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USA

Schlappe für den Datenschutz? Amazon gründet eigene Krankenversicherung

veröffentlicht am 08.03.2018 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Ende Januar wurde bekannt, dass der Online-Versandriese seine eigene Krankenkasse gründen wird. Aber nicht allein: Mit von der Partie werden außerdem die US-Bank Morgan Chase und die Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sein.

2018-03-08T08:06:00+01:00
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Ende Januar wurde bekannt, dass der Online-Versandriese seine eigene Krankenkasse gründen wird. Aber nicht allein: Mit von der Partie werden außerdem die US-Bank Morgan Chase und die Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sein. Wäre damit ein weiterer großer Schritt in Richtung Totalüberwachung gemacht?

Obwohl es sich zunächst um ein nicht gewinnorientiertes Angebot für die eigenen amerikanischen Mitarbeiter handeln soll, lässt die Beteiligung der größten US-Bank und des Hedgefonds anderes erahnen. Doch es geht nicht nur ums Geld – Kritiker sehen den Schutz personenbezogener Daten in Gefahr und die Totalüberwachung kommen.

 

 

Reaktion auf hohe Gesundheitskosten in den USA


In den USA sind die Gesundheitskosten sehr hoch. Dies liegt zum einen an hohen Pharma- und Arztpreisen, zum anderen aber auch an profitorientierten Krankenversicherungen. Diesem Zustand wollen die drei US-Riesen mit ihrem Plan von der eigenen Krankenkasse nun etwas entgegensetzen. Ihr Ziel ist die Senkung der Gesundheitskosten für ihre Mitarbeiter.

 

 

 

 

Alles auf einen Blick: Smartphones und Apps machen‘s möglich


Da viele Menschen ohnehin bereits viele Alltagsangelegenheiten über ihr Smartphone steuern und abwickeln, ist es nur folgerichtig, dies auch auf die eigenen gesundheitsbezogenen Daten anzuwenden. Amazons Krankenversicherung brächte daher sicherlich einige praktische Vorteile: Bestimmte Apps könnten alle Gesundheitsdaten und Krankenakten digital an einem Ort sammeln. Für die Versicherten würde das mehr Übersichtlichkeit sowie eine bessere Kenntnis der eigenen Daten und für die Krankenkassen immense Kostenersparnisse bedeuten.
Im medizinischen Alltag wären die Vorteile ebenfalls bestechend: Patienten wüssten besser Bescheid und könnten deshalb gezielter mit den Ärzten kommunizieren. In Notfällen wären alle wichtigen Daten schnell und präzise abrufbar, es könnte also im Ernstfall rascher reagiert werden.

 

 

 

 

Enorme Vorteile für Krankenkassen


Bis jetzt verläuft der Informationsaustausch zwischen Versicherungsmitglied und Krankenkasse überwiegend asymmetrisch – die Kassen erfahren für gewöhnlich nicht, wie sich ihr Kunde im Alltag verhält, wie gesund er sich beispielsweise ernährt oder wie fit er sich hält. Erst, wenn sich das Mitglied zum Arzt begibt, kommt für die Versicherungen Licht ins Dunkel. Diesen Schritt macht der Patient aber bewusst und kennt die Folgen seines Arztbesuchs, was die Datenweitergabe an die eigene Kasse betrifft.
Ein Meilenstein, der diesem Zustand entgegenwirken würde, wäre zum Beispiel Amazons hauseigene Krankenversicherung. Allwissende Versicherungen, die dank Apps und Co. alle Informationen von den Ess- und Schlafgewohnheiten bis zu den Blutzuckerwerten speichern und deren Algorithmen daraus Gesundheitsrisiken errechnen könnten, würden gläserne Mitglieder erzeugen. Darüber hinaus könnten die Versicherungen das Verhalten ihrer Kunden gezielt lenken. Die Mitglieder hätten wohl kaum noch einen Überblick darüber, was mit welchen Daten passiert und welche finanziellen Folgen schlechte Essgewohnheiten oder bestimmte Aktivitäten haben könnten. Die Kassen könnten ihre Kunden dann mit höherer Selbstbeteiligung oder höheren Versicherungsbeiträgen für ihren ungesunden Lebensstil bestrafen. Andersherum würden Menschen, die ihre Daten freiwillig offenlegen, weil sie beispielsweise viel für ihre Gesundheit tun, bessere Versicherungsleistungen und geringere Beiträge winken – Tendenzen, die sich schon heute teilweise bei einigen Krankenkassen beobachten lassen.

 

 

 

 

Mitmachen oder sich verweigern?

 

 


Letztendlich müssten sich die Kunden entscheiden: Wollen sie ihre Intimsphäre schützen und müssen im Gegenzug mit steigenden Versicherungsbeiträgen rechnen? Oder legen sie ihrer Krankenversicherung alles offen und profitieren dadurch von Boni und Co. sowie vom bequemeren Handling ihrer Daten? Es wäre also vor allem eine Entscheidung nach finanziellen Gesichtspunkten: Wer das Geld für immer weiter steigenden Beiträge nicht zahlen kann, hätte schließlich keine andere Wahl, als seine Privatsphäre aufzulösen.  
Selbstverständlich wären die finanziellen Vorteile auch ein Anreiz für einen gesünderen Lebensstil, doch gibt es sicherlich auch den einen oder anderen, der seine Daten trotz gesunden Lebensstils nicht so einfach würde preisgeben wollen.

Quellen: https://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/auf-dem-weg-zum-glaesernen-buerger-amazon-gruendet-eigene-krankenkasse-doch-das-sorgt-fuer-aerger_id_8439784.html,
https://www.welt.de/wirtschaft/article173229888/Amazons-Krankenversicherung-fuehrt-in-den-Ueberwachungsstaat.html,
http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/us-gesundheitssystem-amazon-berkshire-hathaway-und-jp-morgan-gruenden-krankenkasse/20906974.html

 

Bildvorlage: (c) Pixelio.de / Harald Grunsky 

 

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