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Wie weiter für Menschen ohne Krankenversicherung?

06.10.2016

Eine unbekannte zahl Menschen lebt in Deutschland ohne Krankenversicherung

Trotz gesetzlich verankerter Versicherungspflicht gibt es nach wie vor eine unbekannte Zahl von Menschen ohne jedwede Krankenversicherung in der Bundesrepublik. In der Presse sind derzeit geschätzte Zahlen zwischen 80.000 und mehr als einer Million zu lesen.

Nachzahlungen oftmals zu teuer

Diese Ziffern kommen dadurch zustande, dass die Betroffenen seit Inkrafttreten der gesetzlichen Pflicht sich noch nicht wieder bei einer Krankenkasse angemeldet haben. Dies kann unter anderem auch finanzielle Gründe haben, denn im Falle einer verspäteten Anmeldung sind Nachzahlungen fällig. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl nicht gemeldete Flüchtlinge, die aus Angst vor Asyl-Ablehnung sich nicht bei den Behörden angemeldet haben und dadurch auch keine Sozialleistungen erhalten.  
Zwar bieten die Kassen für die erstere Gruppe im Fall einer verspäteten Anmeldung Ratenzahlungen an. Die nachzuzahlenden Beträge können sich mit Verzugszinsen schnell zu Größenordnungen summieren, die für viele nicht mehr zu bewältigen sein dürften. Denn nicht selten handelt es sich bei den Betroffenen um ehemalige privat versicherte Selbstständige, denen die Versicherung von ihren PKV-Anbietern gekündigt wurde.  

Ehemalige Privatversicherte scheuen nötige Schritte

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor  Windhorst, redete Tacheles und brachte das Dilemma auf den Punkt: „Im Prinzip wollen die gesetzlichen Kassen ehemalige Privatversicherte nicht aufnehmen", so Windhorst in der „Lippischen Landes-Zeitung“. Gerade gescheiterte Unternehmer aber würden oftmals den notwendigen Schritt einer Privatinsolvenz meiden und so weiterhin ohne Krankenversicherung bleiben.

Ärztekammer-Chef Windhorst sieht nur in einer konsequenten flächendeckenden medizinischen Grundversicherung nach skandinavischem Modell einen Ausweg aus diesem Sozialdilemma. Dies aber würde eine Absenkung der jetzigen Standards in der GKV und eine Aufstockung privater Zusatzversicherungen bedeuten. Eine viel gerechtere Lösung im Sinne der Allgemeinheit wäre ein erneuter Schuldenerlass bei verspätetem Eintritt, wie er bereits einmal bis Ende 2013 gegolten hatte.    

 

Abb: (c) Barbara Nobis / pixelio.de

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