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Termin-Service-Stellen: Kassenärztliche Bundesvereinigung zieht 100-Tage-Bilanz

09.05.2016  Seit Ende Januar des laufenden Jahres können sich Patienten Facharzttermine innerhalb von vier Wochen durch Servicestellen vermitteln lassen. So will es das Versorgungsstärkungsgesetz der Bundesregierung. Knapp drei Monate nach der Einführung des elektronischen Terminservices (eTerminservice) fällt die Nutzungsbilanz ernüchternd aus. Die Servicestellen stellten sich zwar als technisch einwandfrei heraus, würden jedoch nur bedingt genutzt werden. In den ersten 100 Tagen vermittelten sie lediglich rund 19.500 Facharzttermine, so der Bericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Nachfrage unterhalb der Erwartungen

Bislang nutzen elf der insgesamt 17 Kassenärztlichen Vereinigungen den eTerminservice, der von einem Tochterunternehmen der KBV entwickelt wurde. Die übrigen sechs arbeiten mit anderen Systemen, so dass die geschätzte Anzahl bei insgesamt mehr als 31.000 vermittelten Facharztterminen liegt. Die aktuelle Nutzungsbilanz zeige und bestätige zudem die Bereiche, in denen es zu Engpässen kommt. So wurden vor allem Termine zu Internisten, Nerven- und Augenärzten vermittelt. Die Nachfrage der Patienten steige stetig, bleibe aber bislang unterhalb der Erwartungen. Auf Grundlage dieser Bilanz müsse nun gemeinsam mit allen regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen darüber beraten werden, inwiefern der elektronische Terminservice etwa hinsichtlich eines direkten Zugangs für Patienten weiterentwickelt werden könnte.

Dringender Behandlungsbedarf ist Voraussetzung

„Im Vergleich zu den jährlich mehr als 550 Millionen Behandlungsfällen und über einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten im ambulanten Sektor ist diese Anzahl sehr gering und beweist erneut, dass wir – objektiv betrachtet – insgesamt geringe Wartezeiten in Deutschland haben“, erklärt Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Aus unserer Sicht werden diese Servicestellen nicht wirklich gebraucht“, so Gassen weiter.

Mit dem 25. Januar 2016 führten die Kassenärztlichen Vereinigungen der einzelnen Regionen die vom Gesetzgeber geforderten Servicestellen zur Vermittlung dringender Facharzttermine ein. Patienten benötigen eine ärztliche Überweisung aus der ein dringender Behandlungsbedarf hervorgeht, um diese Stellen nutzen zu können. Die Termin-Service-Stelle ruft bei der regionalen Kassenärztlichen Vereinigung an und bietet anschließend Patienten innerhalb einer Woche einen Expertentermin an, der nicht weiter als vier Wochen in der Zukunft liegt. Das sonst geltende Recht der freien Arztwahl gilt hierbei nicht.