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Urteile

Urteil: Krankenkasse muss teure Behandlung in USA übernehmen

Erfolgreicher gerichtlicher Eilantrag der betroffenen Eltern führte zur Kostenübernahme
veröffentlicht am 11.01.2019 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Urteil zu KrankenkassenrechtUrteil zu Krankenkassenrecht(c) Thorben Wengert / pixelio.de
Gesetzliche Krankenkassen können unter Umständen dazu verpflichtet werden, neuartige Behandlungen im Ausland auch dann zu übernehmen, wenn sie sehr teuer sind und ihre medizinische Wirksamkeit noch nicht bewiesen ist.

2019-01-11T13:56:00+00:00
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Für den vorliegenden Musterfall war entscheidend, dass Gutachter und Ärzte der Meinung waren, dass es zu der Auslandsbehandlung keine Alternative gibt.

Eilantrag beim Sozialgericht nach Ablehnung

Eine Familie aus Bremen hatte 2017 einen Eilantrag beim Sozialgericht Bremen gestellt, nachdem die Krankenkasse die Behandlung ablehnte. Daraufhin verpflichtete das Gericht die Kasse zur Kostenübernahme und wies alle Beschwerden dagegen ab.

Der jugendliche Patient leidet an einer seltenen Form von Bronchitis, die mit lebensgefährlichen Erstickungsanfällen verbunden ist. Ein US-Mediziner hatte 2016 in einer Fachzeitschrift ein neues Behandlungsverfahren dargestellt. Die Eltern beantragten eine Behandlung, deren Notwendigkeit vom MDK und anderen Gutachtern bestätigt wurde.  Die Krankenkasse lehnte ab, weil die Kosten mit mehr als 300.000 Euro sehr hoch ausfallen und die Methode derzeit noch nicht medizinisch anerkannt ist.

Nach der gerichtlichen Verpflichtung zur Kostenübernahme ließen die Eltern die Behandlung in den USA durchführen. Seitdem sind keine lebensbedrohlichen Anfälle mehr aufgetreten.

Behandlungskosten niemals Ablehnungsgrund

Das Sozialgericht Bremen entschied abschließend, dass die Krankenkasse die Behandlungskosten nicht nur vorab, sondern auch endgültig zu tragen hat. Die Richter begründeten dies damit, dass ausnahmslos alle begutachtenden Ärzte - auch die, welche durch die Krankenkasse befragt wurden, die Behandlung befürwortet hatten. Weiterhin wies das Gericht in seiner Urteilsbegründung darauf hin, dass das Krankenversicherungsrecht keinerlei Beschränkung des Behandlungsanspruchs aufgrund hoher Kosten enthalte.

(Aktenzeichen L 16 KR 444/17 B ER )

 

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