte, Schlaganfälle, Fettleber oder Nierenerkrankungen wirken zu können. Damit wackelt die bisherige Bewertung als Lifestyle-Mittel. Übernehmen die Krankenkassen also bald auch hormonelle Schlankmacher? 

2026-08-17T12:01:00+00:00

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Wie wirken Abnehmspritzen?

Medikamente zur Gewichtsregulierung sind derzeit für Menschen mit einem Body-Mass-Index von mindestens 30 zugelassen. Bei einem BMI ab 27 muss zusätzlich mindestens eine gewichtsbedingte Erkrankung vorliegen, etwa Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Schlafapnoe. 

Die derzeit wichtigsten Wirkstoffe sind Semaglutid und Tirzepatid. Semaglutid ahmt das körpereigene Darmhormon GLP-1 nach. Tirzepatid wirkt zusätzlich über das Hormon GIP und wird deshalb auch als dualer GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist bezeichnet. Beide Stoffe können das Hungergefühl und den Appetit verringern, das Sättigungsgefühl verstärken, die Magenentleerung verlangsamen und den Blutzucker regulieren. Zur Anwendung werden die Präparate direkt unter die Haut gespritzt - in der Regel ein mal pro Woche, ebi schrittweit steigender Dosis, damit sich der Körper an die Behandlung gewöhnen kann.

Was sagt die aktuelle Forschung?

Die Studienlage zeigt, dass Semaglutid und Tirzepatid bei vielen Menschen zu einem deutlichen Gewichtsverlust führen können. Der Erfolg hängt unter anderem vom Ausgangsgewicht, der Dosierung, der Behandlungsdauer und der begleitenden Ernährungs- und Bewegungstherapie ab. Ein direkter Vergleich der beiden Wirkstoffe lieferte 2025 neue Daten: In der Studie SURMOUNT-5 verloren Erwachsene mit Adipositas, aber ohne Typ-2-Diabetes, nach 72 Wochen im Durchschnitt 20,2 Prozent ihres Körpergewichts unter Tirzepatid. Unter Semaglutid waren es durchschnittlich 13,7 Prozent. Gleichzeitig weisen Forschende darauf hin, dass bei vielen Studien Interessenkonflikte bestehen und noch nicht alle Fragen zu einer sehr langfristigen Anwendung beantwortet sind. Ob der Gewichtsverlust nach mehreren Jahren bleibt und welche Folgen ein Absetzen der Medikamente hat, ist weiterhin offen. 

Ein weiterer Faktor aber verändert die Debatte grundlegend: So wurde bei Semaglutid wurden in Studien nicht nur Effekte auf das Körpergewicht, sondern auch Vorteile für bestimmte Herz-Kreislauf-Risiken bei Menschen mit Übergewicht und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung beobachtet. Das stärkt das Argument, dass Adipositas nicht nur eine Frage des Lebensstils ist, sondern eine chronische Erkrankung mit medizinischem Behandlungsbedarf. 

JoJo- Effekt und Nebenwirkungen

Die Medikamente wirken in der Regel nur so lange, wie sie angewendet werden. Nach dem Absetzen kann das Gewicht teilweise wieder steigen. In einer Verlängerungsstudie zu Semaglutid nahmen die Teilnehmenden innerhalb eines Jahres nach dem Therapieende im Durchschnitt einen erheblichen Teil des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu. Eine kurze Therapie reicht also nicht aus. Vielmehr muss gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt geklärt werden, ob eine längerfristige Therapie notwendig und vertretbar ist.

Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt. Beschwerden treten oft zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung auf und sind meist leicht bis mittelstark. Bei Tirzepatid gehören Übelkeit und Durchfall zu den häufigsten Nebenwirkungen, auch Erbrechen und Verstopfung können auftreten.  Seltenere, aber ernstere Risiken sind unter anderem eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Beschwerden an der Gallenblase. Bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen sollte sofort ärztliche Hilfe gesucht werden. Während einer Schwangerschaft sollen die Präparate nicht angewendet werden. 

Das kostet die Behandlung

Die Preise hängen vom Präparat und von der Dosierung ab. Als grobe Orientierung lagen die monatlichen Kosten im Jahr 2026 bei etwa 170 bis 300 Euro für Wegovy mit Semaglutid und ungefähr 200 bis 490 Euro für Mounjaro mit Tirzepatid. Hinzu kommen gegebenenfalls Ausgaben für ärztliche Untersuchungen und Verlaufskontrollen. Die Patienten müssen die Kosten normalerweise selbst tragen, weshalb die Therapie derzeit häufig abgebrochen wird. 

Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten?

Für die gesetzliche Krankenversicherung ist die Rechtslage derzeit eindeutig: Arzneimittel, die zur Gewichtsregulierung oder Appetitzügelung eingesetzt werden, sind gesetzlich von der Erstattung ausgeschlossen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat diesen Ausschluss für Wegovy und Mounjaro in der Arzneimittel-Richtlinie nachvollzogen. Eine Verordnung zur Gewichtsreduktion wird in der Regel nicht über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet.

Werden die Wirkstoffe dagegen im Rahmen ihrer zugelassenen Indikation zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes verordnet, gelten andere Regeln. In diesem Fall steht die Diabetesbehandlung im Vordergrund und nicht die Gewichtsabnahme als solche. Ob sich diese Regelung künftig ändert, ist offen. Dafür müssten unter anderem der langfristige medizinische Nutzen, die Sicherheit, die Kosten und die Auswirkungen auf die Versorgung bewertet werden. Die bisher vorliegenden Forschungsergebnisse haben die politische und gesundheitspolitische Debatte verstärkt, führen aber noch nicht automatisch zu einer Kassenleistung. 

 

 

 

 

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