Digitalisierung

Vor dem Wartezimmer in die App? Krankenkassen wollen Pflicht-Anwendung zur Patientensteuerung

veröffentlicht am von Redaktion krankenkasseninfo.de

Navigator-App als Pflicht für gesetzliche Versicherte?Navigator-App als Pflicht für gesetzliche Versicherte?(c) Getty Images / tadamichi
Die gesetzlichen Krankenkassen wollen die Patientensteuerung im deutschen Gesundheitssystem grundlegend verändern. Künftig sollen Versicherte vor dem Besuch einer Arztpraxis zunächst einen digitalen Navigator nutzen. Das geht aus einem Konzept des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung hervor, über das zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete.

2026-01-26T18:06:00+01:00

Der digitale Navigator soll Patientinnen und Patienten dabei helfen, ihre Beschwerden richtig einzuordnen und sie gezielt in die passende Versorgungsstruktur zu lenken. Der Zugang soll entweder über eine Smartphone-App oder telefonisch über die bundesweite Hotline des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 erfolgen. In akuten Fällen soll das Tool Notfälle erkennen und entsprechend an Notaufnahmen weiterleiten. In weniger dringlichen Situationen könnten Termine beim Hausarzt, Überweisungen zu Fachärzten oder Videosprechstunden vermittelt werden. In bestimmten Fällen sollen sogar Rezepte oder Überweisungen ohne direkten Arztkontakt ausgestellt werden.

Perspektivisch ist zudem eine Anbindung an die elektronische Patientenakte geplant. Darüber hinaus soll der Navigator kontinuierlich erweitert werden, etwa um Informationen zu Apotheken, Pflegeangeboten oder Präventionsleistungen der Krankenkassen. Ziel sei es auch, die Gesundheitskompetenz der Versicherten zu stärken.

Unterstützung für eine bessere Patientensteuerung kommt grundsätzlich von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Deren Vorsitzender Andreas Gassen betonte jedoch, dass ein digitales System kein Allheilmittel sei. Zwar sei eine primärärztliche Koordination insbesondere für ältere und chronisch kranke Menschen sinnvoll, doch dürfe das System nicht als universelle Lösung dargestellt werden.

Gassen verwies darauf, dass Fachärzte bereits heute einen erheblichen Teil ihrer Leistungen ohne Vergütung erbringen. Rund 15 Prozent der Behandlungen – etwa 40 Millionen Arztkontakte – würden nicht bezahlt. Ein echtes Einsparpotenzial durch ein verpflichtendes Primärarztsystem sehe er daher nicht. Eine bessere Steuerung könne die Versorgung verbessern, werde sie aber zunächst nicht günstiger machen. Ziel müsse es vielmehr sein, den Kostenanstieg im Gesundheitssystem zu bremsen.

 

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