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Viele Hebammen vor dem Aus - Freie und klinische Geburtshilfe gefährdet

03.07.2015

 Die freiberuflich arbeitenden Hebammen müssen ab dem 1. Juli eine empfindliche Beitragserhöhung ihrer Berufs-Haftpflichtversicherung hinnehmen. Wie der Deutsche Hebammenverband mitteilte, steigen die jährlichen Prämien um bis zu 23 Prozent auf mehr als 6.000 Euro. Durch diese erneute Steigerung der Kosten werde die freie Geburtshilfe in Deutschland weiter zurückgedrängt. Bestimmte Leistungen wie die Wochenbettbetreuung könne schon jetzt nicht mehr deutschlandweit angeboten werden. Auch die Wahlfreiheit des Geburtsortes sei in vielen Regionen nicht mehr gegeben. Ab Juli seien trotz steigender Mitgliederzahlen über den DHV nur noch 2.348 freie Hebammen versichert, so der Verband.

Trotz gesetzlicher Vorgaben keine Hilfszahlungen von den Krankenkassen

Eigentlich sollten die gesetzlichen Krankenkassen eine gesetzlich vereinbarte Ausgleichszahlung für die Mehrbelastungen leisten. Die Verhandlungen über die Höhe dieser Leistung waren aber ohne Ergebnis gescheitert. Die Vorsitzende des Verbandes, Martina Klenk, äußerte sich sehr besorgt über die aktuellen Entwicklungen. Ein Ende der Spirale bei den Haftpflichtpreisen sei nicht abzusehen.  “Wenn überall Hebammen und freiberufliche Gynäkologinnen und Gynäkologen fehlen, gibt es keine sichere Geburtshilfe mehr für Frauen und ihre Kinder“, so Klenk.

Auch in Kliniken fehlen Beleghebammen

Der Rückgang der freiberuflich arbeitenden Hebammen hat nicht nur Auswirkungen auf die Versorgung in Geburtshäusern, sondern macht sich bereits in Kliniken und Krankenhäusern bemerkbar. Die Stellen für so genannte Beleghebammen – freiberuflich in Kliniken auf Vertragsbasis arbeitende Geburtshelferinnen -  seien oftmals schon nicht mehr besetzt. Einige
Kreißsäle mussten deshalb bereits zeitweilig oder ganz schließen.

Die Hebammen kritisierten die Hinhaltetaktik der Krankenkassenverbände und der Politik. Anstatt schneller Hilfe, die dringend nötig wäre, wären entsprechende Gesetzesregelungen nicht wirksam umgesetzt worden. Nach wie vor hätten Hebammen keinerlei Planungssicherheit für ihre freiberufliche Tätigkeit.

 

 

Foto: Deutscher Hebammenverband e.V.