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Pflegegrade statt Pflegestufen: Reformen in der Pflegeversicherung ab Januar gültig

19.09.2016

Ab 2017 gibt es Pflegegrade statt Pflegestufen in der Pflegeversicherungn

Ab Januar 2017 gelten komplett andere Regelungen in der Pflegeversicherung, denn dann tritt die politisch lang verhandelte große Pflegereform in Kraft. Bevor die schwarz-rote Koalition mit Gesundheitsminister Röhe das Pflegestärkungsgesetz II im November 2015 verabschiedete, hatten bereits drei vorherige Regierungen erfolglos eine Reform angestrebt. Nun sind wesentliche Kritikpunkte gesetzlich verändert worden.

Neue Schwerpunkte in der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit  

Reformschwerpunkt ist eine stärkere Ausrichtung auf Demenzerkrankungen zu Lasten der bislang im Mittelpunkt stehenden eher körperlichen Handicaps. Das bisherige Einstufungssystem nach drei Pflegestufen wird in seiner derzeitigen Form abgeschafft. Diese waren allein auf den geschätzten Zeitaufwand für Pflegetätigkeiten konzipiert und hatten zum kritisierten Begriff der „Minutenpflege“ geführt.

Statt dessen werden fünf Pflegegrade mit größerer Differenzierung eingeführt. Dabei wird in größerem Maße als bislang auch eine Unterscheidung zwischen geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen auf der einen und körperlichen Gebrechen auf auf der anderen Seite getroffen. Unverändert dagegen bleibt, dass die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) den Pflegegrad ermitteln und im Lebensumfeld des Patienten zuvor prüfen. Ebenfalls unverändert bleibt das Prinzip „je größer der Pflegegrad/die Pflegestufe, desto höher die Zahlungen aus der Pflegekasse“.

Welche Kriterien gelten ab 2017?

Mit größerer Genauigkeit als bislang wird die Abhängigkeit von helfenden Personen aufgenommen und eingestuft. Als pflegebedürftig gelten ab 2017 nur noch diejenigen Menschen, die nicht mehr ohne Helfer ihren Alltag bewältigen können. Von dieser Umbewertung profitieren eher Menschen, die trotz körperlicher Funktionsfähigkeit bei alltäglichen Verrichtungen hilfebedürftig sind, wie es bei Demenzkranken oft der Fall ist. Demenzkranke können ab dem kommenden Jahr also stärker als bisher einen vollen Pflegebedarf geltend machen.

Kriterien für die neuen Pflegegrade sind neben der  Mobilität und den kognitiven bzw. kommunikativen Fähigkeiten auch die Möglichkeit zur Selbstversorgung sowie die Fähigkeit, das Alltagsleben und soziale Kontakte zu gestalten.

Bestandsschutz für derzeitige Pflegestufen – Antragsteller sollten sich beeilen

Bei der Umstellung auf das neue System ist Bestandsschutz vorgesehen. Verbraucherschützer empfehlen Menschen mit rein körperlichen Einschränkungen, noch in diesem Jahr einen Leistungsantrag bei der Pflegeversicherung zu stellen, weil dieser noch nach den alten Kriterien bewertet wird und die Einstufung unter eine Bestandsschutzregelung fallen wird. Wer noch in diesem Jahr eine größere Pflegestufe bewilligt bekommt, erhält 2017 einen höheren Pflegegrad bei der Umwandlung. 

Pflegeheime werden für viele teurer – Umzug bis Sylvester lohnt sich

Wer ab 2017 einen Platz im Pflegeheim beanspruchen möchte, muss in vielen Fällen einen höheren Eigenanteil für den Platz zahlen, denn die Preise dafür werden unabhängig vom Pflegegrad vereinheitlicht. Menschen, die bereits einen Umzug ins Pflegeheim geplant haben, sollten diesen noch in diesem Jahr vollziehen, weil sie dann ebenfalls von einer Ausgleichsregelung ohne Mehrkosten profitieren können. Nicht einlassen dagegen sollte man sich auf eine von den Heimen derzeit gern vorgeschlagene Höherstufung in der Pflegestufe. Dies genau kann im kommenden Jahr zu Mehrkosten führen. 

 

 


 

Alle Pflegegrade erklärt - www.Pflege-Grad.org

Pflegestärkungsgesetz II - Zum Gesetzestext HIER