Pflegegrad 4

Pflegegrad 4

Laut Definition des Pflegestärkungsgesetz sind unter dem Pflegegrad 4 Personen zu fassen, bei denen eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten vorliegt.

Voraussetzungen

Voraussetzung für eine Einstufung in den Pflegegrad 4 ist eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

Versicherte, die pflegebedürftig sind, können bei ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit stellen. Dabei beantragen sie keinen konkreten Pflegegrad, sondern die Einteilung erfolgt auf Grundlage eines Gutachtens durch den Medizinischen Dienst (MD) bzw. bei Privatversicherten durch Medicproof. Der Gutachter prüft die noch vorhandene Selbstständigkeit des Versicherten hinsichtlich verschiedener Lebensbereiche (Module) und vergibt entsprechend Punkte. Liegt die ermittelte Gesamtpunktzahl bei der Begutachtung zwischen 70 und unter 90 Punkten, wird der Antragsteller dem Pflegegrad 4 zugeordnet.

Das System der Pflegegrade ist im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes II im Jahr 2017 eingeführt worden und hat die damalige Einteilung in Pflegestufen abgelöst. Pflegegrad 4 und Pflegestufe 4 sind dabei nicht identisch. Hilfebedürftige Personen, die vor der Pflegereform eine Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz (eA) oder eine Pflegestufe 3 ohne eA hatten, wurden automatisch in den Pflegegrad 4 überführt. Aufgrund des geltenden Bestandsschutzes erhalten sie Leistungen der Pflegekasse mindestens im gleichen Umfang wie vor der Pflegereform. Zudem müssen Menschen, die bis Ende 2016 schon eine Pflegestufe hatten, keinen neuen Antrag stellen und werden nicht automatisch neu begutachtet.

Höhe der Pflegeleistungen

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben gegen ihre Pflegekasse einen Anspruch auf folgende Leistungen:

  • Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder Bekannte
  • Pflegesachleistungen bei professioneller häuslicher Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst
  • finanzielle Unterstützung bei vollstationärer Pflege
  • Zuschüsse zur Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege
Art der Pflegeleistung Max. Höhe der Pflegeleistung
Pflegegeld für häusliche Pflege 800 Euro monatlich
Pflegesachleistungen für häusliche Pflege 1.859 Euro monatlich
Pflegehilfsmittel 42 Euro monatlich
 
Teilstationäre Leistungen der Tages- oder Nachtpflege 1.685 Euro monatlich
Leistungen bei vollstationärer Pflege 1.855 Euro monatlich
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 131 Euro monatlich

Pflegesachleistungen, also Leistungen, die von ambulanten Pflegediensten erbracht werden, werden von den Pflegediensten direkt mit der Pflegekasse abgerechnet.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 können Pflegesachleistungen auch in Kombination mit Pflegegeld erhalten (Kombinationsleistung), wenn sie zugleich von Angehörigen und einem Pflegedienst versorgt werden. In diesem Fall zahlen die Pflegekassen das Pflegegeld nicht in vollem Umfang; Versicherte erhalten ein anteiliges Pflegegeld. Die Höhe des Pflegegeldes vermindert sich prozentual um den Anteil der in Anspruch genommenen Pflegesachleistungen.

Anspruch auf Kurzzeitpflege

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben bei häuslicher Pflege Anspruch auf Unterstützung bei einer vorübergehenden vollstationären Unterbringung (Kurzzeitpflege) sowie bei Verhinderung der privaten Pflegeperson durch Urlaub, Krankheit oder sonstige Gründe (Verhinderungspflege).

Seit dem 1. Juli 2025 gilt hierfür ein vereinfachtes Gesamtsystem: Für Kurzzeit- und Verhinderungspflege steht ein flexibel nutzbarer Gemeinsamer Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung. Das Budget kann nach Bedarf auf beide Leistungsarten aufgeteilt werden. Die Freistellung im Rahmen der Verhinderungspflege ist für bis zu 8 Wochen (56 Tage) pro Kalenderjahr möglich; die vorherige sechsmonatige Vorpflegezeit ist entfallen.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Alle Pflegebedürftigen mit einem Pflegegrad in häuslicher Pflege haben Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Mit Hilfe des Entlastungsbetrags soll zum einen die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen im Alltag gefördert und zum anderen pflegende Angehörige entlastet werden.

Die Höhe des Entlastungsbetrags liegt monatlich bei 131 Euro. Pflegebedürftige, die mit dieser Summe nicht auskommen, haben die Möglichkeit, nicht vollständig ausgeschöpfte ambulante Pflegesachleistungen zu einem bestimmten Teil als Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu nutzen (sog. Umwandlungsanspruch von bis zu 40 % des Sachleistungsbetrags). Wird die zur Verfügung stehende Summe in einem Monat nicht komplett aufgebraucht, kann der restliche Betrag in die folgenden Kalendermonate übertragen und angespart werden. Der Entlastungsbetrag kann bei nach Landesrecht anerkannten Anbietern bzw. für anerkannte Angebote verwendet werden, zum Beispiel für Alltagsbegleiter, Haushaltsnahe Dienstleistungen oder Betreuungsgruppen. Der Entlastungsbetrag ist eine zweckgebundene Leistung der Pflegekassen und wird nach dem Kostenerstattungsprinzip gegen Einreichung der Belege ausgezahlt. 

Altersgerechte Wohnraumanpassung

Neben dem Zuschuss für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel von 42 Euro im Monat können Personen mit Pflegegrad 4 Zuschüsse für den Anschluss und Betrieb eines Hausnotrufsystems beantragen (monatlicher Pauschalbetrag für den Betrieb sowie eine einmalige Anschlussgebühr). Zudem besteht ein Anspruch auf Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel nach dem GKV- bzw. Pflege-Hilfsmittelverzeichnis.

Für eine altersgerechte Wohnraumanpassung (z. B. Badumbau oder Einbau eines Treppenlifts) steht ein Zuschuss von bis zu 4.180 Euro je Maßnahme zur Verfügung. Verändern sich die Pflegeerfordernisse im Verlauf so stark, dass ein erneuter Umbau nötig wird, kann der Zuschuss erneut gewährt werden.

Darüber hinaus können kostenlose Pflegeberatungen und verpflichtende Beratungsbesuche (§ 37 Abs. 3 SGB XI) in Anspruch genommen werden. Es werden zudem kostenlose Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen angeboten sowie ambulant betreute Wohngruppen (Pflege-WGs) durch den Wohngruppenzuschlag besonders gefördert.

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