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Uniklinik statt Zahnarzt: Lohnt die Schnäppchen-Behandlung bei Studenten der Zahnmedizin?

06.11.2017


In manchen Großstädten kann man sich auch von Studierenden der Zahnmedizin behandeln lassen. Sowohl Privatleistungen wie Fissurenversiegelungen als auch der übliche Eigenanteil bei Zahnfüllungen wird wesentlich günstiger angeboten. Lohnt sich die Schnäppchen-Behandlung? 

Kostenfalle Behandlungsplan 

Marie Heinemann (25) ist vor kurzem zum Masterstudium in eine neue Stadt gezogen. Bei der Wahl ihrer Zahnärztin hatte sie sich auf die Empfehlung einer Freundin verlassen. Beim ersten Termin dann das böse Erwachen: Der Behandlungsplan sah einen Eigenanteil von mehr als 700 Euro vor - und das obwohl die Studentin vorab auf ihr geringes Budget und die fehlende Zahnzusatzversicherung hingewiesen hatte.

Neben der vergleichsweise teuren Zahnreinigung sollten nach Aussage der Zahnärztin unbedingt ihre drei Amalgamfüllungen erneuert und zwei Fissuren versiegelt werden. Außerdem wurde Marie Heinemann zu einer Aufbissschiene geraten, deren Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Nach dem Zahnarzttermin war Marie Heinemann erst einmal ratlos. Der Empfehlung von ärztlichem Fachpersonal wollte sie vertrauen, doch die veranschlagten Kosten schienen nicht nur hoch, sie waren schlicht nicht zu stemmen. Eine Zweitmeinung hätte sie sich gerne eingeholt, doch ihr alter Zahnarzt war für einen kurzen Diagnosebesuch zu weit entfernt.

Behandlungsboxen bieten geschützte Athmosphäre

Auf Raten einer befreundeten Zahnmedizinstudentin meldete sie sich schließlich bei der Uniklinik ihrer Stadt. Dort behandeln Studierende der Zahnmedizin in fortgeschrittenen Semestern an „echten“ Patienten. Zuerst hatte Marie Heinemann Vorbehalte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr Mund vor den Studierenden „ausgestellt“ und diese an ihren Zähnen lernen sollten. Tatsächlich aber gibt es in den Unikliniken sogenannte Behandlungsboxen, in denen man vor den Augen anderer Patienten oder Studierender geschützt ist.

In der Realität verlief die Behandlung zur vollsten Zufriedenheit - und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Marie Heinemann war allein mit der behandelnden Studentin, ihrer Assistentin und einer Protokollantin. Die Diagnose wurde sorgfältig um umsichtig gestellt und anschließend von einer ausgebildeten Zahnärztin kontrolliert. Außer dem stellte sich heraus, dass zwei ihrer drei Füllungen kein Amalgam enthalten und völlig intakt sind. Eine Füllung zu erneuernde Füllung sollte statt 120 in der Uniklinik maximal 40 Euro kosten. Auch die Fissurenbversiegelung wird in der  Uniklinik deutlich günstiger angeboten. Und das Rätsel, warum ihr zu einer Aufbissschiene geraten wurde, konnten weder die Studentinnen noch die Ärztin lösen, da keine gravierenden Abtragungen auf den Zähnen zu erkennen waren.

Mehr Zeit und weniger Geld nötig

Für Marie Heinemann steht nach dem Besuch in der Zahnklinik fest: Die ursprünglch empfohlene Zahnärztin  wird sie nicht wieder besuchen und stattdessen häufiger die Angebote in der Uniklinik nutzen. Neben der umfassenden Betreuung wird hier außerdem nach dem neuestem Stand der Technik und sehr gründlich gearbeitet. Die einzelnen Schritte werden stets von Ärzten kontrolliert und es kommen Methoden zum Einsatz, die im stressigen Praxisalltag meist zu kurz kommen. Einziges Manko, der für Studierende aber verkraftbar ist: Die Behandlung in der Uniklinik nimmt sehr viel mehr Zeit in Anspruch, als ein Besuch beim Zahnarzt.

 

Foto: Marc Boberach / pixelio.de

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