Sind Vorsorgeuntersuchungen einfach nur Abzocke?
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Insgesamt hätte ich für das komplette Vorsorgepaket knapp 100 Euro bezahlen sollen. Ich habe mich daraufhin entschlossen die angebotenen Checks nicht durchführen lassen. Ich frage mich jetzt allerdings: Wofür bin ich eigentlich gesetzlich krankenversichert, wenn ich bei empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen plötzlich selbst zur Kasse gebeten werde? Ich dachte immer, dass diese kostenlos sind. Werden gesetzlich Versicherte bei der Vorsorge inzwischen tatsächlich immer häufiger zur Kasse gebeten – oder ist in meinem Fall etwas schiefgelaufen?
mit freundlichen Grüßen
Armin V., Leipzig
Antwort der Redaktion
Ihre Verärgerung ist nachvollziehbar. Allerdings gilt: Nicht jede Untersuchung, die Ärzte zur Vorsorge empfehlen, sind automatisch eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die gesetzlich festgelegten Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen. Welche Untersuchungen dazugehören, hängt unter anderem vom Alter, Geschlecht und individuellen Risikofaktoren ab. Der Leistungsumfang ist dabei genau definiert. Daneben gibt es zahlreiche zusätzliche Untersuchungen, die Ärzte als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) anbieten. Dazu können beispielsweise bestimmte Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen oder Laborwerte gehören, die nicht direkt zum gesetzlichen Vorsorgeprogramm zählen. Diese Leistungen müssen Patienten in der Regel selbst bezahlen.
Entscheidend ist deshalb, was genau Ihre behandelnde Urologin angeboten hat. Wenn es sich um eine Kassenleistung handelt, dürfen Ärzte gesetzlich Versicherte grundsätzlich nicht einfach zur privaten Zahlung auffordern. Handelt es sich dagegen um eine zusätzliche Wunsch- oder IGeL-Leistung, muss der Patient darüber aufgeklärt werden, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt. Sie als Patient sollten immer vor der Untersuchung erfahren, dass es sich um eine Selbstzahlerleistung handelt und welche Kosten entstehen. Eine IGeL-Leistung sollte nicht einfach durchgeführt und anschließend in Rechnung gestellt werden.
Gerade bei Blutuntersuchungen besteht häufig ein Missverständnis. Nur weil ein Blutwert medizinisch interessant sein kann oder der Arzt ihn zur persönlichen Vorsorge empfiehlt, bedeutet das noch nicht, dass die Krankenkasse ihn bezahlt. Die GKV übernimmt Laboruntersuchungen insbesondere dann, wenn sie Bestandteil einer vorgesehenen Kassenleistung sind oder aus medizinischen Gründen zur Diagnose oder Behandlung einer Erkrankung erforderlich sind. Ein allgemeiner „Vorsorge-Check“ mit zusätzlichen Laborwerten kann dagegen eine Privatleistung sein.
Von einer „Abzocke“ kann man in Ihrem Fall also nicht automatisch sprechen. Knapp 100 Euro für zusätzliche Untersuchungen können durchaus eine privat zu zahlende Leistung darstellen. Eine ärztliche Empfehlung bedeutet nicht automatisch, dass die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt.
Wer sich über eine angebotene IGeL-Leistung ärgert oder Zweifel an der Rechnung hat, kann sich außerdem direkt an seine Krankenkasse wenden und prüfen lassen, ob die betreffende Untersuchung tatsächlich außerhalb des GKV-Leistungskatalogs liegt.
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