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Viele Griechen haben keine Krankenversicherung – die Bundesregierung berät nun über mögliche Hilfen

09.07.2015

Hilfsprogramm fürs Greichenlands GesundheitssystemMehr als ein Viertel aller Griechen hat keine Krankenversicherung. Das passt zur Situation, in der ganz Griechenland seit Wochen gefangen ist – dadurch steht nun auch die Gesundheit der Menschen auf dem Spiel. Mit jedem Tag, an dem die Banken geschlossen bleiben, wird das Leben in Griechenland schwieriger.

Die Bundesregierung wird in den kommenden Tagen darüber beraten, ob und wie sie Griechenland insbesondere bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung unterstützen wird. Das teilte der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die gesundheitspolitische Zusammenarbeit mit Griechenland, Wolfgang Zöller (CSU) am Dienstag dem Kölner Stadt-Anzeiger mit. Details wollte er nicht nennen. Zöller deutete nur an, dass er insbesondere bei der Versorgung mit Arzneimitteln massive Schwierigkeiten sieht. Ein anderes Problem ist laut dem Sonderbeauftragten die hohe Zahl von Menschen, die keine Krankenversicherung haben. Nach früheren Angaben des CSU-Politikers sind derzeit gut ein Drittel der Griechen unversichert.

Kürzungen im Arzneimittelbereich als Auslöser

In einem Lagebericht an den Bundestags-Gesundheitsausschuss schrieb Zöller, die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten und Medizinprodukten sei unzureichend. Der Grund: Alle bisher erzielten Einsparungen seien zu 60 Prozent durch drastische Kürzungen im Arzneimittelbereich erzielt worden. Die nötige Alternative sei jedoch teure und umfangreiche Reformen durchzuführen. So beklagt Zöller, dass in Griechenland zu rund 95 Prozent kostenintensive Originalpräparate verschrieben werden und nur zu fünf Prozent preiswerte Nachahmerprodukte – auch als Generika bekannt. In Deutschland liege die Generika-Quote dagegen bei rund 80 Prozent.
Die erhöhte Anzahl Unversicherter erklärt der Sonderbeauftragte in seinem Lagebericht mit der hohen Arbeitslosigkeit. In den zurückliegenden vier Jahren hätten mehr als eine Million Menschen ihre Versicherungsbeiträge nicht bezahlen können und somit den Anspruch auf Behandlung in Kliniken und Arztpraxen sowie auf Medikamente verloren. Zwar stelle die EU inzwischen ein Programm für die Mindestversorgung dieser Menschen zur Verfügung - dieses decke aber nur einen Teil der Not ab. Nichtstaatliche Hilfsorganisationen initiieren den Großteil der Hilfsangebote.

Finanzierung noch nicht geregelt

Die Finanzierung eines mögliches Hilfsprogramms ist unklar. Nach Angaben aus der Bundesregierung ist es zumindest unwahrscheinlich, Griechenland den Status eines Entwicklungslandes zu geben. Dafür sei das Pro-Kopf-Einkommen der Griechen annähernd doppelt so hoch, wie es in der Definition für ein Entwicklungsland festgeschrieben ist. Für Griechenland als EU-Mitglied käme dagegen eine Reihe europäischer Programme in Frage, hieß es von Seiten der Regierung.

Foto: Hiäsa / pixelio.de

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