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Wirbel um ARD-Bericht: Psychotherapie zur „Umpolung“ sexueller Orientierung

09.05.2014 Die Bundesärztekammer hat aufgrund eines TV-Berichtes in einer aktuellen Stellungnahme die wissenschaftliche Position bestätigt, dass es sich bei Homosexualität nicht um eine Krankheit handelt, die therapiert und geheilt werden müsse. In einem Bericht des ARD-Magazins „Panorama“ vom 8. Mai hatte zuvor ein verdeckter Reporter verschiedene Ärzte aus strenggläubig-christlichem Umfeld mit dem Wunsch aufgesucht, von seiner Homosexualität geheilt werden zu wollen. Parallel berichtete ein ZEIT-Journalist in der Ausgabe vom 8. Mai von seiner Erfahrung in deutschen Wartezimmern von "Umpolungsärzten".

"Heilung" von Homosexualität bei der Krankenkasse abrechnen ?

Die Ärzte schlugen ihm unter anderem eine Psychotherapie zur Behandlung vor, durch die seine Neigungen in die gewünschte Richtung 'Heterosexualität' geändert werden könnten. Zwei Mediziner stellten als Diagnose eine “psychische Störung” bzw. eine “lebensverändernde Erkrankung” auf dem Abrechnungsschein für die private Krankenkasse aus. Ein interviewter Arzt bekräftigt im Interview mit „Panorama“ dass er als Arzt oder Therapeut die Kasse betrügen muss, wenn er diese Therapie abrechnen möchte.
Die Redaktion holte auch Stellungnahmen von gesetzlichen Krankenkassen ein. Die Techniker Krankenkasse, die AOK und die Barmer GEK hielten sich in ihren Antworten relativ bedeckt und verwiesen auf die Therapiehoheit der Ärzte sowie auf die Komplexität der Genehmigungsverfahren.

Geschichte der Psychoanalyse analog zum Zeitgeist

Hintergrund: Obwohl sich Sigmund Freud klar zur Gleichwertigkeit von hetero- und Homosexualität geäußert hat, gab und gibt es verschiedene psychoanalytische Schulen, die
Schwulsein und Lesbischsein als krankhafte neurotische Abweichungen kennzeichnen.
Männliche Homosexualität wurde unter Analytikern oft mit einer dominanten Mutter und einem schwachen Vater erklärt. Signifikant in diesem Zusammenhang ist auch der Fakt, dass bis vor kurzem offen Schwule Psychologen keine Chance hatten, an psychoanalytischen Instituten ihre Therapieausbildung zu absolvieren. In der Praxis haben sich die Therapeuten bei ihrer Haltung zur Homosexualität immer an den herrschenden gesellschaftlichen Normen orientiert.
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