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Termin-Servicestellen sollen Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten verkleinern

27.07.2015

FacharztterminZwei Stunden im überfüllten Warteraum. Beachtet der Arzt die Reihenfolge, ist man selbst endlich der Nächste – zumindest wenn die Beobachtungen der letzten 120 Minuten stimmen. Der sehnsüchtig erwartete Aufruf liegt nur noch Sekundenbruchteile entfernt, bis ein neuer Patient die Praxis betritt und vom Empfangspersonal einfach durchgewunken wird. Was ist geschehen? Privatpatient sticht Kassenpatient.

Subjektives Empfinden oder Realität?

Oft wird in einem wie eingangs beschriebenen Fall von einer Zweiklassenmedizin gesprochen. Besonders betroffen sind Behandlungswünsche beim Facharzt. Diese sind für Kassenpatienten mit langen Wartezeiten und ungerechten Terminvergaben verbunden. Abhilfe sollen die im Versorgungsstrukturgesetz beinhalteten Termin-Servicestellen schaffen.

Allgemein, sagt der Dermatologe Dr. Christoph Haug gegenüber dem NDR, gäbe es bei der Terminvergabe zwischen Kassen- und Privatpatienten deutliche Unterschiede, in der Qualität der Behandlung hingegen nicht. Ein Kassenpatient könne derzeit von drei Wochen bis zu drei Monaten auf einen Facharzttermin warten - ein Privatpatient hingegen nur etwa einen Tag. Dieser Unterschied ist zu drastisch, schon drei Wochen seien laut Dr. Christoph Haug für eine akute Erkrankung zu viel.

Vier Wochen maximale Wartezeiten

Die schwarz-rote Koalition hatte eine echte Hilfe für Patienten vorgesehen. Doch in der Ärzteschaft regt sich weiter Protest. Nun geht die Bundesregierung, im Streit um die geplante Garantie für überschaubare Wartezeiten auf einen Facharzttermin, ein Stück auf die Ärzte zu. „Es ist klug, wenn die konkrete Lösung von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den jeweiligen Regionen gefunden wird, denn die wird in Berlin sicher anders aussehen als in Niedersachsen“, sagte Unions-Gesundheitsexperte Jens Spahn (CDU) der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Im Koalitionsvertrag verpflichteten Union und SPD die KVen zur Einrichtung von zentralen Termin-Servicestellen, die innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin vermitteln. Die Wartezeit bis zum endgültigen Termin soll nicht mehr als vier Wochen betragen. Dieser Plan stieß bei der organisierten Ärzteschaft auf wenig Anklang. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, wies darauf hin, dass jeder den Arzt seines Bedürfnisses aussuchen dürfe. „Wenn nun eine Verteilung der Arzttermine rigide über eine Stelle erfolgt, dann ist die freie Arztwahl plötzlich weg“, sagte er.

Weitere Maßnahmen geplant

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte angekündigt, die Regelungen sollten 2015 in Kraft treten. Positiv sei, dass sich allein durch die Diskussion um die Termingarantie viel bewege. Nicht nur die Wartezeiten will Gröhe mit neuen gesetzlichen Regeln im Bereich der Ärzte nach der Sommerpause angehen. Auch Weiterentwicklungen bei der Struktur der ärztlichen Versorgung zur Abwehr wachsenden Ärztemangels sind geplant.

Mehr zum Thema in der NDR-Reportage: Weiße Kittel und schwarze Schafe


Weitere hilfreiche Links:

Online-Facharzt-Suche >>> www.kbv.de >>> www.arzt-auskunft.de

Hat meine Krankenkasse eine Vermitllungshilfe für Facharzttermine? >>> zum Test


Foto oben: Ligamenta Wirbelsäulenzentrum / pixelio.de